Fidel in Coburg

Die diesjährige „Coburger Sommeroperette“ führt Leo Falls Welterfolg Der fidele Bauer auf

Fidel in Coburg

 Nach dem Baron kommt der Bauer, könnte man sagen mit Blick auf die letztes Jahr und heuer in Coburg präsentierten Operetten. Letztes Jahr wurde nämlich Johann Strauss’ Zigeunerbaron gegeben, in diesem Sommer wird es Leo Falls Der fidele Bauer sein. Aber das ist natürlich mitnichten ein sozialer Abstieg, sondern nur ein Themenwechsel innerhalb der Gattung Operette, die zurzeit eine bemerkenswerte Renaissance erfährt. Mit dabei sind außer den dafür sowieso „zuständigen“ Landes- und Staatstheatern auch jene Saisonprojekte, die Namen wie ‚Sommeroperette’ tragen. In Coburg gibt es ein solches Kulturunternehmen bereits seit 1994, als man auf der Waldbühne Heldritt, dem Aufführungsort, die Operette Meine Schwester und ich von Ralph Benatzky aus der Taufe hob. Seither hat sich die Coburger Sommeroperette mutig und mit viel Engagement durch das Repertoire der Operetten und auch Musicals „gekämpft“. Die Aufführungen beruhen auf dem Mitwirken renommierter Künstler, eines eigenen Chores und eines ebenfalls eigenen Orchesters. Eine Matinée und eine Altstadtserenade in Bad Rodach komplettieren das Programm der Operettenabende.

Der Komponist Leo Fall erklingt heuer zum ersten Mal auf der Bühne in Heldritt. Sein Evergreen Der fidele Bauer wurde am 27. Juli 1907 im Hof- und Nationaltheater Mannheim unter der Leitung von Robert Stolz uraufgeführt. Fall, der sich in seiner Berliner Zeit eher für das Kabarett interessierte – er komponierte dafür beispielsweise Böse Buben – , erreichte mit Der fidele Bauer seinen Durchbruch im Operettengenre. Es ist eine echte Österreich-Operette mit hinreißender Musik. Die bekannteste Melodie des Werkes ist zweifelsohne das Duett zwischen Vater und Sohn „Heinerle, Heinerle, hab’ kein Geld!“, ein rührender Zwiegesang um die kleinen Wünsche eines Kindes und die traurige Realität, die niemandem von uns fremd ist. Auch das Lied „Jeder tragt sein Pinkerl und steht oft im Winkerl“ des „fidelen Bauern“ ist von der Art, die zu Herzen geht. Besonders mitreißend ist das Marsch-Terzett „Wir waren unser drei!“. Die berühmte Walzermelodie Leo Falls „Und der Himmel hängt voller Geigen!“ wird allen Operettenfans besondere Freude bereiten.

Die gezeigte Fassung beruht auf der bereits im Juni bei der Pramtaler Sommeroperette in Schloss Zell präsentierten – die Coburger kooperieren geschwisterlich mit den Österreichern.

 

Copyright Foto:
Coburger Sommeroperette, Foto © Ulrich Göpfert

Martin Köhl
28.07.2016

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