BAYREUTHER FESTIVAL MACHT LUST AUF LEKTÜRE

FRANK SCHÄTZING KOMMT IN DIE WAGNER-STADT

BAYREUTHER FESTIVAL MACHT LUST AUF LEKTÜRE

 Wachstumsschmerz. Limit. Wir braten Sie gern. Oberst von Huhn bittet zu Tisch. Wer sich nach diesen ersten Worten angesprochen fühlt und sich fragt, was diese wohl gemeinsam haben, für denjenigen könnte es nun interessant werden. Alle diese Sätze sind Titel von Büchern. Und alle Autoren dieser Bücher treffen sich an einem Punkt: dem Leselust-Festival in Bayreuth. Denn vom 23. Januar bis 13. Februar wird im Jugendkulturzentrum in der Wagner-Stadt gelesen! Und Literatur wird zum Event gemacht.

 

Warum mit Lesen ein ganzes Festival-Programm gefüllt werden kann, wird einsichtig, wenn man sich den Begriff „Leselust“ einmal näher betrachtet. Lesen und Lust kann man nicht voneinander trennen, aber sehr gut miteinander verbinden. Genau das ist der Sinn, der hinter der Veranstaltung steckt: Lust auf Lesen machen.

 

Wie jedes Event braucht auch dieses Festival eine starke Hand in der Planung und Leitung. Hinter dieser Aufgabe steckt 2014 Manuel Kraus, der uns Rede und Antwort stand.

Woher stammt die Idee des „Leselust-Festivals“? Welche Motivationen und Ziele stecken dahinter?

Die „Leselust“ ist nicht nur für erklärte Bücherwürmer gedacht, sondern hat ein breites Publikum im Blick. Mit der Leselust wird Lesen zum Event. Das sieht man auch daran, dass die Lesungen im Zentrum stattfinden, also in einer Veranstaltungshalle und nicht in einer Buchhandlung.

 

Das Festival findet 2014 nicht das erste Mal statt. Wie oft wurde bisher gelesen?

 

Die „Leselust“ gab es schon einmal von 2006 bis 2010. Es fanden dabei jeweils zwischen vier und sechs Lesungen pro Jahr statt.

 

Warum wurde vier Jahre pausiert?

Wie bei so vielen Kulturveranstaltungen gab es irgendwann Probleme mit der Finanzierung.

Nun kann sich in vier Jahren viel ändern in der Literatur. Gibt es Unterschiede im Programm oder im Konzept zwischen 2014 und 2006 bis 2010?


Nein, der Titel ist weiterhin Programm: Die Veranstaltungsreihe präsentiert Literatur und Vorleser, die „Lust“ aufs Lesen machen.

Wer war der frühere Leiter des Festivals?

Das Festival wurde betreut von Christian Müller und seiner Agentur NM PR. Die „Leselust“ ist seine Idee, und er hat sie an uns weitergereicht. Er hat sich überzeugt, dass das Festival bei uns in guten Händen ist.

Welche Höhepunkte gab es in den „Lese-Jahren“ 2006 bis 2010?

Zu Gast waren Autoren wie Jan Weiler, Evelyn Hamann, Wladimir Kaminer, Hellmuth Karaseck, Roger Willemsen und Ingrid Noll.


 

Wer liest 2014 und was zählt diesmal zu den Glanzpunkten?

Mit der Szene-Moderatorin Sarah Kuttner, dem international renommierten Science-Fiction-Autor Frank Schätzing, dem „Deutschlehrer Nummer Eins“ Bastian Sick und dem SZ-Kolumnisten und Erfolgsautor Axel Hacke hat die „Leselust“ immerhin vier deutsche Bestsellerautoren zu Gast.

Wie schafft man es, so prominenten Besuch wie die Autoren Schätzing, Sick und Kuttner nach Bayreuth zu locken?

Wir konnten sie überzeugen, dass wir ein Festival haben, für das es sich lohnt, nach Oberfranken zu kommen!

Wie gestaltet sich das weitere Programm des Festivals?

Neben den vier Autorenlesungen gibt es einen „Hate-Slam“ der Redaktion des Nordbayerischen Kuriers, bei dem die interessantesten „Entgleisungen“ von Leserbriefschreibern vorgetragen werden.

