Der König der Proll-Comedy ist zurück

Atze Schröder gibt „Tipps zum richtigen fremdgehen“ in der Bamberger Arena

Der König der Proll-Comedy ist zurück

 Enge Jeans, Dauerwelle, Kotletten, Pilotenbrille und dazu Cowboystiefel. Mehr Proll, das ist unzweifelhaft sicher, geht gar nicht. Stimmt wohl. Und dennoch oder gerade deswegen: Atze Schröder hat den Olymp des deutschen Comedyhimmels längst erklommen. Kein Jahresrückblick ohne den 50jährigen. Keine Preisverleihung, bei der er nicht absahnt. Und auch auf den Bühnen der Republik ist er Dauergast. Am 18. Februar in der Bamberger Arena. Mit seinem Programm „Richtig fremdgehen“ lässt er sich wieder einmal in Oberfranken blicken.

Der Rheinländer hat seine Tour um ein halbes Jahr und unzählige Termine verlängert. Klar. Fremdgehen ist schließlich zeitlos („Ich wusste, dass das Programm gut ist“). Denn wie sagte schon die große Fremdgeh-Ikone Udo Jürgens: „Fremdgehen ist keine Frage der Moral, sondern der Gelegenheiten.“ Und Gelegenheiten gibt es genug: Internet, Großraumbüro, Dampfbad. Wie schnell ist es passiert und aus einem vernuschelten „nein“ wird ein lustvolles „warum nicht?“. Wer treu ist, hat kein Verhältnis. Und wer ein Verhältnis hat, ist einfach nur flexibel. Nun gut. Moralische Grundsätze sind öffentlich darlegbar. In den Köpfen vieler sieht es anders aus. Kein Wunder, dass Atze Schröder in seinem Programm an Fremdgeh-Dauerbrennern wie Boris Becker, Franz Beckenbauer, Tiger Woods und natürlich dem Urvater des Fremdgeh-Gens, Udo Jürgens, nicht vorbeikommt. Doch nicht nur die prominente Ecke der Fremdgeher wird durchs Schlüsselloch beobachtet. Auch der normale Bürger steht im Fokus des gebürtigen Esseners, der trotz aller Widrigkeiten keine Möglichkeit auslässt, sich angreifbar zu machen. Wer erinnert sich nicht an den Prozesshansl Schröder, der gegen die Publikation seines realen Namens (der im übrigen im Markenregister einfachst zu googlen ist) in einer großen Boulevard-Zeitung klagte (und recht erhielt), der ein Foto ohne die legendäre Perücke auf dem Haupthaar erfolgreich aus den Gazetten klagte und der auch sonst recht zimperlich agiert, geht es um seine Person. Andere schont er da schon weniger. Mit der Gefahr, selbst auf die Schnauze zu fallen. So geschehen bei Fritz Wepper. Über dessen Beziehung zu einer wesentlich jüngeren Dame scherzte er gerne. Bis Wepper ihm das gerichtlich untersagte. Von seinem Weg abbringen lassen hat sich Atze Schröder dadurch nicht. Er wäre auch dumm. Seit er mit der Kult-Fernsehshow „Alles Atze“ einst seinen vielumjubelten Durchbruch feierte, hat er sich in der deutschen Comedyszene ganz weit oben heimelig eingerichtet. Mit prolligen Machosprüchen eroberte er die Herzen der Anhänger, der Stand-Up-Comedian reifte anhand allerlei öffentlicher Auftritte (Quatsch Comedy Club u. a.) zum Liebling der deutschen Lachkultur, wurde und wird immer wieder in einem Atemzug mit Stefan Raab genannt (der interessanterweise sein Privatleben ähnlich wie Schröder gerne einmal gerichtlich schützen lässt). Bei all der rhetorischen Brillianz Atze Schröders: In seinem neuen Programm schlittert er mitunter bösartig in die Rubrik des Sprücheklopfens ab. Nahezu minütlich wechseln sich unter die Gürtellinie gehende (bei dem Programmnamen durchaus erlaubt!) Kalauer ab, die ganz großen Darbietungen aus früheren Zeiten kann er damit nur selten toppen. Dennoch - bei aller Grobheit der Sprüche - immer wieder auch lässt Atze Schröder nahezu groteske Kalauer heraus, die nicht nur das männliche Publikum zum Quietschen bringen. Ganz kann es das Kind des Ruhrpotts nicht lassen. Und er fährt gut damit. Schließlich sind bei ihm politische Themen (noch immer) eher am Rande zu finden - geht es um Politik und Angela Merkel, dann geht es nicht um ihre Politik, sondern um ihr Aussehen. Er hält viel lieber den Prolls der Republik gnadenlos den Spiegel vor. Die finden sich selber in Atze Schröder, der in Interviews ein ruhiger und angenehmer Zeitgenosse, ganz wenig prollig, ist, wieder. Und ein bisschen ist er dann doch Atze Schröder. Er, der die Laster der Einzelnen aufs Korn nimmt. Aber wer sollte das besser wissen als der passionierte Porsche-Fahrer aus dem Pott? Laster sind dazu da, ausgelebt zu werden. Vor Namen macht man da nicht halt. Nun ja. Manch eine(r) auch nicht vor enger Jeans, Dauerwelle, Kotletten, Pilotenbrille und Cowboystiefel - oder Angela Ermakova. Aber wer weiß das schon genau? Vielleicht steckt ja hinter der Fassade doch einer mit Charakter.

 

 

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Atze Schröder, Foto © Pressefoto



 

Andreas Bär
27.01.2016

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