„Mein lieber Freund und Kupferstecher“

Zum 150. Todestag von Friedrich Rückert

„Mein lieber Freund und Kupferstecher“

 Die Liste der Synonyme die man für Rückert finden kann ist schier endlos. „Brückenbauer zwischen Orient und Okzident“, „Weltpoet“, „Orientalist“, „Zeitkritiker“ und „Sprachgenie“ sind nur einige wenige dieser Attribute, mit denen dieser deutsche Dichter bedacht wurde und heute auch noch wird.

Am 16. Mai 1788 in Schweinfurt als Sohn eines Beamten geboren, erhielt er auf der Lateinschule eine akademische Vorbildung. Im zarten Alter von 17(!) Jahren begann er zunächst ein Jurastudium in Würzburg, bevor er sich kurz darauf dazu entschloss, den Studiengang zugunsten der Fächer Philologie und Ästhetik zu wechseln, die er 1809 abschloss. Nach seinem Studium arbeitete Rückert vorrübergehend als Dozent und Gymnasiallehrer in Jena bevor er sich als Privatgelehrter in Würzburg niederließ. Eines seiner Pseudonyme (Freimund Raimar) nutzend, erlangte Rückert 1814 erste Popularität durch die Veröffentlichung seiner „Geharnischten Sonetten“. Nach einem Intermezzo in Stuttgart reiste Rückert nach Italien und traf dort auf den Zeichner und Kupferstecher Carl Barth. Dieser Freundschaft verdanken wir heute das bekannte Rückert-Zitat: “Mein lieber Freund und Kupferstecher.“ 1819 kehrte Rückert nach Deutschland zurück und lebte dort bis 1826 als Privatgelehrter hauptsächlich in Ebern und Coburg. In dieser Zeit entstanden Teilübersetzungen des Koran, die Übersetzung der Hamasa (Sammlung arabischer Gedichte) des christlich geborenen und später zum Islam konvertierten Abu Tamman und die Herausgabe seines ersten großen Gedichtbandes „Oestliche Rosen“. Nachdem Rückert 1821 Luise Wiethaus-Fischer geheiratet hatte, folgte er 1826 einem Ruf der Universität Erlangen und erhielt dort einen Lehrstuhl für Orientalische Sprachen und Literatur. 1834 veröffentlichte Rückert seine „Kindertodtenlieder“, ein erschütterndes Werk, in dem er den frühen Tod seiner beiden Lieblingskinder verarbeitete. Von 1841 bis 1848 lebte Friedrich Rückert (zumindest zeitweise) in Berlin, war er doch einer Bestellung durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen nachgekommen. 1848, also mit 60 Jahren, wählte Rückert seinen Altersitz in Neuses bei Coburg, das Goldberghaus, seine Wirkungsstätte, steht heute noch dort. Ruhestand bedeutete für ihn allerdings Unruhestand, denn seine Produktivität ließ auch in den kommenden 20 Jahren kaum nach. In diese Zeit fallen sein „Liedertagebuch“ und mehrere 1000 Gedichte. Friedrich Rückert starb am 31. Januar 1866 in Neuses, sein Grab kann heute noch dort besichtigt werden, ebenso das „Dichterzimmer“ im ehemaligen Wohnhaus des Poeten. Sein umfangreicher Nachlass ist auf mehrere Standorte verteilt und manchmal scheint es dem außenstehenden Betrachter fast so, als ob sich eben diese Standorte darum streiten würden, wem die größere Verbindung zu Rückert zugerechnet werden kann. Schweinfurt, Coburg, Erlangen oder doch Berlin? Diese Frage wird sich sicher niemals abschließend klären lassen, fest steht nur, dass es in jeder dieser Städte ein Denkmal gibt und fest steht, dass das Denkmal in Neuses das erste in einer ganzen Reihe war, das errichtet wurde (1869).

Rückert werden Kenntnisse in 44 Sprachen zugeschrieben, darunter solche Exoten wir Prakrit, Samaritanisch oder auch Tamil. Viele seiner Gedichte wurden von Komponisten wie Brahms, Liszt und Strauss vertont, die bekanntesten Arbeiten sind wohl die „Kindertodtenlieder“ und die „Fünf Rückertlieder“ von Gustav Mahler.

Im „Rückertjahr“ wird dem Namensgeber nicht zuletzt durch einer Vielzahl von Ausstellungen landauf landab gedacht. In Schweinfurt legen gleich drei Museeen Rückertausstellungen auf, in Coburg sieht es ähnlich aus. Das Stadtmuseum Erlangen beteiligt sich mit Coburg an einer von der Stadt Schweinfurt vorbereiteten Ausstellung.

Kennen Sie Rückert? Das sollten Sie jetzt, denn es wäre schade, wenn nicht.

 

 

Lese-Tipp:

 

Mein Rückert. Annäherungen und Entfernungen.

 

Der 1945 in Schweinfurt (wie Rückert) geborene Gassfelder, der durch zahlreiche Veröffentlichung zur fränkischen Literaturgeschichte bekannt wurde, hat sich an den Weltpoeten Friedrich Rückert herangewagt. Entstanden ist bei dieser Annäherung ein Buch, das einem Rückert durch die Sichtweise Gasseleders näher bringt und zum anderen, im zweiten Teil des Buches, klug ausgewählte Gedichte Friedrich Rückerts präsentiert. Durch das Rückert-Jahr mit diesem Buch zu gehen, das könnte wirklich Spaß machen.

Klaus Gasseleder: Mein Rückert. Annäherungen und Entfernungen und Friedrich Rückert, Ausgewählte Gedichte, Wildleser Verlag Erlangen, ISBN: 978-3-923611-68-3
Preis: 20,00 Euro.

 

 

Copyright Foto:

Friedrich Rückert Museum in Neuses bei Coburg, Foto © 2mcon, Bamberg

Orientierungstafel in Neuses bei Coburg, Foto © 2mcon, Bamberg

Friedrich Rückert Denkmal in Neuses, Foto © 2mcon, Bamberg

Grabstätte Friedrich Rückert in Neuses bei Coburg, Foto © 2mcon, Bamberg
 


23.03.2016

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