K.I.Z.

Bitteschön, Dankeschön, gern geschehen.

K.I.Z.

 Ein Highlight für die Freunde deutscher Hip-Hop-Musik bietet sich am 2. April in der Bamberger Brose Arena: Die Berliner Kult-Rapper von K.I.Z. gastieren in der heimlichen Hauptstadt des Bieres.

K.I.Z. stehen für pure Provokation. Laute Bässe, wummernde Beats und ein Moshpit, der in Hip-Hop-Kreisen seinesgleichen sucht. K.I.Z. haben den Weg in die Mitte der Musikgesellschaft längst gefunden. Dabei sind sie völlig anders als die anderen. Mit ihrer Mischung aus Pogo-Rap und provokanten Texten fischen die vier Hauptstädter nicht nur in Hip Hop-Kreisen ihre Anhängerschaft ab. Der Punker taucht bei ihren Konzerten genauso auf wie der metal-affine Banker, der Technojünger und das Feierbiest. Es geht interkulturell zu, wenn K.I.Z. die Bühnen der Republik entern. Nicht mehr nur die kleinen. Längst stehen die drei gebürtigen Berliner und der aus Freiburg stammende, in Spanien aufgewachsene Wahl-Berliner Tarek auf den größten Bühnen Deutschlands - und sie füllen diese Hallen nahezu mühelos. Ein Phänomen. Schließlich basiert der Erfolg der Rap-Kombo vornehmlich aus überspitzter Provokation in allen Lebensbereichen. Frauenfeinlich? Natürlich! Politikkritisch? Aber selbstverständlich! Das ganze gepaart mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor, einem feinen Sinn für Ironie und insbesondere grandiosem Zynismus, der jedem englischen Comedian die Schamesröte ins Gesicht treiben würde: Fertig ist K.I.Z. Deren Name gibt seit jeher Rätsel auf. Die Bedeutung lassen die vier, bei denen der Spaßfaktor selten zu kurz kommt, bewusst im Raum stehen. Kannibalen in Zivil, Künstler in Zwangsjacken, Kriegsverbrecher im Zuchthaus, Karotten, Ingwer und Zwiebel oder Kreuzritter in Zentralasien oder auch Klosterschüler im Zölibat - neueste (Eigen-)Kreation der Hip Hopper: Kapitalismus ist zauberhaft. Nimmt man all die umherschwirrenden Definitionen her, stellt man eines fest: Eine jede einzelne würde passen wie die Faust aufs Auge.

Markus Staiger, Gründer der Mutter aller Berliner Raplabels signt den aus Freiburg mit Zwischenstopp in Spanien nach Berlin eingewanderten Tarek mitsamt seinen Kollegen, den Berlinern Maxim, Euro8000 und DJ Craft im Jahr 2005 für Universal. Zu diesem Zeitpunkt war die Gruppe ein völlig unbeschriebenes Blatt. Maxim und Tarek rappten schon vorher zusammen, für Euro8000s Karriere bildet die Gründung von K.I.Z. allerdings erst den Startschuss. Lediglich der Mann an den Turntables blickte bereits auf sieben Jahre musikalisches Schaffen zurück: Jazz Hop-, Dancehall-, Nu Metal- und Punk-Projekte beschäftigen DJ Craft seit seinem vierzehnten Lebensjahr - und diese Wurzeln spielen bis heute in das Soundgemenge von K.I.Z. hinein.

Das Spiel mit dem eindrucksvollen Image des psychopathischen Grillmeisters, immer wieder dreht es sich bei der Band um Fleischeslust, bringt die „Kannibalen In Zivil“ ebenso in die Munde wie der Kulttrack „Hurensohn“ auf das Instrumental von Bronski Beats „Small Town Boy“ 2005. Vor mittlerweile zehn Jahren gehen die Hauptstädter endgültig durch die Decke, erarbeiten sich den Ruf als J.B.O der Rapmusik und Weird Al Jankovic der Neuzeit. Es ist angerichtet für die Partygemeinde. Und die dankt es. Sie liebt die Provokationen - auf der aktuellen Tour zieren vier Führerstatuen das Bühnenbild - sie liebt die fetten Beats. Die Partygemeinde liebt es auszurasten, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Bitteschön, Dankeschön. Gern geschehen. K.I.Z.

 


Copyright Fotos:

K.I.Z. bei den Aufnahmen zum aktuellen Album, Foto © Pressefoto

Das aktuelle Album „Hurra die Welt geht unter“ von K.I.Z., Foto © Albumcover

 

Andreas Bär
23.03.2016

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