Was macht das „Leselust- Festival“ im Gegensatz zu Buchmessen zu etwas Besonderem?

Das Leselust-Festival bringt namhafte Autoren und interessante Literatur nach Bayreuth. Die Autoren kommen zu uns, man muss nicht reisen, um sie zu sehen. Dadurch werden die Veranstaltungen für ein breiteres Publikum interessant.

Von wem erfährt das „Leselust-Festival“ Unterstützung und wer genau steckt hinter dem Event?

Die Leselust wird unterstützt von der Tageszeitung Nordbayerischer Kurier, von der VR-Bank Bayreuth und von der Buchhandlung Hugendubel in Bayreuth. Meine Agentur Motion Kommunikation veranstaltet das Festival.


In Bayreuth gibt es ebenfalls das „Sangeslust-Festival“. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Veranstaltungen?

Nein, es gibt keine Zusammenarbeit zwischen den Festivals. Aber vielleicht wäre das ja einmal eine Idee ...

Weg vom Festival und hin zu Ihrer Person selbst: Was machen Sie neben dem „Leselust“- Festival? Ein kurzes Porträt.

Ich bin Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Motion Kommunikation in Bayreuth, die über fünfzig kleine und große Events pro Jahr organisiert – darunter Konzerte, Partys, Comedy, Kabarett. Studiert habe ich eigentlich einmal englische und deutsche Literaturwissenschaft. Da schließt sich der Kreis zur Leselust!

Was bedeutet Lesen für Sie?

Zunächst einmal ist es unabdingbarer Bestandteil meines Berufs, ein Handwerkszeug wie Schreiben oder Reden. Darüber hinaus eröffnet die Literatur die Möglichkeit, in eine andere Gedankenwelt einzutauchen und seine eigene zu erweitern – was unheimlich wichtig ist.

Sind Sie selbst eine Leseratte, und wenn ja, welche Literatur präferieren Sie?

Das Dasein als Leseratte musste ich leider aufgeben, denn dafür braucht man viel Zeit, die ich allenfalls im Urlaub habe. Es ist aber interessant, an wie viele bemerkenswerte Momente beim Lesen von Literatur man sich erinnert. Heute lese ich vom Sachbuch bis zum englischsprachigen Roman alles Mögliche. Immer mehr schätze ich Hörbücher, einfach, um den Augen am Abend mal eine kleine Pause zu gönnen.


Wie schätzen Sie das Leseverhalten der heutigen Gesellschaft ein?

Lesen ist eine grundlegende Kompetenz und wichtiger denn je in der Informationsgesellschaft. Die Klagen, dass nicht mehr gelesen wird und junge Leute nicht mehr lesen können, kann ich nicht nachvollziehen. Solange es interessante Bücher mit spannenden Geschichten gibt, gibt es interessierte Leser.


Ihre Meinung zu derzeitigen Trends in der Buchszene? E-Reader und Kindle gegenüber einem klassischen Buch?

Der Trend zum Reader ist wohl nicht aufzuhalten. Ich lese gelegentlich Bücher auf dem Tablet, was ich besonders wegen der Hintergrundbeleuchtung schätze. Gerade für schnell konsumierbare Bücher ist das sicher die Zukunft. Dennoch geht für mich persönlich nichts über die haptische Erfahrung eines gut gemachten Buches mit schöner Typographie.

Was sagen Sie zu der Buchpreisbindung, und halten Sie es für sinnvoller, diese aufzugeben?

Ich habe irgendwo die Formulierung gelesen, die Buchpreisbindung sei ein Artenschutz für das Kulturgut Buch. Der Blick in die USA zeigt: Die „big player” des Buchhandels würden sich gegenseitig im Preis unterbieten, und noch mehr Verlage und Buchhandlungen würden verschwinden. Die Buchpreisbindung schafft hier einen gewissen Ausgleich.

Drei Bücher, die man gelesen haben sollte…

Nur drei?
„Der Schwarm“ von Frank Schätzing – als Vorbereitung auf  die „Leselust“!
„Der Name der Rose“ von Umberto Eco – neulich wieder gelesen, und immer noch der beste historische Roman, den ich kenne!
„Steppenwolf“ von Hermann Hesse – mein Plädoyer für eine Hesse-Renaissance!

 

 

 

 



Kerstin Böhm
09.01.2014

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