Wo sich Spannung, Lachattacken und Poesie auf der Bühne begegnen

2. Schweinfurter Jazz-Poetry-Slam in der Disharmonie

Wo sich Spannung, Lachattacken und Poesie auf der Bühne begegnen

 Aufgemerkt! – wie Unterfrankens Vorzeigekabarettist Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig es formulieren würde: Am 22. April heißt es in der Schweinfurter Disharmonie „Jazz Slam“-Zeit. Jazz was?

In den letzten Jahren hat sich das Poetry-Slammen zu einem wahrlichen Kult entwickelt: eigene Texte in Reimform und in kurzer Zeit vor Publikum vortragen und damit punkten. Verpönt ist dabei eines: Musik. Doch es dauerte nicht lange, ehe sich etliche Subkulturen des Poetry Slam fanden. Unter anderem entstand der Jazz Slam. Längst nicht so populär wie der große Bruder des Poetry Slams – doch nicht minder bemerkenswert.

Im Vorjahr wagte Manfred Manger in Schweinfurt erstmals den Schritt hin zum Jazz Slam. Ein Schritt, der sich lohnen sollte. Der Versuchsballon war rundum geglückt. Zuhörer wie Macher und Probanten des Abends verließen die Stätte des Slams mit einem glückseeligen Grinsen im Gesicht. Und von daher verwundert die Neuauflage im Jahr 2017 in keiner Weise. Erneut ist es Manfred Manger, zusammen mit Felix Kaden, Organisator des regulären Poetry Slams „DichterSchlachtschüssel“, der in der Disharmonie den JAZZ SLAM Frankens ausrichtet. Und er hat erneut nicht an hochkarätigen Gästen gespart.
Natürlich gelten beim Jazz Slam die Regeln des allgemeinen, inzwischen längst bekannten, Slammens: Die Texte der Künstler müssen selbst verfasst sein. Die Vorträge haben ein Zeitlimit von sieben Minuten für ihren Beitrag. Und ganz wichtig: Es dürfen dabei keine Requisiten verwendet werden, einzig Stimme, Mimik und die Person sind die entscheidenden Faktoren auf der Bühne. Und am Ende entscheidet schließlich einzig das Publikum wieder über Sieg und Niederlage an dem Slam-Abend. Egal wie schwer es einem fallen wird – und das ist bei der Vielzahl grandioser Geschichtenerzähler auf den Slam-Bühnen der Republik garantiert. Was beim regulären Slam strikt verboten ist, kommt beim Jazz Slam aber zusätzlich zum Einsatz: Musik! Und Das macht diese Version des Slam so einmalig. Und auch einmalig schön. Die Poeten haben kurz Zeit, mit der Band über die Stimmung ihrer Texte zu kommunizieren. Die Musiker improvisieren dann zum Textvortrag, sodass live ein musikalisch-poetisches Gesamtkunstwerk vor Augen und Ohren entsteht. Es gäbe keinen schöneren Slam, hat Josephine von Blütenstaub 2016 gesagt. Grund genug sie nochmals einzuladen. Die Hallenserin absolviert im April einen wahren Poetry Slam-Marathon durch das Frankenland – mit der Krönung in Schweinfurt. Außerdem mit dabei sind Lara Ermer (Fürth), Thomas Jurisch (Dresden), Tobias Kunze (Hannover) und Konstantin Turra (Dresden). Allesamt klangvolle Namen im Poetry Slam-Universum. Die ein breites Spektrum an Themenvielfalt und vor allem grundverschiedene Slam-Techniken versprechen. Dabei ist Konstantin Turra der mit der eindrucksvollsten Vita. Er, der als Erzieher und Sprengmeister (welche Kombination!) arbeitet, verarbeitet diese beiden beruflichen Erfahrungen in herrlicher Art und Weise auf der Bühne – Bauchmuskelkrämpfe nach Lachattacken garantiert. Aber auch Tobias Kunze verspricht Spannung. Er, in Slam-Kreisen einer der aktivsten Poeten, wechselt fast schon stakkatoartig zwischen leise und bedächtig und wild gestikulierend: bunt, wild, direkt und sympathisch chaotisch. So präsentiert sich der Niedersachse seinem Publikum. Buchautor und Slammer-Urgestein Thomas Jurisch brilliert seit inzwischen über zehn Jahren mit eher leisen Tönen. Und zu guter Letzt ist da noch Lokalmatadorin Lara Ermer. Die einzige Fränkin auf der Bühne ist nicht nur ein optischer Leckerbissen. Mit ihren mitten aus dem Leben gegriffenen Slams überzeugt die Psychologie-Studentin immer mehr Leute. Der Titel der fränkischen U20-Meisterin soll erst der Anfang einer Erfolgsgeschichte sein.

Durch den Abend in der Disharmonie führt als Conferencier Manfred Manger – an der Seite von Felix Kaden Veranstalter des regulären Poetry Slams in der Kugellagerstadt. Der Macher war nach der Premiere im Vorjahr voller Euphorie. Das lag nicht nur an den allesamt routinierten Slammern, die Texte aller möglichen Thematiken auf die Bühne brachten. Vor allem überzeugten auch die drei Jazzmusiker auf der Bühne mit grandiosen Improvisationen. Immer wieder trafen sie mit ihren autodidaktischen Interpretationen die Texte der Slammer auf den Punkt. Begeisterungsstürme des Publikums waren gewiss. In diesem Jahr soll sich das wiederholen. Just slam it, Baby! Tickets gibt es ab 10,90 Euro zu erwerben.


Fotocredits:
Schweinfurter Jazz-Slam, Foto © Schweinfurter Jazz-Slam

Andreas Bär
31.03.2017

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