Bruckners Neunte und Mozarts Klarinettenkonzert

Die Staatsphilharmonie Nürnberg zu Gast in der Abtei Münsterschwarzach

Bruckners Neunte und Mozarts Klarinettenkonzert

 Soviel Bruckner, ist man zu sagen geneigt, war nie, zumindest aber: selten. Das Philharmonische Orchester Würzburg startet mit Anton Bruckners Symphonischem Präludium (das bisweilen auch Gustav Mahler zugeschrieben wird oder Hans Rott) in die neue Spielzeit, die Staatskapelle Weimar ist am 8. Oktober im Großen Haus der Stadthalle Bayreuth mit der Neunten (und dem Violinkonzert von Brahms) zu Gast, die Bamberger Symphoniker machen Ende Oktober und anfangs November die Fünfte, die Jenaer Philharmonie die monumentale Achte (am 6. November), während die Münchner Philharmoniker im September unter ihrem neuen Chefdirigenten Valery Gergiev die Vierte gaben, also die Romantische (ebenfalls gepaart mit dem op. 77 von Brahms; Solistin war Janine Jansen).

 

Bruckners dem lieben Gott geweihte (das ist mündlich überliefert), finale, unvollendet gebliebene Neunte machten die Bamberger Symphoniker unter Jonathan Nott in diesem Sommer unter anderem im Heinrichsdom, und am vergangenen Samstag konnte man der Neunten abermals mit Nott lauschen, der, jetzt im Joseph-Keilberth-Saal, am Pult der Jungen Deutschen Philharmonie stand. Auch die Staatsphilharmonie Nürnberg wird sich Bruckners Abschiedswerk annehmen, und zwar am kommenden Samstag, den 3. Oktober. Dann ist man in der Abtei Münsterschwarzach zu Gast, und wohl kaum ein Werk eignete sich besser für dieses Ambiente als eben die Neunte von Anton Bruckner, an der dieser von 1887 bis in sein Sterbejahr hinein (1896) gearbeitet hatte.

 

Feierlich, misterioso hebt der erste Satz an, der Grundton d in den Kontrabässen, als Orgelpunkt, die übrigen Streicher tremolieren, das Holz kommt hinzu, sodann die Hörner, deren acht, und schon haben wir den so brucknertypischen punktierten Rhythmus, dazu die trockenen Schläge der Pauke. Das Scherzo ist dann bewegt, ist lebhaft, das dazugehörige Trio schnell. Das nicht bewegte, aber ganz arg bewegende, ergreifende Finale, das Adagio, ist langsam, feierlich überschrieben. Uraufgeführt wurde die Neunte, allerdings in einer geänderten Fassung, erst nach Bruckners Ableben, nämlich am 11. Februar 1903 unter Ferdinand Löwe. Die Originalversion ließ gar noch länger auf sich warten. Sie wurde erst im April 1932 in München aus der Taufe gehoben. Am Pult der Münchner Philharmoniker – die später, unter Sergiu Celibidache, mithin von 1979 bis 1996, mit den Werken Bruckners zu internationalem Ruhm gelangen sollten – stand damals Siegmund von Hausegger. Am Pult der Staatsphilharmonie Nürnberg wird in Münsterschwarzach deren Generalmusikdirektor Marcus Bosch stehen.

 

Vor der Pause erklingt Mozarts Köchelverzeichnisnummer 622, das Klarinettenkonzert in A-Dur (man kennt es, unter anderem, aus Sidney Pollacks „Out of Africa“ von 1985, mit der bezaubernden Meryl Streep in der Rolle der Karen Blixen). Das ist eine ganz wunderbare, ja fast dem Himmel nahe Musik, nicht nur das weit ausschwingende Adagio. Solistin ist die famose Belgierin Annelien Van Wauwe, die unter anderem bei Sabine Meyer, bei dem grandiosen Alessandro Carbonare und bei Wenzel Fuchs studierte. Beim Musikwettbewerb der ARD wurde ihr 2012 der zweite Preis zuerkannt (einen ersten wollte die in München gewohnt gestrenge Jury nicht vergeben). Bruckner und Mozart, das geht sehr gut zusammen. Man mache sich also auf nach Münsterschwarzach. Das Konzert in der Benediktinerabtei beginnt um 16 Uhr. Wer die Möglichkeit hat, schon am 1. Oktober in Frankfurt zu sein, kann dort ebenfalls Mozarts Klarinettenkonzert lauschen. Solist in der Alten Oper ist Jörg Widmann. Juraj Valcuha Valcuha  dirigiert dann die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie.

 

Annelien Van Wauwe, Fotos © Christian Ruvolo

Marcus Bosch, Foto © Thomas Niedermueller

Jürgen Gräßer
29.09.2015

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