Auf den Spuren von Orpheus

Der 13. „Kissinger Klavierolymp“ lädt zur Nachwuchsschau junger Pianisten

Auf den Spuren von Orpheus

 Welcher Name, welcher Anspruch: höher als olympisch geht‘s nun wirklich nicht! Man könnte das Motto, unter das Kari Kahl-Wolfsjäger, die jetzt scheidende Intendantin des „Kissinger Sommers“, seinerzeit das von ihr 2003 aus der Taufe gehobene Kräftemessen junger Tastenzauberer stellte, für zu ambitiös halten. Doch wenn man sich die Bilanz nach 13 Jahren ansieht, muss man neidlos anerkennen, dass hier keine Berge kreissten, um Mäuse zu gebären, sondern dass dieser Olymp große Klaviertalente zu Tage förderte. Erwähnen wir nur, dass z.B. ein Kit Armstrong dem Kissinger Sonderfestival seine Entdeckung und erste Förderung verdankt – ein Orpheus der Tasten!

 

Wirft man einen Blick auf das Programm des diesjährigen Klavierolymps, der vom 8. - 11. Oktober im wunderschönen Rossinisaal der Bäderstadt über die Bühne geht, so geht es einem so wie eigentlich immer: die Namen der angekündigten Pianisten und Pianistinnen sagen einem wenig bis gar nichts, sind aber in der Regel bei namhaften Künstlern von Weltrang in die Lehre gegangen oder gefördert worden – oder werden es noch, weil sie gar so jung sind. Später wundert man sich dann darüber, dass aus diesen Unbekannten unversehens Nachwuchsstars mit klingenden Namen werden, weil sie in Bad Kissingen den entscheidenden Karriereschwung mitbekamen.

 

Die Altersbandbreite reicht diesmal von 12 (!) bis 21 Jahren. Maxim Lando, der Zwölfjährige, wird von Lang Lang gefördert und studiert zurzeit am berühmten Juillard College of Music in New York. Er wird am 10. Oktober Werke von Liszt, Beethoven, Chopin, Horowitz und Prokofieff spielen, also schwierigstes Repertoire. Etwas älter, aber mit 16 Jahren immer noch blutjung, ist Clayton Stephenson, der sich tags zuvor an Bach, Chopin, Beethoven, Liszt und Liebermann wagen wird. Den Auftakt am 8. Oktober gestaltet die 20-jährige Chinesin Shizhe Shen aus Wuhan, die trotz ihres jungen Alters bereits preisgekrönt ist und mit Brahms, Debussy, Chopin, Liszt und Paderewski brillieren wird. Am 10. Oktober konzertieren zwei Pianistinnen aus dem Osten: die 18-jährige Marie-Ange Guci, die in Albanien geboren ist, aber jetzt in Paris lebt und Schumann, Mozart, Franck, Ligeti und Ravel interpretieren wird, sowie die 21-jährige Julia Kociuban aus Polen, die mit Beethoven, Schumann, Scrijabin und Chopin zu überzeugen versuchen wird.

 

Der Reigen der Klavierrezitals schließt sich am 11. Oktober mit dem 21-jährigen Kubaner Jorge Gonzalez Buajasan, der ebenfalls in Paris lebt und bereits zahlreiche Preise errang. Sein Programm widmet sich Beethoven, Mozart, Liszt und Albeniz. Ein Abschlusskonzert am Abend desselben Tages wird alle sechs Teilnehmer vereinen und den 13. Kissinger Klavierolymp mit der Bekanntgabe der Jury- und Publikumspreise ausklingen lassen. Karten für diesen außergewöhnlichen Nachwuchswettbewerb gibt es unter Tel. 0971-8048-44 oder im Internet.

 

Foto Lando Maxim, © Nikita Bassov

 

Martin Köhl
07.10.2015

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