Geistlicher - Staatsmann - Samariter oder Inquisitor?

Zum 400. Todestag von Julius Echter

Geistlicher - Staatsmann - Samariter oder Inquisitor?

 Er gehört wohl eher zu den umstrittenen Figuren, für die in diesem Jahr ein Jubiläum anberaumt wurde. Aber natürlich blieb den Verantwortlichen der Würzburger Diözese eigentlich keine andere Wahl, gilt Julius Echter von Mespelbrunn, der 61. Bischof von Würzburg (1573 – 1617), doch eher als einer der Großen in der mittlerweile 88 Namen zählenden Reihe der Kirchenoberhäupter des unterfränkischen Oberzentrums. Aber vielleicht beginnen wir die Geschichte Echters von Anfang an. Echter wurde am 18. März 1545 als zweites von insgesamt neun Kindern des Kurmainzer Rats Peter III. Echter von Mespelbrunn und seiner Frau Gertraud in Mespelbrunn geboren. Die Eltern galten beide als tief gläubig, so wundert es nicht, dass bereits früh feststand, dass Sohn Julius eine kirchliche Laufbahn einschlagen würde. Nachdem er drei Jahre lang die Stiftsschule in Aschaffenburg besucht hatte, wurde er 1557 Kanoniker in Würzburg, wo er auch gleichzeitig die Domschule besuchte. Zwei Jahre später wechselte er an die Mainzer Domschule, bevor es ihn zum Jesuitengymnasium in Köln weiterzog. Es folgten Studien der Rechtslehre und Theologie in Löwen, Douai, Paris, Angers und Pavia, die er letztlich mit dem akademischen Abschluss „Licenciat“ beendete.

Und damit war der Grundstein für eine Laufbahn innerhalb der neuzeitlichen katholischen Kirche gelegt. Warum diese letztlich dann doch so rasant verlief, das mag wohl auch an den damaligen Umständen gelegen haben. Das Bistum Würzburg war zu diesem Zeitpunkt in einem mehr als trostlosen Zustand. Viele der Adeligen und damit auch zwangsläufig deren Untertanen waren zum Protestantismus konvertiert, als Folge des Bauernkrieges waren zahlreiche Liegenschaften zerstört. Die Missstände in der Kirche, die letztlich auch die Reformation begünstigt hatten, traten allenthalben zutage, Korruption und Vetternwirtschaft waren eher der Regelfall als die Ausnahme. Eine Regulierung des Bistums fand de facto nicht mehr statt. Und so wurde Echter, der nahezu zeitgleich Mitglied der Domkapitel in Würzburg, Mainz und Bamberg war, 1570, gerade einmal 25 Jahre alt, Leiter der Würzburger Domschule. Im gleichen Jahr übernahm er zusätzlich das Amt des Domdechants, einer der beiden Führungspositionen in einem Domkapitel. Am 1. Dezember 1573, knapp einen Monat nach dem Tod seines Vorgängers, wurde Julius Echter von Mespelbrunn zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. Wohl eher überraschend, dachte das Domkapitel wohl, in dem relativ unbekannten Echter einem eher „schwachen Bischof“ die Regentschaft zu übergeben. Ein folgenreicher Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. Wie wohl Echter am 4. Dezember 1573 sein Amt antrat, wurde er doch erst im Mai 1575 zum Bischof geweiht, zwei Tage nach seiner Priesterweihe.

