FETTES BROT - 3 IS NE PARTY

RAP-WIEDERVEREINIGUNG AUF HOHEM NIVEAU

FETTES BROT - 3 IS NE PARTY

Doktor Renz, Björn Beton und König Boris, hinlänglich bekannt als Hamburger HipHop-Formation Fettes Brot werden am 05. Februar 2014 in der Fürther Stadthalle ihr aktuelles Album „3 Is Ne Party“ vorstellen. Und auch wenn der Album-Opener als „Wackelige Angelegenheit“ betitelt ist, haben die Rap-Künstler die oberen Chart-Plätze nach wie vor im Visier. Und es steht außer Frage, dass die 1992 aus der Formation Poets Of Peeze hervorgegangene Band seit dieser Zeit deutschsprachigen Sprechgesang maßgeblich mitgeprägt hat. Was folgt ist ein langer, erfolgreicher Weg von der ersten EP „Mitschnacker“ auf dem Label Yo Mama Records über zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u.a. 1Live Krone, Comet, Echo und MTV Europe Music Award) bis hin zu der im eigenen Studio eingespielten aktuellen Kombination aus Musik & Texten, die sich auf „3 Is Ne Party“ wiederfindet. Und was liegt anlässlich der V.Ö. und der kommenden Tournee näher, als Doktor Renz zwecks Informationsaustausch in Hamburg anzurufen.

 

Anläßlich des neuen Albums ist die Rede von Wiedervereinigung und Comeback. Wie lange war die Auszeit und wann habt ihr wieder begonnen gemeinsam Musik zu machen?

 

Doktor Renz: Zwischen 2011 und 2012 haben wir live pausiert und König Boris hat sich u.a. um sein Soloprojekt „Der König tanzt“ gekümmert. Aber auch Björn und ich haben uns auf andere Sachen konzentriert. Alle haben Musik abseits des Mutterschiffs gemacht und im Sommer 2012 haben wir gemerkt, dass die gemeinsame Kreativität wieder zurück war.

 

 

Wie groß wird die Besetzung auf der Bühne bei der kommenden Tournee sein, gilt da auch ´weniger ist mehr?

 

Doktor Renz: Wir werden sieben Personen sein, der Bigband-Sound der letzten Jahre wird ein wenig abgespeckt und komprimiert.

 

 

Die Musik und die Texte aller dreizehn neuen Titel stammen von Euch Drei, über welchen Zeitraum hinweg wurde am Album gearbeitet?

 

Doktor Renz: Wir haben 11 Monate am Album gearbeitet, dabei gab es feste Arbeitsabläufe im Studio Iglesias, dass übrigens unser eigenes ist. Es war fast schon so büromäßig, damit unsere sozialen Kontakte unter den Aufnahmen nicht leiden. Und wir haben selber geschrieben und arrangiert, eingespielt und aufgenommen uns sogar produziert. Gemischt wurde dann in Kopenhagen.

 

 

Im Gegensatz zum Leben ist die neue CD „3 Is Ne Party“ keine „Wackelige Angelegenheit“. Seid Ihr mit dem Album-Opener und dem Rest der Titel definitiv zufrieden und welche Erwartungshaltung habt Ihr bezüglich der Fan-Resonanz?

 

Doktor Renz: Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden und sind gespannt darauf, was die Leute so dazu sagen. Aus dem näheren Bekanntenkreis gab es schon positives Feedback und wir glauben dass uns ein großer Wurf gelungen ist. Wir haben dieses Mal viel Platz für Improvisation gelassen, haben mutig agiert, mit Platz für Ecken und Kanten. Zumeist haben wir die musikalisch einfachste Variante gewählt, so kommen wir deutlich spielfreudiger rüber.

 

 

Wodurch unterscheidet sich das neue Werk von dem letzten regulären Vorgänger „Strom und Drang“ aus dem Jahr 2008?

