„Allmächd“

Fränkischer Schimpf- und Redensart-Kalender 2013

„Allmächd“

 „Wenn Bläidheit Gwietschn Däd, Nou Mäisäd Der In Ganzn Dooch Mibbm Ölkennla Umananderlaafn...“

 

„Allmächd“ – Was wäre unser Alltag nur ohne den ein oder anderen Fluch, die ein oder andere neckische Redensart. Denn in vielen Lebenslagen fällt es einem doch schwer, den Mund zu halten. Die Dinge müssen beim Namen genannt werden – und das können die Franken besonders gut! Der „Allmächd!“ Tisch- und Taschenkalender (ars vivendi, ISBN 978-3-86913-156-6) bietet einen Streifzug durch die fränkische Schimpfkultur – und das Woche für Woche. Für das kommende Jahr ist man also reichlich mit verbalem Zündstoff versorgt. Egal ob echter Franke oder zugezogener Frankenliebhaber, beim nächsten Wortgefecht schaut man nicht mehr drein, „Wäi A Achala, Wenn´s Blidzd“. Sondern kann mit neu erlerntem, lebensnahem Vokabular glänzen. Denn wer wäre schliesslich nicht gerne eine „Schwertgoschn“ auf fränkischem Schimpfterrain? 

 

Neben Svetlana Handschuh, die für die überzeugende Cover- und Innengestaltung zuständig war, konnte der Verlag den bekannten Mundartautor Helmut Haberkamm aus dem mittelfränkischen Spardorf bei Erlangen für die Mitarbeit gewinnen. Herr Haberkamm, der kürzlich die Doppel-CD „Gidderbarri“ veröffentlichte, stand ART 5/III für ein kurzes Interview Rede und Antwort.

 

Wie kommt man auf die Idee zu „Allmächd!“, dem Fränkischen Schimpf- und Redensart-Kalender 2013?

 

Helmut Haberkamm:

Das Interesse für Dialekt und Region ist gross, nicht nur in Franken, sondern überall in Deutschland. Man merkt das etwa an Kabarettisten und Sängern (z.B. Claudia Koreck), die mit ihrer Mundart auf der Bühne stehen, oder an den zahllosen Regionalkrimis landauf, landab. Und da liegt es nahe, einen Kalender mit Sprüchen und Redensarten zu machen, der sofort Wiedererkennung schafft und zu humorvollen Ja-genau!-Erlebnissen führt.

 

Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Herren Imhof und Wirth (beide ars vivendi verlag), gab es genaue Absprachen wer welchen Themenbereich übernimmt? Welchen Anteil haben Sie am Gesamtumfang des Kalenders?

 

Helmut Haberkamm:

Ich war in erster Linie als Lieferant von Wörtern, Ausdrücken und Erklärungen im Spiel. Alles weitere erledigten die Herren Wirth und Imhof. Die Zusammenarbeit war vollkommen reibungslos, da die Auswahl und Darbietung von den beiden Herren übernommen wurde. Mein Interesse gilt ja primär dem Dialekt als Sprache und Bedeutungssystem.

 

Wo liegt der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Sie sind Lehrer, Schriftsteller, Theaterautor und Musiker... Brauchen Sie die Vielfalt um künstlerisch zu arbeiten?

 

Helmut Haberkamm:

Vorsicht, Musiker bin ich nicht - leider. Ich arbeite nur sehr gerne mit Musikern, Komponisten und Sängern zusammen, weil Sprache und Musik zwei Seiten derselben Dialektmedaille sind. Vor allen Dingen bin ich Dialektdichter, weil die Sprache bei mir im Mittelpunkt steht. In zweiter Linie bin ich Theaterautor. Die Vielfalt kommt naturgemäss von selber, wenn man über die Jahre hinweg immer wieder unterschiedliche Möglichkeiten ausprobiert und angeboten bekommt, die Region und ihre Themen zur Sprache zu bringen. Dann ist das Theater die Erweiterung der Lyrik, Songübertragungen die Ergänzung der Mundartgedichte, so wie mein neuer „Hörfilm“ (als Doppel-CD „Gidderbarri“) die Weiterführung der gedruckten Mundarttexte ist.

 

Franken spiegelt sich in ihrer Arbeit ständig wider, geht ihr Wirkungskreis auch darüber hinaus?

 

Helmut Haberkamm:

Nur teilweise bisher, denn durch die Mundart ist man auf eine ganz bestimmte Gegend festgelegt, nämlich Franken von Würzburg bis Nürnberg, von Kronach bis Weißenburg. Die Region ist und bleibt mein Thema, nur die Mittel, dies mitzuteilen, können sich künftig noch verändern und erweitern.

 

Was verbinden Sie persönlich mit Franken?

 

Helmut Haberkamm:

Herkunft, Kindheit, Jugend, Familie, Freundschaften, Heimat, Lebensort, Landschaften, Menschen - und alles zusammen geballt in der Sprache, hauptsächlich im Dialekt, der Sprachmusik einer Landschaft.

 

Was aus Franken würden Sie im Notfall mit „Auf die Insel nehmen“?

 

Helmut Haberkamm:

Gutes Bier, ein paar Bocksbeutel, einen Stoss hervorragende Bücher (z.B. von Jakob Wassermann, Adam Scharrer und Jean Paul), einige CDs (z.B. von Wolfgang Buck und Johann Müller).

 

Welche Projekte haben Sie für 2013 in Planung?

 

Helmut Haberkamm:

Ich arbeite an hochdeutschen Texten, die Geschichten erzählen, die sich in dieser Region ereignet haben, versunkene, berührende, skurrile Geschehnisse, erfunden und wahr. Daran will ich weiterwerkeln, bis was Gescheites rauskommt. Schaumer moll, na sehngmer scho.

 

Vielen Dank für das Interview und Alles Gute für das Jahr 2013.

 

Frank Keil
11.01.2013

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