Futuristisches als Festivalmotto

Die Internationale Orgelwoche Nürnberg begibt sich heuer auf die Suche nach der Zukunft

Futuristisches als Festivalmotto

 Das richtige Zeitfenster für die Internationale Orgelwoche Nürnberg (ION) scheint in der ersten Junihälfte zu liegen, und dabei wird es wohl aus guten Gründen auch bleiben. Das jetzt erschienene Vorprogramm kündigt eine Veranstaltungsserie unter dem vagen Begriff „Zukunft“ an, doch schon das Vorwort deutet an, dass damit auch die eigene Festival-Zukunft gemeint ist. Die ION, so heißt es, sei auf dem Weg in die Zukunft: „Mit den Künstlern von morgen, mit experimentellen Formaten. Auf der Suche nach Momenten des Innehaltens und des tiefen Erlebens von Musik. Nach Resonanzräumen für das, was uns bewegt.“ Nürnbergs Kirchen sind trotz aller Paradigmenwechsel diese Resonanzräume geblieben, und in ihnen wird sich das Wesentliche der 65. ION ereignen.

 Zum Auftakt am 3. Juni wird einmal mehr das Opus Summum aller Kirchenmusik, Bachs Messe h-moll, in der Lorenzkirche erklingen. Auch dieses Werk drückt ja Zukunftswünsche aus, so wie sie letztlich in jeder Messe formuliert werden. Die Besetzung ist prominent: Es musizieren das Concerto Köln und der Chor des Bayerischen Rundfunks. Volker Uhde, Künstlerischer Leiter der ION, wird höchstselbst als „Konzertdesigner“ fungieren. Das zweite große „klassische“ Werk dieser Orgelwoche beschließt diese zugleich am 12. Juni: Monteverdis „Orfeo“, also die Urmutter aller Opern, in der es gleichfalls um die Zukunft geht, freilich um eine in Frage gestellte. Die Berliner „lautten compagney“ und die Capella Angelica musizieren nebst namhaften Vertretern der Alte-Musik-Szene.

Hauptstadtbezogen ist auch der Stummfilm mit Orgelimprovisation, den David Franke am 11. Juni in der Meistersingerhalle präsentieren wird: „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ aus dem Jahre 1927. Im experimentellen Bereich, der in den letzten Jahren sehr zugenommen hat, dürfte „Alif::split in the wall“ von besonderem Interesse sein, verlangt allerdings vom Publikum viel Geduld: Über fünf Stunden hinweg sollte es sich in der musikalisch bespielten Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota aufhalten (10. Juni, St. Lorenz). Einen unterhaltsamen Musiktheaterabend mit Musik von Bach, Händel und Caccini erwartet die Zuhörer tags zuvor, wenn „Friends of Amarillis“ mit allerlei Skurrilitäten überrascht. Innovativ hört sich auch das „Storytelling-Projekt“ unter dem Titel „Liebesanfänge“ an, das Musik des 17. Jhs. mit Santana-Liedern kombiniert. Die Fortsetzung des Bruckner-Zyklus (mit der „Nullten“) in St. Sebald und ein Abend mit Motetten von Josquin des Préz in St. Egidien komplettieren das Programm um die Epochen Romantik und Renaissance.

 

Copyright Fotos:
Musik für die Ewigkeit, Foto © Folkert Uhde
Un-Sterblichkeit, Foto © Folkert Uhde

Martin Köhl
31.05.2016

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