Bachmann-Preisträger bei „Bamberg liest“

Auftakt im E.T.A.-Hoffmann-Theater

Bachmann-Preisträger bei „Bamberg liest“

 Den schönen Titel „Das ungemachte Bett des Daseins“ trägt die Veranstaltung am Dienstag, 3. November, mit welcher „Bamberg liest“ seine fünfte Jubiläumsrunde eröffnet. Und wie es sich für ein Jubiläum schickt, haben sich für diesen Herbst große Namen angekündigt. Tex Rubinowitz beispielsweise, der Bachmann-Preisträger 2014, wird in das Große Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters kommen und aus seinem Roman „Irma“ lesen. Beginn ist um 20 Uhr.

 

Für Hubert Winkels, den Juryvorsitzenden bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, war Rubinowitz‘ Roman nichts weniger als ein „Glücksfall“, und die Frankfurter Allgemeine Zeitung feierte das bei Rowohlt herausgekommene vielschichtige, assoziative Opus als ein famoses „Plauderstück“: „Der Text von Tex Rubinowitz, Textext könnte man ihn nennen, ist großartig. Rubinowitz kann sehr gut verunglückten Sex schildern, und er hat ein Talent für überraschende Metaphern“, schrieb die Kritikerin. Den Anfang nimmt die Geschichte mit einer Freundschaftsanfrage bei Facebook, die die Titelheldin dem Erzähler schickt. Vor drei Jahrzehnten waren die beiden einmal ein Paar. Am Ende stand damals ein Zettel auf dem Küchentisch: „Ich bin weggegangen. Wenn ich in 50 Minuten nicht zurück bin, komme ich gar nicht mehr. Brauchst nicht zu warten.“

 

Rubinowitz, 1961 in Hannover geboren und in Wien lebend, ist jemand, der auf vielen Hochzeiten tanzt. Er ist Schriftsteller, Cartoonist, Musiker, Reisejournalist und bekennender TV-Junkie. Er war Molkereifacharbeiter in Lüneburg, Bremsschirmpacker bei der Bundeswehr, hat im Radio für Hyazinthenzwiebel-Sonderangebote geworben und in Wien Kunst studiert. In Bamberg wird Rubinowitz musikalisch begleitet von Max Müller, dem Sänger der legendären Berliner Band Mutter. Müller hat außerdem zu Rubinowitz‘ „Irma“ Illustrationen gezeichnet. Zudem wird der Abend aufgemischt durch Auftritte von Schauspielern aus dem Ensemble des E.T.A.-Hoffmann-Ensembles.

 

Diese werden bei „Bamberg liest“ darüber hinaus einen weiteren Abend im Gewölbe des E.T.A.-Hoffmann-Theaters gestalten, und zwar am 18. November. „Vergesst Deutschland!“ ist der Abend überschrieben. Es sollen spezifisch deutsche Eigenheiten, Tugenden, Laster, Widersprüche und Sehnsüchte untersucht werden. Die Schauspieler werden die Rede des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, rezitieren. „Vergesst Deutschland!“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein weltoffenes Deutschland. Auch hier ist der Beginn für 20 Uhr angesetzt.

 

Tex Rubinowitz, Foto © Hertha Hurnaus

Jürgen Gräßer
12.10.2015

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