Kunststadt Bamberg -

vom Regen in die Traufe?

Kunststadt Bamberg -

Augenfällig irgendwie: Plensa, Kesselhaus, Kesselhaus, Circles, Kesselhaus, Kesselhaus, Kunst- und Antiquitätenwochen, Domberg, wieder Kesselhaus, hier und da ein Atelier und Showroom und schließlich die Stadtgalerie Villa Dessauer. Bildende Kunst am laufenden Band, in allen Ecken, mit Kanten, in Museen und Kirchen.

 

Nein, an Exponaten und Räumen fehlt es aktuell nicht. Und auch wenn es hier und da ein wenig improvisiert sein mag – daran stören tut sich niemand. Eher verwundert werden einige sein. Immerhin ist die Stadt Bamberg seit diesem Jahr plötzlich auch jenseits ihrer Museenverwaltung mit ihren Beständen und Ausstellungen ein sehr aktiver Veranstalter im Bereich der Bildenden Kunst – mit dem öffentlichen Raum und der Bildenden Kunst. Zuerst Prof. Dr. Bernd Goldmann mit und für die Stadt Bamberg, jetzt Alexander Ochs-Barwinek mit und für die beiden Stadtoberhäupter. Die externen Partner waren schnell ausgemacht. Ihre Werkauswahl schnell platziert. Wenig Vorlaufzeit, wenig Tam-Tam. Zack – schon steht die Kunst im Raum, im öffentlichen Raum, im Kirchenraum, im Museum, auf Plätzen, wie im Container. Der Kunstverein hat überall seine Finger im Spiel. Der BBK hält mit heimischer Kunst dagegen. Die Schätze von Domberg und Museen dagegen gehen beinahe etwas unter. Wenn da nicht der neue Weltdokumentenerbetitel der Staatsbibliothek Bamberg wäre, der alle anderen kulturell gehaltvollen Nachrichten erst einmal ordentlich in den Schatten stellt. Und dann ist da noch der Dialog, den die „Circles“-Ausstellung im Diözesanmuseum anzettelt, wobei sie mit großen Namen arbeitet. Ai Weiwei steht dort dem Kaisermantel Heinrichs gegenüber, thematisiert, wie die 15 anderen Werke der Ausstellung Kreisbeziehungen, die sich nur mit weitem Ausholen, etwas Fantasie und gutem Willen nachvollziehen lassen. „Mit Absicht“, gibt Alexander Ochs-Barwinek im Interview zu verstehen. Denn es solle Raum bleiben für den Betrachter. Er solle frei bleiben für seine eigenen Gedanken und Verstrickungen, für seine eigenen Ideen, Visionen, Verbindungen und Beziehungsgeflechte, zu denen die verschiedenen Stationen von „Circles“ Impulse liefern und mit der jeweiligen Erklärung im Ausstellungskatalog auch eine mögliche Variante der Interpretation anbieten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Einzigartigkeit oder gar Wahrheit eines jeweiligen Textbeispiels. Und damit schenkt der Kurator seinem Publikum Freiheit. Sehr viel davon. Und nimmt den vorgegebenen Beispielen gleichzeitig ihre eigentliche Verantwortung, den darin konstruierten Verstrickungen ihre Verbindlichkeit, der Kreisform ihre Geschlossenheit – baut Spiralen statt Kreise.

 

Seit 09.06. ist die Werkschau nun offiziell eröffnet, doch die prominente, zeitgenössische Kunst – darunter auch ein J. Beuys sowie ein M. Ullmann, dessen zweiter Versuch nach der fortwährenden Pleite seines Werkes numero uno in Bamberg längst überfällig war – sorgt bis dato für wenig Aufsehen, von einem kurzfristigen Ausflug einer Wang Shugang-Figur einmal abgesehen. Bei den Plensas war das ähnlich. Aber da steckte das auch im künstlerischen Konzept. Zurückhaltung, Askese, Ruhe, Passivität. Doch genau das kann mit „Circles“ ja nicht beabsichtigt sein. Und eigentlich ist die neue Ausstellung auch mit anderem Maß zu messen. Die anfängliche Neugier hat sich jedoch schon gelegt, aber den Kreisen bleibt ja noch Zeit sich auszubreiten und zu entfalten. Plensa ist dagegen beinahe schon Geschichte. Wenn nur die Finanzierung des Ankaufs eines „Poeten“ schon gelöst wäre! Vielleicht doch „Überfrachtung“?

 

Ähnlich und doch anders, sieht es im Lager des Kunstvereins Bamberg aus. Die Anzahl der angekauften Werke ist üppig und die Namen und Werke können sich durchaus sehen lassen. Gesehen hat Bamberg daraus länger nichts mehr und schon gar nicht in der Art und Weise, wie der Kunstverein seine aktuelle Ausstellung ankündigt:  1823 | 2013 – das meint 190 Jahre Kunstverein Bamberg. Das Motto ist Titel ist Programm: Eine Sammlung zeigt ihr Gesicht.

