Ene Mene Mu…

190 Jahre Kunstverein – von Sammlern, Jägern und Märchenerzählern

Ene Mene Mu…

 Sie wirkte ein wenig wie vorgezogenes Ostern für Erwachsene, die Kunstwerk-Suche im Dachstuhl der Stadtgalerie Villa Dessauer, wo die Sammlung des Kunstverein Bamberg lagert. Die meisten Werke noch gerahmt, teilweise sortiert, teilweise noch nach dem Zufallsprinzip geordnet. Systematik ist nach den vielen Jahren sammeln unter verschiedenem Vorsitz kaum zu finden. Zwar lassen sich Einkäufe oftmals der Phase einer jeweiligen Vorsitzenden zuordnen, sind doch Vorlieben und Einflüsse des Zeitgeistes hierbei gut erkennbar, doch wurden die Ankäufe gemäß kleinem Budget und mangelnder Konsistenz schließlich weitgehend zusammenhanglos erworben. Angefangen hat es mit den Schwerpunktthemen wie Doppelbegabungen, Phantastischer Realismus und konstruktive Kunst. Gleichzeitig ergibt sich auch ein Einblick in die vielfältigen Strömungen des 20. und 21. Jahrhunderts. 

Große Sprünge konnten allerdings nicht gemacht werden, hält sich das Budget, das der Kunstverein für Ankäufe von der Stadt Bamberg bekommt und selbst zusätzlich zu schultern im Stande ist, sehr in Grenzen. Und dennoch verbirgt sich namhafte Kunst in den Schubladen und Schränken oder solche, die im Laufe der letzten Jahre zu einer solchen avanciert ist. Original-Grafiken, aber auch Skulpturen und Fotografien von internationalen Künstlern wie Stephan Balkenhol, Wolff Buchholz, Eduardo Chillida, Christo, Tony Cragg, Otto Herbert Hajek, Bernhard Heiliger, Alfred Hrdlicka, Jörg Immendorf, Cy Twombly, Robert Indiana, Robert Wilson, Heinz Mack, Gerhard Merz, A. R. Penck, Günther Uecker, Otto Piene, Siegmar Polke, Hannsjörg Voth, Ludwig Wilding u.a., wie auch von regionalen Künstlern wie Karlheinz Bauer, Gerhard Böhm, Klaus Schröter und Alfred-Heinz Kettmann haben sich angesammelt. Aus den frühen Jahren lassen sich Arbeiten von Lovis Corinth, Oskar Kokoschka, Alfred Kubin, Fernand Léger und René Magritte vorweisen. Ebenso einige interessante Schenkungen, wie zum Beispiel aus dem Nachlass des Künstlers Ludwig Gebhard.

Entsprechend große Pläne schmieden die beiden amtierenden Vorsitzenden Frau Dr. Barbara Kahle und Frau Dietlinde Schunk-Assenmacher und ihr kleines ehrenamtliches Team. 

Aktuell stehen die Sichtung, Sortierung und Auswahl für die nächste Ausstellung an. Sie soll nach langer Zeit einmal wieder ausschließlich aus Werken aus der Sammlung bestückt werden. Denn zu oft hatte sich der Verein in den letzten Jahren darauf konzentriert nur die Neuerwerbungen zu präsentieren. Nun dürfen wir uns auf einen neuen Mix aus dem Gesamtbestand der Sammlung freuen. 

Zusätzlich soll es Einblicke in die 190-jährige Vereinsgeschichte und vorherige Ausstellungen und Aktivitäten des kunstliebhabenden Vereins geben, der ursprünglich als Verbund von bürgerlichen Kunstsammlern entstand. Erzählt wird anhand von Originalbelegen wie Urkunden, Protokollen, Bild- und Fotomaterial von den Gründungszielen, ersten Vereinstreffen, wie den Gepflogenheiten und der Rolle des Kunstvereins der aufstrebenden Bürgergesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung verweist somit auch auf die wichtigen geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse und Errungenschaften der vergangenen zwei Jahrhunderte, die der Kunstverein Bamberg mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Exkursionen etc. einem interessierten Bürgertum öffentlich anbot.

So wird zugleich erledigt, was die allgemeine Kulturpolitik von kulturellen Initiativen längst einfordert. Eine ordentliche Bestandsaufnahme der Vereinsgeschichte und -entwicklung, verbunden mit einer Diskussion über die Zukunft des Kulturvereins, die sich zwangsläufig anschließen wird. 

In diesem Falle ist sie bereits vor einigen Monaten mit dem vermehrten, lauten Rufen nach fest etablierten Ausstellungsräumen für die zeitgenössische Kunst in 

Bamberg begonnen worden.

Eine nicht ganz so neue Forderung, die vor mehreren Jahren auch offensiv vom amtierenden Oberbürgermeister und seiner SPD in den Wahlkampf getragen wurde und ohne irgendwelche Folgen, ein reines Lippenbekenntnis blieb.

 

Info:

 

190 Jahre Kunstverein Bamberg - Eine Sammlung zeigt ihr Gesicht

Vom 16. Juni 2013 bis 21. Juli 2013

 

Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer

Hainstraße 4a, 96047 Bamberg

Tel +49 (0) 951.87 1861 | Kasse

www.museen.bamberg.de

Vernissage: So, 16. Juni 11.00 Uhr

Öffnungszeiten:

Di bis Do 10 – 16 Uhr,

Fr – So 12 – 18 Uhr

Eintritt: 3,50 €, 

ermäßigt 2,50 €, Schüler 1,00 €

freier Eintritt für Mitglieder des Kunstvereins Bamberg

Weitere Informationen:

www.kunstverein-bamberg.de

E-Mail: info@kunstverein-bamberg.de

Tel.: 0951 68171 (Dr. Barbara Kahle)

Pressekontakt:

Dietlinde Schunk-Assenmacher M.A.,

Tel. 0951 2836333, 

info@kunstverein-bamberg.de

Kunstverein Bamberg e.V.,

c/o Stadtgalerie Bamberg

 


04.04.2013

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