Kultur in Bayreuth

„So begrüße ich aus vollem Herzen das liebliche Bayreuth…“

Kultur in Bayreuth

 So waren die Worte des wohl prominentesten Bewohners Bayreuths zur Grundsteinlegung seines Festspielhauses am 22. Mai 1872. Das teure Festspielhaus, das jährlich im Zeitraum vom 25. Juli bis 28. August als Pilgerstätte aller Wagnerianer und sonstigen Opernfans aus aller Welt gilt, stand zu Zeiten Wagners finanziell auf wackeligen Beinen. Nach einer Bauzeit von vier Jahren konnte das Haus, das nach Plänen von Otto Brückwald in Bezugnahme auf ältere Pläne von Gottfried Semper errichtet wurde, schließlich im August 1876 feierlich eröffnet werden. Heute ist das in schinkel’scher Manier erbaute Festspielhaus Bayreuths Aushängeschild, denn ein Mal im Jahr versammelt sich hier die gesamte Politikerriege und alles, was sonst noch so Rang und Namen hat. Dabei ist der etwas entlegene Grüne Hügel, auf dem Richard Wagner das Festspielhaus errichten ließ, längst nicht alles, was es im oberfränkischen Südwesten zu entdecken gibt.

Neben der Studiobühne Bayreuth und deren abwechslungsreichem Programm, hält die Stadt Bayreuth vor allem jede Menge Museen bereit. So gibt es im Richard Wagner Museum allerhand über den berühmten Komponisten in Erfahrung zu bringen. In das Museumskonzept eingebunden, sind Wagners ehemaliges Wohnhaus „Wahnfried“ am Rande des Hofgartens, das Siegfried Wagner-Haus, das 1894 durch Wagners Sohn erbaut und bis 1980 von dessen Ehefrau Winifred Wagner bewohnt wurde, sowie ein Neubau im westlichen Teil des Gartens. Während im Haus „Wahnfried“ auf drei Ebenen das Leben und Schaffen des Komponisten präsentiert wird, dokumentiert das Siegfried Wagner-Haus die Ideologiegeschichte der Familie, die in engem Kontakt zu Hitler und der Nazidiktatur stand. Der Neubau hingegen widmet sich in einer Dauerausstellung der Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele bis in die Gegenwart. Präsentiert werden unter anderem historische Bühnenbildmodelle, originale Kostüme und bühnentechnische Apparaturen aus dem Bayreuther Festspielhaus. Regelmäßige Sonderausstellungen runden das Museumsportfolio ab.

Wer nach einem Besuch im Richard Wagner Museum immer noch nicht genug von Oper und Klassik hat, kann das Programm im Franz-Liszt-Museum fortführen. Im Sterbehaus des Komponisten – Richard Wagners Freund, Förderer und Schwiegervater – werden neben Gegenständen aus Liszts persönlichem Besitz wie einem Tagebuch unter anderem einige der wertvollsten Liszt-Porträts, der Ibach-Flügel aus der Halle des Hauses Wahnfried, Liszts Stummklavier sowie handschriftliche Briefe, darunter zwei charakteristische Briefpaare aus der Korrespondenz mit Richard Wagner und seltene Werkerstausgaben präsentiert.

Eng mit der Region verbunden waren jedoch nicht nur Wagner oder Liszt, sondern auch Jean Paul. Auch ihm widmet die Stadt Bayreuth deshalb ein Museum. In Oberfranken hinterließ der anfänglich eher wenig bekannte Dichter fast überall seine Spuren, verbrachte er doch seine Kindheit in Joditz, Schwarzenbach an der Saale und Hof. Nach Bayreuth jedoch zog es ihn erst relativ spät. In den 1790er-Jahren besuchte er die Stadt, die zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Residenzstadt war, regelmäßig. Nach seiner literarischen Blüte im Jahr 1804 ließ sich Jean Paul mit seiner Familie schließlich dauerhaft in Bayreuth nieder. Einer seiner wohl berühmtesten Werke „Siebenkäs“ versammelt Bayreuther Schauplätze wie die Eremitage und den Park des im nahegelegenen Dorfes Donndorf stehenden Lustschlosses Fantaisie – übrigens zwei Orte, die es ebenfalls zu besichtigen lohnt. Einer seiner Lieblingsorte war das Gasthaus „Rollwenzelei“, in der die Besitzer Friedrich und Anna Dorothea Rollwenzel ihm eine Dichterstube einrichteten, die auch heute noch besichtigt werden kann.