So lange wartete Echter aber nicht, um seine Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Bereits 1574 erließ er eine Kanzleiordnung, die zum einen die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung wiederherstellte und zum anderen eine Gebührenordnung zur Sanierung der Staatsfinanzen festlegte. Diese Maßnahme hatte zwei erstaunliche Effekte: die Schuldenlast des Bistums sank, gleichzeitig aber auch die Steuerbelastung der Bevölkerung. Darüber hinaus schob der neue Fürstbischof zahlreiche Rechtsreformen und Verordnungen an, exemplarisch seien hier die Erneuerungen der Prozessordnungen und die Beseitigung des Kreditwuchers genannt. Sein eigentliches Hauptanliegen aber war die Gegenreformation. Unbesetzte Priesterstellen wurden neu be-, ungeeignete Pfarrinhaber, die durch Korruption an ihre Position gekommen waren, ersetzt – in der Regel durch Jesuitenmönche. Protestanten erhielten eine Aufforderung zum Wechsel der Religionszugehörigkeit, im Falle der Nichtbefolgung wurde ihnen nahegelegt, das Land zu verlassen. Zwei Jahre lang besuchte Julius Echter alle größeren Orte, um seinem Vorhaben Nachdruck zu verleihen. Er ließ mehr als 300 Kirchen neu errichten bzw. zerstörte wiederaufbauen. Als Indiz für den Erfolg und die Nachhaltigkeit seiner gegenreformatorischen Maßnahmen gilt die Tatsache, dass während der schwedischen Besatzung im Laufe des Dreißigjährigen Krieges die meisten Bewohner des Würzburger Bistums katholisch blieben. Dies kann sicher direkt auf den Einfluss Julius Echters zurückgeführt werden. Laut Echter selbst sollen in dieser Zeit bis zum Abschluss der Gegenreformation im Jahr 1590, 100.000 Menschen zum katholischen Glauben konvertiert sein.

Womit Echter weniger Glück hatte war, dem Bistum in der Reichspolitik mehr Einfluss zu verschaffen. Echter ließ sich 1576 zum Administrator des Stifts Fulda wählen, zuvor hatten Ritterschaft und Stiftskapitel den damaligen Fürstabt Balthasar von Dernbach zur Abdankung gezwungen. Dernbach legte Beschwerde beim Papst und Kaiser Maximilian II. ein, es kam zum Prozess und 1602 musste Echter das Stift Fulda wieder zurückgeben. Seine Rolle in diesen sogenannten „Fuldaischen Händel“ verhinderte, dass das Bistum Würzburg in der Reichspolitik eine wichtigere Rolle spielte. Das Bistum Würzburg gehörte in dem kleinteiligen Deutschland zunächst dem „Landsberger Bund“ an, ein wichtiger Unterstützer bei Echters Gegenreformation. Nach dessen Auflösung im Jahr 1598 trat Würzburg 1609 dem Verteidigungsbund der „Katholischen Liga“ bei. Durch einen Einfall von Truppen in seine Ländereien sah sich Echter dazu veranlasst, selbst Verteidigungsmaßnahmen zu ergreifen. Er erhöhte die Anzahl seiner Soldaten, sodass ihm bereits im Herbst 1610 vierzigtausend Musketiere Gefolgschaft leisteten. Die Außengrenzen des Bistums, die sich zu dieser Zeit sehr unregelmäßig darstellten, glättete er, indem er verpfändete Ländereien wieder einlöste und neue Ländereien von verschuldeten Fürsten hinzukaufte.

Nach Außen hart und kompromisslos, insbesondere in Glaubensfragen, zeigte Julius Echter gerade auf sozialem Gebiet, dass er nicht nur ein großer Staatsmann, sondern auch ein guter Geistlicher sein konnte. Zu seinen besonderen Verdiensten kann man, neben den bereits erwähnten Kirchenneu- und aufbauten, die Gründung der Universität Würzburg und des Juliusspitals als Hospital für Arme und Waise zählen. Eine Universität hatte es zwar bereits vorher schon gegeben, die war allerdings nach dem Tod ihres Gründers wieder geschlossen worden. Da das Bistum weder dazu in der Lage war, Priester noch weltliche Beamte selbst auszubilden, erwirkte Echter daher von Kaiser und Papst die Rechte für den Betrieb einer katholischen Universität. Viel Unterstützung hatte der Bischof von Würzburg dabei nicht, zumindest nicht von seinen Domkapitularen. Die fürchteten den zunehmenden Einfluss der Jesuiten und stellten sich Echters Plänen entgegen. Allerdings mit wenig Erfolg, der Bischof finanzierte den Ausbau der Universität mit Hilfe seiner Klöster. 1582 schließlich konnte die Würzburger Universität von Echter wiedereröffnet werden. Das „Julius“ in ihrem Namen (Julius-Maximilians-Universität) erinnert noch heute an ihren (Wieder-)Gründer. Aber auch auf dem Land versuchte der Bischof das Schulwesen zu etablieren, indem er zahlreiche Schulgebäude errichten ließ.

