Bischof, Klostergründer und Missionar

Otto I., Bischof von Bamberg, prägende Gestalt des Benediktinerklosters Michaelsberg, und die legendenhafte Otto-Vita von 1628

Bischof, Klostergründer und Missionar

  Heinrich II., Kunigunde und Otto, das ist das Trio der Bamberger Heiligen. Dass sie alle im hohen Mittelalter heiliggesprochen wurden, genauer gesagt in dem kurzen Zeitraum von 1146 bis 1200, ist ein Reflex auf die herausragende Bedeutung der Stadt in dieser Epoche. Otto muss man schon deshalb gleichberechtigt neben dem Kaiserpaar nennen, weil er wie die Bistumsgründer auch Bistumspatron ist. Und keiner nach ihm hat das Bistum Bamberg so lange geleitet wie er.

Über die Herkunft Otto ist wenig bekannt, vermutlich stammte er aus Schwaben und wurde in Eichstätt oder am Kloster Hirsau erzogen bzw. ausgebildet. Kaiser Heinrich IV. muss früh die außergewöhnlichen Fähigkeiten des jungen Kaplans am Hofe des Polenherzogs Wladislaw-Hermann (wo er seit 1088 weilte) erkannt haben, denn schon 1092 holte er ihn an den kaiserlichen Hof, wo er später sogar zum Kanzler aufstieg. Zuvor wurde er jedoch mit der Bauleitung des Speyerer Doms beauftragt. 1102 ernannte Heinrich IV. ihn zum achten Bischof von Bamberg (in der Nachfolge von Bischof Rupert). Dieses Amt erwies sich als sehr anspruchsvoll, denn es galt, ein schwer zu verwaltendes Territorium mit weit verstreuten Besitzungen zu konsolidieren. Otto gründete und reformierte zahlreiche Klöster und ließ Befestigungen bauen. Die Einführung der Hirsauer Reform ließ das Klosterleben aufblühen und die Zahl der Mönche steigen. Seine Erfahrungen am Speyerer Dom prädestinierten ihn für die Leitung des Wiederaufbaues der durch ein Erdbeben zerstörten Michaelskirche in den Jahren 1117 bis 1121 und zuvor schon für die Beseitigung der gravierenden Schäden, die am Dom 1081 durch ein Feuer entstanden waren. Otto stattete St. Michael überdies mit eigenen Schenkungen aus. Die enge Verbindung zu dieser Kirche mag ein Grund dafür gewesen sein, dass er das Gotteshaus entgegen damaliger Gepflogenheiten zu seiner Grabstätte machte.

Otto engagierte sich jedoch auch in der Reichspolitik. So versuchte er in der dramatischen Endphase des Investiturstreits zu vermitteln, war an Verhandlungen mit Papst Paschalis II. beteiligt und erwarb sich Verdienste um die Einigung im Wormser Konkordat von 1122. Sein ausgleichendes Wesen soll auch zuvor schon die Auseinandersetzungen Heinrichs IV. mit seinem Sohn beendet haben, was zur Lösung des Banns führte.

Untrennbar mit Ottos Namen ist das Attribut „Apostel der Pommern“ verbunden. Als solcher hat er wahrlich Geschichte gemacht. Seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts wurden die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Vordringen der Deutschen jenseits der Elbe günstiger. Die Christianisierungsanstrengungen wurden stärker. Im Odergebiet unternahm Otto von Bamberg auf Betreiben Boleslavs von Polen zwischen 1124 und 1128 zwei Missionsreisen zu den Pommern, die von Erfolg gekrönt waren. Der Erfolg der ersten Mission war allerdings nicht von Dauer, denn die slawische Priesterschicht hatte noch zuviel Einfluss. Obwohl Otto sich den rechtlichen und wirtschaftlichen Ortsverhältnissen geschickt angepasst hatte, gab es Widerstand. Als er, fast 70jährig, noch einmal als Gesandter Kaiser Lothars III. nach Pommern aufbrach, gelang es ihm, Frieden zwischen den Herzögen von Polen und Pommern zu stiften und Stettin für den christlichen Glauben zurückzugewinnen. Dort hat er, wie zuvor schon in Wollin, zwei Kirchen gegründet, die eine „in medio foro“ für die schon christlichen Fernhändler, die andere „ante portam civitatis“, also vor dem Tor der Fürstenburg, für die Slawenmission.

Dass die Missionierung der Slawen nicht nur durch Überzeugungsarbeit, sondern auch mit dem Schwert durchgesetzt wurde, liegt auf der Hand. Insofern gibt es natürlich auch eine „pommersche Perspektive“ der Geschichtsschreibung über jene Zeit, so ähnlich wie es kurze Zeit später auch eine Darstellung der Kreuzzüge aus arabischer Sicht geben sollte. Die 28 Holzbildtafeln der so genannten Ottolegende, die bald nach dem großen Brand der Michaelskirche von 1612 angefertigt wurden, erwähnen entsprechende Begebenheiten. So berichtet Tafel 17 von einem Überfall der Pommern auf die Gefährten Ottos. Der (aus dem 19. Jahrhundert stammende) Begleittext berichtet, der Bischof habe „den Schild des heidnischen Gottes Gerovit“ ergriffen und sei so „den Heiden kühn entgegen“ gegangen. Tafel 19 schildert, wie Ottos Anblick „mordlüsterne Pommern erstarren“ ließ. In Tafel 20 entgeht der Missionar „durch Gottes Fügung“ einem Attentat, dessen Motiv darin lag, dass sich Otto an heidnischen Götzen zu schaffen machte – was den Pommern überhaupt nicht gefiel.

Die überaus interessanten Tafeln der Ottolegende, die das Leben des Heiligen von seinen Jugendjahren bis zur Erhebung seiner Grabstätte zum Wallfahrtsort schildern, sind zurzeit natürlich nicht zugänglich, da sie unter der Empore im Eingangsbereich der wohl für lange Zeit geschlossenen Kirche angebracht sind. Man kann sie jedoch im Inventarband des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege finden (leider nur schwarz-weiß) oder farbig auf der Homepage
www.Apfelweibla.de

 

Copyright Fotos:

Otto I., Bischof von Bamberg, Foto © Martin Köhl

Martin Köhl
02.12.2015

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