Obwohl sich Wagner und der 50 Jahre ältere Jean Paul wohl nie begegnet sind, findet man das heutige Jean Paul Museum ebenfalls in der Wahnfriedstraße, im ehemaligen Wohnhaus von Richard Wagners Tochter Eva und ihrem Ehemann Houston Stewart, und nicht in seiner letzten Wohnstätte in der Friedrichstraße. Aufgrund der räumlichen Nähe der drei Museen bietet sich der Erwerb eines Kombitickets an, das für den Besuch aller drei Museen berechtigt und obendrein drei Tage gültig ist.

Richard Wagner hätte es jedoch nie nach Bayreuth gezogen, hätte es nicht das Markgräfische Opernhaus gegeben. Und Jean Paul hätte sich nach anderen Schauplätzen für seine Werke umsehen müssen, wären Eremitage und Co. nicht vorhanden gewesen. All jene barocken Prachtbauten, die noch heute das Stadtbild prägen, hat Bayreuth seiner Markgräfin Wilhelmine zu verdanken. Sie verhalf Bayreuth zum Status einer Kulturmetropole. 1709 geboren, wuchs Wilhelmine von Preußen im schönen Potsdam als Tochter des strengen „Soldatenkönigs“ und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen auf. Sie wirkte erheblich am Ausbau des Neuen Schlossen mit und zeichnete auch sonst mitverantwortlich für den „Bayreuther Rokkoko“, zu dem ein ganz besonderes Schmuckstück zählt: das Markgräfliche Opernhaus. Es gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird noch bis voraussichtlich 2018 restauriert. Wer mehr über die musisch begabte Markgräfin und Opernkomponistin (!) erfahren möchte, sollte das Museum „Das Bayreuth der Markgräfin Wilhelmine“ im Neuen Schloss besuchen.

Zum Schluss noch zwei museale Geheimtipps der etwas anderen Art: Das „Deutsche Schreibmaschinenmuseum“ in der Bernecker Straße in Bayreuth sei allen Liebhabern alter Schreibtechnik empfohlen, denn unter den insgesamt 600 Exponaten aus eineinhalb Jahrhunderten Zeitgeschichte findet sich das ein oder andere ganz besonders schöne Maschinchen. Der Eintritt ist frei. Da das Museum ehrenamtlich betreut wird, ist allerdings eine Vorabanmeldung erforderlich (Tel.: 0921 23445). „Das andere Museum“, ehemals „Das kleine Plakatmuseum“, in der Friedrich-Puchta-Straße ist ein Museum zum Stöbern und Lesen – eben ein etwas anderes Museum oder auch frei begehbares Archiv. Neben regelmäßig laufenden Ausstellungen kann hier in allerhand historischen Zeitschriften, Magazinen und Reklame geschmökert werden. Öffnungszeiten und weitere Informationen finden Sie unter www.bayreuth.de oder auf der Facebook-Seite „Anderes Museum“.

 

Fotocredits:
Eremitage Bayreuth, Foto © pixybay.com
Viele solcher Schmuckstücke stellt das Deutsche Schreibmaschinenmuseum in Bayreuth aus, Foto © pixabay.com
Richard Wagner Museum Bayreuth 2015, Foto © Marcus Ebener, Hans Dramanski
 

Franziska Gurk
01.06.2017

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