Mit dem Domkapitel geriet Echter auch wegen des Armenspitals aneinander. Das in nur drei Jahren errichtete „Juliusspital“ war allerdings nicht ganz unumstritten. Das Krankenhaus wurde teilweise auf dem Gelände des jüdischen Friedhofs gebaut, der nach der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung durch Echter konfisziert wurde. Auch in Gesundheitsfragen konzentrierte sich Echter nicht nur auf die Bistumsstadt. Unter seiner Regentschaft entstanden auf dem Land etliche Spitäler, unter anderem in Haßfurt, Gerolzhofen, Mellrichstadt und Volkach, um nur einige zu nennen.

Hexenverbrennungen – dieser Begriff steht wie ein Synonym für ein (vielleicht) besonders dunkles Kapitel in der Regentschaft Julius Echters. Während antikatholische Flugschriften in dieser Frage ein sehr düsteres Bild von Echter zeichnen und damit Mitverantwortung für die Annahme tragen, dass Echter sich „an die Spitze einer gewaltigen Hexenjagd“ gestellt habe, widerlegen neuere Quellen dieses Bild und belegen, dass „…aus den ersten 27 Jahren der Regentschaft des Fürstbischofs keine Hinrichtungen wegen Hexerei bekannt sind…“ (Quelle: Robert Meier: Die frühen Hexenprozesse des Fürstbischofs Julius Echter. Mit einer Kritik an Lyndal Ropers „Hexenwahn“. In: Würzburger Diözesangeschichtsblätter, Jg. 79 (2016), S. 154-156).

Warum gerade in den letzten Jahren seiner Regentschaft die Fälle von Hexenverfolgung massiv zunahmen, kann heute nicht mehr genau rekonstruiert werden. Fest steht allerdings, dass es ca. 300 Personen waren, die während seiner Herrschaft hingerichtet wurden. Dass seine Nachfolger wesentlich mehr Opfer hinrichten ließen, kann nur ein schwacher Trost sein.

Julius Echter war über 40 Jahre Fürstbischof von Würzburg. Seine Regentschaft zeichnet sich sowohl durch Härte und Kompromisslosigkeit, als auch durch Fürsorge und Reformkraft aus. Er gründete die Würzburger Universität und das Juliusspital als Hospital für Arme und Waisen und ließ Hunderte von Kirchen und Schulen bauen. Echter war aber auch der Gegenreformator schlechthin und vertrieb zahlreiche Protestanten und auch Juden aus ihrer Heimat. Zumindest gegen Ende seiner Regentschaft gewann die Hexenverfolgung in seinem Bistum an Bedeutung, sodass man ihm die Schuld für den Tod zahlreicher unschuldiger Menschen nicht absprechen kann. Echter starb am 13. September 1617.

 

Fotocredits:
Hans Ulrich Bühler stellte Würzburg 1623 dar – nach dem großen Umbau der Stadt unter Julius Echter, der links unten kniet, Foto © Wagner Museum Würzburg

Mahnender Blick: Ausschnitt aus einem Kupferstich, der den Universitätsgründer Julius Echter verherrlicht (um 1610), Foto © Wagner Museum Würzburg

Ludwig Märthesheimer
31.05.2017

Eure Meinung? Leserbrief verfassen