Ein griechischer Urbayer

Theater „Fifty-Fifty“ bringt Rick Kavanian mit „Offroad“ nach Erlangen

Ein griechischer Urbayer

 One man, one microphone and absolutely no action! Rick Kavanian ist im Jahr 13 nach Bully Herbigs Monstererfolg „Schuh des Manitu“ wieder einmal zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Standup-Comedy in Vollendung. Am 9. November um 20 Uhr gastiert der gebürtige Münchener mit der herrlich vielfältigen Charakterkopf-Darstellung im Redoutensaal in Erlangen.

Wer ist Rick Kavanian? Wo kommt Rick Kavanian eigentlich her? Und mit welcher Seite fällt ein auf dem Rücken einer Katze befestigtes bestrichenes Brötchen auf den Boden – ist doch verbrieft, dass eine Katze immer auf den Pfoten aufkommt und ein bestrichenes Brötchen immer auf der bestrichenen Seite. All das sind die Fragen, die Rick Kavanian in seinem neuen Bühnenprogramm „Offroad“ klären will – oder vielleicht auch nicht. Eines jedenfalls ist garantiert: Die Lachmuskeln werden aufs allerheftigste strapaziert. Der 45-Jährige, Sohn aus Budapest kommender armenischer Einwanderereltern, aufgewachsen in der bayerischen Landeshauptstadt, hat sich seinen großen Namen hart erarbeitet. Mit tatkräftiger Unterstützung seines genialen Kumpels Bully Herbig redete er sich vor mehr als zehn Jahren als einer der Hauptakteure in der „Bullyparade“ in die Herzen der Republik. Unvergessen seine Auftritte in Herbigs Filmen – und natürlich seine Synchronsprechereinsätze, vor allem als der legendäre Austin Powers und als Stimme in diversen Animationsfilmen. Und nicht zuletzt seine wöchentlichen Gastauftritte im Radio – der Geburtsstätte von Rick Kavanians Erfolg. Dimitrios Stoupakis, Kult-Grieche auf Bayern 3, genießt längst Legendenstatus bei den Hörern – und ist dabei so etwas wie der Urvater des Blödelbarden Kavanian, den sein Jugendkumpel Bully Herbig einst auf die großen Bühnenauftritte vorbereitete. Mit monstermäßigem Erfolg. An der Seite Herbigs und Christian Tramitz‘ startete der gar-nicht-griechische-Grieche durch und avancierte zum Helden einer ganzen Jugend-Generation. Doch nicht nur in Radio- und Fernsehstationen war der sich als Urbayer verstehende Comedian einer der absoluten Stars. Auch als Schauspieler startete er durch.

Und wie: Nicht nur in Herbigs Filmen. Er hatte die Ehre, um die ihn viele wohl dann doch beneiden. Rick Kavanian durfte an der Seite des großen Bud Spender auf der Bühne stehen. In der deutschen Kinokomödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ spielte Kavanian die Hauptrolle des Toni, Spencer seinen Onkel – einer der wenigen Momente im Bühnenleben Kavanians, in dem selbst dem an sich großen Schauspieler kurz der Atem stockte. Das passiert ihm eher selten. Normalerweise hat er ein freches Mundwerk, das nur wenige Kalauer auslässt. Und dabei ist er nur bedingt programmfixiert: Die spontanen Gags sind ihm eigentlich die liebsten. Davon kann sich auch das Publikum an jedem Abend überzeugen. Running Gags ziehen sich durch seine Auftritte wie eine Gräte durch einen noch nicht filetierten Fisch. Mit einem Vorteil: Im Gegensatz zu den Gräten machen Kavanians Gags richtig Laune, auch wenn sie mitunter ebenfalls nicht leicht genießbar sind. Schließlich geht es Rick Kavanian in seinem neuen Programm darum, seine Wurzeln zu ergründen. Wo die sind, das weiß der Comedian selbst nicht so recht. Was will man auch von einem erwarten, der sich die Augen lasern lässt, um Brillen und Kontaktlinsen abzuschwören - und dann penetrant weiterhin eine Brille trägt. Mit Fensterglas. „Ist wie ein OP-Kittel für mich“, sagte er einst. Das ist freilich nicht das einzig Komische an dem Mann mit den tausend Gesichtern (Süddeutsche Zeitung), der mit nahezu allem Angepackten Erfolge einfahren konnte. Abseits der gewohnten Wege parliert der Comedian im Offroad-Programm auf der Klaviatur des klassischen Stand-Ups, weiß immer wieder spannende Geschichten zu erzählen und verrät, wie er den vorgezeichneten Rollenbildern, die einst seine Mama und die Oma für ihn entwarfen, am Ende doch noch entkommen konnte – One man, one microphone and absolutely no action: So kündigt er seine Abende mit seinem Publikum an. Am Ende wird es vermutlich ein Mann, tausend Rollen, ein Mikrofon und vor allem eines: verdammt viel Action, werden. Mit einer verbrieften Garantie: Dimitri, die Paraderolle Kavanians, hat er weiterhin mit im Gepäck. „Der lässt mich nicht mehr los“, lacht er. Dabei war das eigentlich ein absolutes Zufallsprodukt. Leute sollten in einer Live-Radiosendung von Bully Herbig und Rick Kavanian anrufen. Taten sie aber nicht. Und so war Dimitri aus Kaiserslautern geboren. In der Vor-Webcam-Zeit verstellte Kavanian seine Stimme, fakte einen Anruf und meldete sich als Dimitri bei Herbig. Das war die Geburt einer Legende, die bis heute nicht gestorben ist. Man darf gespannt sein, was Rick Kavanian auf die Bühne zaubert. Noch weiß das keiner: Erst am 7. Oktober feiert sein Offroad-Programm Premiere. Im Lustspielhaus in seiner Heimat München. Wer den Termin in Erlangen nicht schafft, der kann den Comedian 3 Tage später im Zentrum in Bayreuth erleben.

 

Copyright Foto: © Manfred Huber

Andreas Bär
30.09.2016

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