Manche mögens heiss!

Olaf Schubert am 17. Mai in Erlangen

Manche mögens heiss!

 Er ist der vielleicht berühmteste Pullunder der Republik: Olaf Schubert. Der unscheinbare Comedian aus dem sächsischen Vogtland hat dem vielleicht hässlichsten je entworfenen Kleidungsstück des Erdbodens Kultstatus beschert. Mit seinem neuen Programm „Sexy Forever“ gastiert der gebürtige Plauener am 17. Mai in der Heinrich Lades-Halle in Erlangen.

Sexy Forever? Und das aus dem Mund von Olaf Schubert? Ist man neutral und ehrlich: In die Kategorie der Topmodels wird der 49-Jährige auf seine alten Tage nicht mehr vorstoßen. Eines ist aber auch klar: Olaf Schubert, alter Ego des bürgerlich als Michael Haubold firmierenden Bühnentausendsassas, hat ein Selbstbewusstsein wie kaum ein anderer seiner Kategorie. „Beim Sex denke ich gerne an etwas Schönes“, sagt er über sein jüngst erschienenes Leinwand-Debüt „Schubert in love“ - bei dem er an der Seite seines Filmvaters Mario Adorf brilliert. Wie auch in seinem Kinofilm geht er auch mit seinem neuen Bühnenprogramm international. „Der bewusst englischsprachig gewählte Titel zeigt jedoch auch: nach den großen Erfolgen in Teutonien will Olaf jetzt endlich auch den amerikanischen Markt erobern, zumindest den rumänischen“, so der Veranstalter in seiner Ankündigung des neuen Schubert-Programms.

Seit mehr als zwanzig Jahren steht Olaf Schubert, der sinnlich nuschelnde Vogtländer, nun schon auf den Bühnen. Er, Sohn eines Musiklehrers und einer Hausfrau, wuchs in Dresden auf – was auch den sächsischen, nichtvogtländischen Dialekt erklärt. 1987, so sagt der begnadete Musiker zumindest, wäre ihm in einem Westpaket der erste Pullunder zugeschickt geworden. Er kultivierte das Utensil. Und gilt daher als der Ost-Comedian schlechthin. Schnell kamen erste Erfolge, nachdem er 1995 die Bühnen der Republik erklommen hatte. Als Ossi-Versteher geisterte er jahrelang und unzählige Male preisprämiert durch die „Heute Show“ im zweiten deutschen Fernsehen. „Ölaf“, wie er sich selbst gern nennt, hat seine Heimat zu seinem Markenzeichen erklärt. Und damit eine Nische bedient, die es so damals noch nicht gab und (zumindest überregional und überdimensioniert erfolgreich) bis heute nicht wirklich gibt: die des Comedians aus dem Osten der Republik.

Nachdem Olaf Schubert in Sachsen schon länger bekannt war, erlangte er anfangs vor allem durch seine Auftritte im Quatsch Comedy Club bundesweite Aufmerksamkeit. Nach dem Sendestart von Comedy Central in Deutschland war er dort in der Sendung u. A. w. g. – um Antwort wird gebeten – zu sehen. Zudem trat er auch in der früher vom WDR ausgestrahlten Comedysendung Night Wash auf – mit der Krönung unzähliger grandioser Auftritte in der Heute-Show. Auf dem Radiosender SWR3 ist seine Kolumne „Mahner und Erinnerer“ regelmäßig zu hören. 2010 wurden vier jeweils halbstündige Sendungen Olaf TV – Von Schubert zu Mensch auf 3sat ausgestrahlt. Eine zweite Staffel der Sendung wurde in vier Folgen zwischen Oktober 2011 und März 2012 ausgestrahlt. Ende August 2012 wurde in Dresden das neue Programm SO erstmals als Vorpremiere im Kabarett Breschke & Schuch aufgeführt. Am 2. Oktober 2012 moderierte Haubold in der Rolle seiner Kunstfigur zusammen mit Oliver Welke die 14. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises. 2011 und 2012 fungierte Olaf Schubert beim TV total Turmspringen als Reporter. Seit Januar 2014 gibt es die Fernsehshow „Olaf verbessert die Welt“! Die ersten vier Ausgaben strahlte das MDR-Fernsehen 2014 erstmals aus. Beginnend im Februar 2015 und mit der fünften Ausgabe übernahm Das Erste die Erstausstrahlung, auch wegen des beim jungen Publikum hohen Erfolgs. Michael Haubold alias Olaf Schubert hat den Sprung in die Belle Etage der Komödianten längst vollzogen. Dabei ist sein Humor ein durchaus grenzwertiger. Nicht selten schießt er über das Ziel hinaus, bleibt den Zuschauern und Zuhörern das Lachen im Halse stecken. Ein Berufsjugendlicher im Kleid eines 49-Jährigen. So kommt einem der fast schon gebrechlich wirkende Haubold mitunter vor. Einer, der seine Kraft aus der Bühnenfigur Schubert zieht und dabei zur Hochform aufläuft. Ein alter Ego, das mitunter ziemlich derb alle möglichen Dinge in aller nur möglichen Deutlichkeit anspricht. Oder wie er sich selbst auf seiner Homepage charakterisiert: „Wer also einen Abend erwartet mit bissig-kritischen und ironisch-sarkastischen verbalen Hochseilakten voller Tiefsinn, gespickt mit einem gnadenlos rasantem Pointenmarathon bis zum völligen Lachmatt, dargeboten von einem listig Falltüren öffnenden Wortspielphilosophen, ist bei Schubert genau falsch. Er ist alles und nichts von dem, sowie in jedem Falle anders.“ Anders. Das trifft den demnächst 50 Lenze zählenden Comedian wohl am treffendsten. Da bleibt es sich gleich wie Freund und Feind ihn nennen – Wunder im Pullunder, Vergewaltiger des Bösen, Verteiler des Richtigen, einsamer Mahner oder singende Gesichtsfünf aus Dresden. Fast alle die ihn gesehen und erlebt haben, sagen am Ende einfach nur: Danke Olaf! Schließlich ist er einer der wenigen, die ihre Kraft auch aus der Improvisation ziehen. Da, wo andere Kollegen den ein oder anderen spontanen Kalauer auspacken, fängt bei ihm der Spaß erst richtig an. Und was Spaß und was Ernst ist: Das ist bei ihm nicht immer auf Anhieb erkennbar. Macht ihn aber nur noch sexier, als er sowieso schon ist. Schließlich sagt er über sich in aller Bescheidenheit, nachdem ein Magazin beschloss, dass er nicht zu den Top Ten der bestaussehendsten Menschen weltweit gehört, dass er mit dem elften Platz auch ganz gut leben könne.

 

Fotocredits:
Olaf Schubert - Sexy Forever, Foto © Amac Garbe

Andreas Bär
31.03.2017

Eure Meinung? Leserbrief verfassen