Keine Irrfahrt trotz „Odyssee“

Es werde Licht! – Im Mai zeigt sich Nürnberg wieder im blauen Gewand

Keine Irrfahrt trotz „Odyssee“

 Am 6. Mai 2017 gibt die 18. Blaue Nacht, Nürnbergs „Lange Nacht der Kunst und Kultur“, den immer blauen Auftakt für den Nürnberger Kultursommer und bietet wieder ein opulentes Programm für alle Kunst- und Kulturfans aus Nah und Fern. Thema in diesem Jahr: „Odyssee“. Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner nimmt aber gleich sämtlichen Wind aus den Segeln, denn eine Irrfahrt werde die neueste Auflage der Blauen Nacht nicht.

Im Gegenteil: Einiges hat sich doch bisher bewährt. So kann sich der Besucher nach wie vor darauf verlassen, dass es auch in diesem Jahr eine Burgprojektion geben wird. Gestaltet wird sie heuer von der Fürther Künstlerin Barbara Engelhardt. „… mit Rosenfingern erwacht …“ – ein Zitat aus Homers „Odyssee“ – ist der Titel ihrer Geschichte, die sie mithilfe von Lichtprojektionen an der Fassade der Kaiserburg erzählt. Dabei erscheinen bunte, wechselnde Gedankenbilder, die mit 24 Gesängen der „Odyssee“ begleitet werden.

Wie unterschiedlich man das Thema „Odyssee“ interpretieren kann, zeigen die unzähligen Programmpunkte dieser Nacht, an denen sich erneut ca. 70 Kultureinrichtungen beteiligen werden. Darunter vertreten sind z. B. das Germanische Nationalmuseum, das Neue Museum, das Jazz Studio, club stereo, CityRock im Caritas-Pirckheimer-Haus, die Buchhandlung Jakob, die Hochschule für Musik Nürnberg, der Kunstverein Nürnberg / Albrecht Dürer Gesellschaft oder auch alle Innenstadtkirchen.

Die Vielfalt des Programms macht wieder Staunen. Alle Sinne werden angesprochen, so z. B. in den beiden Dunkelcafés des Hirsvogelbunkers. „Im Augenblick, wo man in völliger Dunkelheit steckt, belebt sich das Dunkel.“, berichtet Kurt Trucholsky in seinem Roman „Schloß Gripsholm“. Die Erfahrung macht man als Besucher des Dunkelcafés definitiv, wenn man sich auf eine Führung und das Experiment in vollkommener Dunkelheit einlässt.

Die Geschichte Nürnbergs kann man an diesem Abend auf ganz unterschiedliche Weise erleben, z. B. im Pellerhaus. Hier ist ein 3D-Stillleben der Künstlerin Petra Krischke aufgebaut, das den Besucher auf eine Reise durch die bewegte Geschichte des Hauses einlädt und als Odyssee durch die Vergangenheit gelesen werden kann. Zahlreiche Lichtkunst- und Audio-Installationen verteilen sich über die ganze Stadt. So verwandelt sich z. B. die Decke von St. Egiden in einen Sternenhimmel, auf dem die Sternkarten der letzten zehn Jahre erscheinen – eine Hommage an die wohl berühmteste Reise der Literaturgeschichte, in der, um es der Vollständigkeit halber noch einmal zu erwähnen, Homer über die zehnjährige Reise des Odysseus
von Troja zu seiner Insel Ithaka berichtet. Ausgedacht hat sich diese Installation die in Berlin lebende Brasilianerin Marina de Camargo Silva, eine von insgesamt elf Teilnehmern des Blaue-Nacht-Kunstwettbewerbs, deren Arbeiten überall in der Stadt zu sehen sind. Der international gefragte Berliner Multimediakünstler Philipp Geist, der in der letzten Silvesternacht mit einer Illuminierung des Kölner Doms und der Domplatte für großes Aufsehen sorgte, stellt zudem die Video-Mapping-Show „Into the Blue“ am Neuen Rathaus auf dem Hauptmarkt vor.

Sogar ein Parkhaus wird zum Kunstraum umfunktioniert, denn auch ein solches weiß über irre Reisen zu berichten, könnte es sprechen. Also haben eine Politikerin, eine ganz normale Kleinfamilie und jemand, der einfach nur spazieren fährt, ihren Wagen auf dem Parkdeck 8 geparkt. In insgesamt sieben Autos werden ihre Geschichten erzählt, man muss sich nur reinsetzen und die Lautsprecher aufdrehen. Für die Hörspielinstallation zeichnen Debo Kötting und Constanze Kresta aus Leipzig verantwortlich.

Und damit ist die Liste der Veranstaltungen noch lange nicht erschöpft. Das komplette Programm kann ab 6. April online unter www.blauenacht.nuernberg.de eingesehen und genauer studiert werden. Denn es ist bei einer solchen Fülle wohl hilfreich, sich vorab einen Plan zu machen. Doch selbst wenn man gut organisiert loszieht, ist es beim besten Willen kaum möglich, sich alles anzuschauen. Die Stadt hat dieses Problem offenbar erkannt und schafft ab diesem Jahr etwas Abhilfe. Das KulturDREIeck Lessingstraße, die Connection aus Staatstheater, Museum für Kommunikation und DB Museum, startet bereits um 17 Uhr in die sogenannte „Junge Nacht“. Zusätzlich zum jeweiligen Einzelprogramm der drei Häuser wird es eine Schnitzeljagd durch alle Institutionen geben, in der (hoffentlich) sechs Irrtümer aus der Welt der Eisenbahn, der Kommunikation und des Theaters aufgedeckt werden.

Wer sich spontan dazu entscheidet, durch die Blaue Nacht zu ziehen, erhält an allen bekannten Tages- und Abendkassen das Blaue-Nacht-Bändchen. Vorab erhältlich ist das Blaue-Nacht-Ticket, das auch zur Nutzung der Busse und Bahnen des gesamten VGN-Gebiets berechtigt. Das Ticket gilt am 6. Mai 2017 bereits ab 15 Uhr als Fahrschein (bis 7. Mai, Betriebsschluss inkl. NightLiner). Für BesitzerInnen eines FRÜHSPURT-Tickets (in der Zeit vom 3.-31. Dezember 2016 oder 6.-15. April 2017 erworben), gibt es die Preview aller Projekte aus dem Blaue-Nacht-Kunstwettbewerb am Freitag, 5. Mai (20 bis 24 Uhr) gratis obendrauf.


Fotocredits:
Kubilk, Foto © Ralf Moll
Barbara Engelhard „... mit Rosenfingern erwacht ...“, Foto © Barbara Engelhard
Carfuna, Foto © Uwe Niklas
Melting Truth, Foto © Ralf Moll

Franziska Gurk
30.03.2017

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