 

Was hat der Kunstverein wann angekauft? Was sind die Besonderheiten in der Sammlung? Gibt es Schätze, von denen wir länger nichts wussten? Vielleicht eine oder mehrere Strategien, ein erkennbares Muster? Ist der Fundus überhaupt noch aktuell? Und wie lässt sich das zusammenführen, ohne Beliebigkeit darzustellen? Antworten darauf gibt es zahlreich und erstmals in gewisser Weise geordnet. Erzählt wird anhand von Originalbelegen wie Urkunden, Protokollen, Bild- und Fotomaterial von den Gründungszielen, ersten Vereinstreffen, wie den Gepflogenheiten und der Rolle des Kunstvereins in der damaligen aufstrebenden Bürgergesellschaft des beginnenden 19. Jahrhunderts; von seinen charismatischen Persönlichkeiten, bis hin zu den heutigen Aufgaben und Kunstvermittlungsaktivitäten im 21. Jahrhundert. Die Ausstellung verweist somit auch auf die wichtigen geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse und Errungenschaften der vergangenen zwei Jahrhunderte, die der Kunstverein Bamberg mit Ausstellungen, Lesungen, Vorträgen, Exkursionen etc. einem interessierten Bürgertum bis heute anbietet. Und dies rein ehrenamtlich und/oder mäzenatisch, mit einem wahrlich kleinen bisschen Geld vom Steuerzahler. Eine Werkschau also, auch als sorgfältige Bestandsaufnahme, Verortung und Orientierung für die Zukunft. Das täte auch dem Rest der Bamberger Kulturpolitik gut. Immerhin – ein Anfang ist gemacht – Chapeau!

 

Ein Anfang einer dauerhaften Aufgabe von Kunst und Kultur, des Künstlers und des Kulturmanagers – die Reflexion. Und damit wären wir einmal mehr beim BBK Oberfranken, der ab Ende Juli 14 Künstler ins Rennen schickt, die uns zeigen, wie Sie unsere Region, bestimmte Themen und die Welt mit ihren Augen sehen. Und es geht wesentlich mehr als beim regelmäßigen Meinungsaustausch am Biertisch, wenn 14 Künstlerpositionen zum Thema RESPEKT aktuelle Fragen stellen und kreative, facetten- und ahnungsreiche Antworten geben. „Zügellos respektvoll“ werden sie sich geben und damit Respekt und seine Propädeutika (Achtung, Wertschätzung, Scheu und Rücksicht) als hochaktuelle Haltung thematisieren. Es werden Facetten unserer Erfahrungswelten sein, die wir in der Ausstellung kennen lernen dürfen und wir werden, das wäre nicht das erste Mal, die Ausstellung ohne Faust-Kostüm verlassen. Denn aus den Künstlerpositionen können wir viel lernen. Sie machen uns klüger – ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.

 

Information:

 

190 Jahre
Kunstverein Bamberg -

Eine Sammlung zeigt ihr Gesicht
Vom 16. Juni 2013 bis 21. Juli 2013

 

Öffnungszeiten:
Di bis Do 10 – 16 Uhr,
Fr – So 12 – 18 Uhr

 

BBK - RESPEKT
Große Kunstausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler/innen Oberfranken e.V. 2013
Zügellos respektvoll - 14 Künstler des BBK Oberfranken
27. Juli bis 8. September 2013

 

Ort:
Stadtgalerie Villa Dessauer Bamberg,
Hainstr. 4a, Bamberg

 

Eröffnung:
Freitag, 26.07.2013, 19:00 Uhr - die Künstler sind anwesend

 

Öffnungszeiten:
Di., Mi., Do. 10 - 16 Uhr,
Fr., Sa., So. 12 - 18 Uhr

 

Künstlerführungen:
jeden Sonntag um 15 Uhr

 

Beteiligte Künstler: Michaela Schwarzmann (Eggolsheim), Monika Pellkofer-Grießhammer (Ahorntal), Kerstin Amend-Pohlig (Coburg), Hans Kronenberg (Bamberg/ Stegaurach), Antje Fries (Erlangen), Maria Söllner (Bamberg), Walli Bauer (Bamberg), Kerstin Kassel (Igensdorf), Lena Gräwe (Bamberg), Dagmar Ohrndorf (Altendorf), Bernd Schaible (Bamberg / Frensdorf), Monika Meinhardt (Bamberg / Stegaurach), Gerhard Jaugstetter (Burgwindheim), Adel Heil (Bamberg)
 

© Michael Wesely
01.07.2013

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