Ein Blick nach Thüringen

Premierenvorschau Teil II:

Ein Blick nach Thüringen

 Am Theater Erfurt wird es zu Beginn der Spielzeit 2016/17 einen „Operncocktail“ geben, der durch die Konzentration auf musikalische Highlights Lust und Neugierde auf die unerschöpfliche Vielfalt des Musiktheaters wecken soll. Ab 10. Oktober grüßt Franz Lehárs Land des Lächelns, und nur zehn Tage später kündigt sich bereits die Fassung für Kinder derselben Operette unter dem Titel Onkel Tschang an. Peter Tschaikowskys einaktige Oper Iolanta wird ab Ende Oktober präsentiert, einen Monat später Mozarts Don Giovanni und im Februar Claudio Monteverdis Heimkehr des Odysseus. Dazwischen wird im Studio Michael Nymans Kammeroper mit der Überschrift „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ neben musikalischem auch medizinisches Interesse wecken, bevor Wolfgang Amadeus Mozarts Cosí fan tutte und Christoph Willibald Glucks Klassiker Orpheus und Euridice auf dem Premierenplan stehen, gefolgt von einem Gutenberg-Projekt, der Kinder-oper unter dem Titel „Sid, die Schlange, die singen wollte“ und dem Macbeth Giuseppe Verdis. Richard Wagners Meistersinger von Nürnberg beschließen Ende Mai das Opernprogramm. Im Operetten- und Musicalfach wartet Erfurt Anfang September mit Jacques Offenbachs Pariser Leben auf, gefolgt von dem Evergreen Evita und Leonard Bernsteins West Side Story. Im Ballettbereich wird mit den Klassikern Nussknacker, Dornröschen und Schwanensee jede Menge Musik von Peter Tschaikowsky choreographiert. Das Landestheater Eisenach gastiert mit dem Ballettprogramm Entfesselt nach Musik Ludwig van Beethovens. Klassischer Tanz und Trommeln aus Japan werden von Nihon Buyo & Taiko geboten, ein Workshop bereitet darauf vor. Edith Piafs Musik ist die Grundlage für das Ballett La vie en rose. Die Schauspielsparte bringt mit Shakespeares Hamlet und Romeo und Julia, Schillers Maria Stuart und Wallenstein gusseisernes Theaterrepertoire auf die Bretter, aber weckt mit einigen unbekannten Stücken auch die Lust auf Neues.

Das Theater Meiningen wird in den kommenden sechs Jahren auf eine kontinuierliche Fortsetzung seines ebenso ambitionierten wie erfolgreichen Programms zählen dürfen, denn der Vertrag von Ansgar Haag, seit zehn Jahren Intendant, wurde bis 2022 verlängert. Die Schauspielpremieren des Dreispartenhauses weisen einige sehr bekannte Titel auf, wie Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder, Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Edmond de Rostands Cyrano de Bergerac, Goethes Urfaust, Shakespeares Macbeth, Elfriede Jelineks Nora-Fortsetzung nach Ibsen oder Franz Grillparzers Medea nach Euripides. Auch das Musiktheater wartet mit relevanten Werken auf: Rossinis Barbier von Sevilla, Offenbachs Hoffmanns Erzählungen und Wagners Meistersinger von Nürnberg, vom Intendanten selbst inszeniert, sind zu nennen. Weniger bekannt, aber längst sehr relevant ist Victor Ullmanns Der Kaiser von Atlantis. Andrew Lloyd Webbers Evergreen Evita dürfte zur reizvollen Dreingabe im Musicalgenre werden. Die Ballettsparte bietet zwei neue Choreographien an: Andris Plucis setzt im Januar zunächst Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung um und bietet dann im März ein eigenes Opus unter dem Titel Entfesselt an. Selbstredend ist in der kommenden Saison auch in den Bereichen Puppentheater und Junges Theater Neues zu vermelden.

Am Nationaltheater Weimar wartet Gioachino Rossinis Italienerin in Algier ab 15. Oktober auf ihren Auftritt, nur drei Wochen danach gibt es mit Richard Wagners Meistersingern von Nürnberg bereits die nächste Premiere im Opernbereich. Im neuen Jahr stehen Alban Bergs Lulu, Ludwig van Beethovens Fidelio und Giuseppe Verdis Otello auf dem Spielplan. Die Schauspielsparte wartet mit ungewöhnlich vielen neuen bzw. unbekannten Stücken auf. Einzig die Antigone des Sophokles und Shakespeares Hamlet dürfen als Repertoireklassiker gelten. Am Ende der Spielzeit erinnert man sich endlich wieder einmal der Ästhetik des Widerstands von Peter Weiss, diesem lange Zeit fast vergessenen, aber stets aktuellen Autor.

 

Copyright Foto:
Theater Erfurt, Foto © Lutz Edelhoff
Theater Weimar, Foto © Thomas Mueller
 

Martin Köhl
28.07.2016

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