 

Doktor Renz: Wir sind einfach noch ein bisschen besser geworden was das Songwriting und das generelle Ausarbeiten von Songideen in textlicher und musikalischer Hinsicht angeht. Trotzdem wir Rapper sind, sind wir uns unserer Nähe zum Pop bewusst und haben uns da auch perfektioniert.

 

 

Welche Wertigkeit geniessen den beiden tragenden Bereiche Musik und Text. Funktionieren die am besten als Einheit aus catchy-slogan und dancefloor-tauglichem Beat?

 

Doktor Renz: Beides ist wichtig. Ich mag es gerne, wenn man sich auf die Stimmung unserer Musik und auf die Texte einlassen kann. Im besten Fall funktioniert das parallel.

 

 

Hast Du ein oder zwei Favoriten auf dem neuen Album und wenn ja was macht diese Titel für Dich so besonders?

 

Doktor Renz: Ich habe 13 Favoriten auf dem Album, wir sind frisch gebackene Eltern und bevorzugen keines unserer Kinder. Aber die Single „Echo“ ist ein besonderer, emotionaler Fall, der unserer Wiedervereinigung voransteht. Ich freue mich besonders darauf diesen Song live zu spielen.

 

 

Die Band wurde bereits 1992 gegründet. Überlegt ihr da manchmal Fettes Brot dauerhaft zu beenden und wie sieht Deine persönliche Zukunftsplanung generell aus?

 

Doktor Renz: Die Band ist ein Glücksfall für uns, dass zu machen was wir lieben und damit auch unsere Familien gut ernähren zu können. Wir haben es wirklich gut getroffen, da liess sich auch die Familienplanung einzelner Mitglieder bisher locker gestalten. Und es hat keiner etwas dagegen, wenn es so weitergeht.

 

 

2004 habt ihr bereits Euer eigenes Label, die Fettes Brot Schallplatten GmbH gegründet und aktuell erscheint „3 Is Ne Party“ beim Kölner Vertrieb Groove Attack. Ihr hattet ja im Laufe der Karriere u.a. mit Intercord und EMI Electrola auch mit Major-Labels zusammengearbeitet. Habt Ihr den Schritt in die Selbständigkeit nie bereut und gab es überhaupt  in späteren Jahren das ein oder andere Major-Label Angebot?

 

Doktor Renz: Es gab Verhandlungen mit Major-Labels wegen Vertriebsdeals, aber wir schätzen die Independent-Herangehensweise nach wie vor. Und wir fühlen uns mit dem jetzigen Partner Groove Attack sehr wohl.

 

 

Ihr habt im Laufe Eurer Karriere zahlreiche Preise bekommen, u.a. den Echo und den MTV Europe Music Award. Was bedeuten Euch solche Auszeichnungen, welche war die wichtigste?

 

Doktor Renz: Ich finde es eine schöne Bestätigung unserer Arbeit, wenn eine bestimmte Schaffensphase ausgezeichnet wird. Die schönsten waren bestimmt die, die eher überraschend kamen, So wie im Jahr 2006, als wir den Echo für HipHop/R&B National bekamen, wo Otto Waalkes die Laudatio hielt, der ein Kindheitsidol von uns war.

 

 

Was können die Fans von einer Fettes Brot-Show auf der kommenden Tournee erwarten?

 

Doktor Renz: Live vor Publikum zu spielen ist das Brot des Künstlers, da denken wir uns einiges aus. Es wird auch was für das Auge geben, mit tollen Effekten.

 

 

Abschließend noch eine Frage, die sicher nicht nur die Fußballfans unter den LeserInnen beschäftigt: HSV oder St. Pauli – und warum?

 

Doktor Renz: St. Pauli, weil das die einzige Möglichkeit ist. Das gilt für uns alle Drei. Aber in unserem engen Freundeskreis gibt es schon den ein oder anderen HSV-Anhänger.

 

 

Interview: Frank Keil

 

INFORMATION:

WEITERE INFOS ZU FETTES BROT: www.fettesbrot.de

 

 

 

 

 

Frank Keil
09.01.2014

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