Tastenduell als künstlerischer Showdown

Bei der „Piano Battle“ im Nürnberger Opernhaus fungiert das Publikum als Jury

Tastenduell als künstlerischer Showdown

 Wenn zwei sich streiten, dann freut sich … nein, nicht der Dritte, sondern das Publikum! So geschehen kürzlich in einer Sendung auf BR Klassik, als ein zuletzt von den Musikkritikern hochgelobter lebender Pianist auf einen längst gestorbenen Titanen des Tastengewerbes traf: Igor Levit im virtuellen Zweikampf mit Glenn Gould. Letzterer mit seinen teils doch sehr verschrobenen Bachinterpretationen zog den Kürzeren, und das Ganze hätte durchaus als originelle Idee durchgehen können, wenn die beiden Moderator(inn)en des BR nicht gar so albern und inkompetent gewirkt hätten.

Nun soll abermals die Zuhörerschaft Schiedsrichter spielen, jedoch live, was viel spannender zu werden verspricht. Die nämlich darf, wenn sich zwei schwarz und weiß gekleidete Herren zum künstlerischen Duell am Flügel treffen und möglichst auch mit ihrer „performance“ überzeugen können, darüber entscheiden, wem von den Beiden der Vorzug zu geben ist. Paul Cibis und Andreas Kern machen das am Freitag, 18. März, im Nürnberger Opernhaus etwas anders als die erwähnten Rundfunk-Kontrahenten, denn bei ihnen ist die „Piano Battle“ in gewisser Weise „vorinszeniert“.

Eigentlich sind die Beiden Freunde, doch im Kampf um den guten Ton kennen sie kein Erbarmen. Wer wird das Publikum für sich gewinnen? Die Menschen im Saal lauschen, klatschen und jubeln, bis am Ende der Sieger lautstark gefeiert wird. Zwischen Chopin und Liszt, zwischen Experimentellem und Improvisation kämpfen sich die beiden Pianisten Runde um Runde nach vorne. Der Sieger muss nicht nur mit seinem Klavierspiel überzeugen, sondern auch mit Charme und Humor.

Mit „Piano Battle“ landete das klassisch ausgebildete Duo einen Volltreffer – eine ebenso amüsante wie virtuose Schlacht am Klavier, erdacht von den beiden „Kontrahenten“ am Piano und gänzlich neu in Idee und Konzept. Natürlich geht es hier um mehr als bloß um Sieg oder Niederlage, denn das Publikum soll nicht auf eine strenge Schiedsrichterrolle reduziert werden, sondern einen amüsanten Abend erleben.

 


Copyright Foto:

Piano Battle, Foto © Mathias Bothor

Martin Köhl
27.01.2016

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