Jubiläumskonzert 325 Jahre Meininger Hofkapelle

Brahms und Strauss, Detlef Glanert und Thomas Adès

Jubiläumskonzert 325 Jahre Meininger Hofkapelle

 Im Jubiläumskonzert zum 325-jährigen Bestehen der Meininger Hofkapelle am Samstag, den 24. Oktober dreht sich alles um Johannes Brahms, den mit der Hofkapelle eine fruchtbare Zusammenarbeit verband, die in der gemeinsamen Uraufführung der 4. Sinfonie gipfelte. Diese und auf Brahms Bezug nehmende Werke von Richard Strauss, Detlev Glanert und Thomas Adès stehen im 2. Sinfoniekonzert unter dem Dirigat von GMD Philippe Bach auf dem Programm. Neben Opernsolist Dae-Hee Shin ist mit Astrid Weber eine renommierte Strauss- und Wagner-Interpretin zu Gast. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr im Großen Haus. Um 18.30 Uhr findet eine Konzerteinführung im Foyer statt. Karten sind an der Theaterkasse unter: 03693/451-222 und 451-137 sowie www.das-meininger-theater.de erhältlich.

 

Wenige Werke sind so eng mit der Geschichte der Meininger Hofkapelle verbunden wie die Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98, die Brahms 1884 und 1885 in zwei Etappen während seiner Sommeraufenthalte im steirischen Mürzzuschlag verfasst hatte. Sie bildet denn auch den abschließenden Höhepunkt des Jubiläumskonzerts des Orchesters, das das Werk am 25. Oktober 1885 im 3. Abonnementskonzert der Herzoglichen Hofkapelle „unter persönlicher Leitung des Meisters“ uraufführte – also fast auf den Tag genau 130 Jahre vor dem 2. Sinfoniekonzert der Jubiläumsspielzeit. Brahms hatte damals dem Hofmusikintendanten Bülow, auf dessen Initiative die Zusammenarbeit mit dem Meininger Elite-Orchester zustande kam, mit verhaltener Euphorie das neue Werk angekündigt: Er fürchte, das Werk schmecke nach seinem Entstehungsklima, und „die Kirschen hier werden nicht süße, du würdest sie nicht essen!“ Nach den gemeinsamen Proben konnten Bülow und die Musiker jedoch alle Zweifel zerstreuen: „riesig, ganz eigenartig, ganz neu, eherne Individualität. Athmet beispiellose Energie von a bis z“, war Bülows Einschätzung, und er behielt Recht: Das Werk wurde nicht nur in Meiningen, sondern auch auf der folgenden Konzerttournee begeistert aufgenommen.

 

Die Beschäftigung anderer Komponisten mit Brahms‘ Werken ließ nicht lange auf sich warten. Ein prominentes Beispiel der Bezugnahme auf eine Brahms-Komposition findet sich bei Richard Strauss, der sich am Ende seines Lebens noch vier Mal der Gattung des Orchesterlieds widmete. 1948 komponierte Strauss im Schweizer Exil vier Lieder um Sterblichkeit und Abschiednehmen, die sein Verleger als Werkgruppe zusammenfasste und als „Letzte Lieder“ betitelt heraus gab. In der Eichendorff-Vertonung „Im Abendrot“ – entstehungsgeschichtlich das erste, im Konzertgebrauch das letzte seiner vier letzten Lieder – lässt Strauss nicht nur seine eigene Tondichtung „Tod und Verklärung“ nochmal anklingen, sondern auch „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms.

 

Dass sich Detlev Glanerts „Weites Land“ auf Brahms bezieht, verrät schon der Untertitel: „Musik mit Brahms für Orchester“. Ein Auftragswerk des Oldenburgischen Staatstheaters und 2014 ebendort uraufgeführt, baut das etwa viertelstündige Stück auf den ersten Intervallen der 4. Brahms-Sinfonie auf. Detlev Glanert, wie Brahms ein gebürtiger Hamburger, sagt selbst, es sei „viel Norddeutschland“ in seinem Werk, „der weite Himmel“ und „der Brahmssche Geruch von Marschland“.

 

So viel Hommage verlangt nach einem Kontrapunkt – den Thomas Adès‘ „Brahms“- Komposition mit hintersinnigem Humor bietet. In Auftrag gegeben als Geburtstagsgruß zu Alfred Brendels 70. Geburtstag, verarbeitet der britische Starkomponist ein herrlich respektloses Gedicht aus der Feder des berühmten Pianisten. Darin erscheint Brahms als Gespenst, bearbeitet unerbittlich die Klaviertasten, so dass die Kinder aus dem Schlaf schrecken und heulen: „Schon wieder Brahms!“ Ja, auch in Meiningen: schon wieder Brahms.

 

Detlev Glanert (*1960) Weites Land

Richard Strauss (1864 - 1949) Vier letzte Lieder AV 150

Thomas Adès (*1971) Brahms

Johannes Brahms (1833 - 1897) Sinfonie Nr. 4 e-Moll op.98

 

Solisten:  Astrid Weber (Sopran), Dae-Hee Shin (Bariton)

Dirigent:  GMD Philippe Bach

 

2. Sinfoniekonzert: 325 Jahre Meininger Hofkapelle

Samstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus

Konzerteinführung: 18.30 Uhr, Foyer

 

Karten und Infos unter: 03693/451-222 und 451-137 sowie www.das-meininger-theater.de

 

Meininger Hofkapelle, Foto © Michael Reichel

Alfred Brendel, Foto © Peter-Andreas Hassiepen

Alfred Brendel, Spiegelbild und schwarzer Spuk, Gedichte © Hanser Verlag, München


15.10.2015

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