Leider (noch) nicht im Köchelverzeichnis

Das Stadttheater Fürth präsentiert „Breakin‘ Mozart“

Leider (noch) nicht im Köchelverzeichnis

 Vom 14. bis zum 22. Juli gastiert „Breakin‘ Mozart“ im Stadttheater Fürth. Dort zu sehen: Eine atemberaubende Kombination aus Breakdance und klassischer Musik aus der Feder Wolfgang Amadeus Mozarts. Wie bitte? Das geht? Das geht! Und wie!

Am Anfang stand dabei eine schier obskure Idee: Die aus Schweinfurt stammende Breakdance-Crew DDC bekam vom Berliner Opernregisseur und Dirigenten Christoph Hagel im Vorfeld des Würzburger Mozartfestivals vor vier Jahren den Auftrag, eine Breakdance-Show zur Musik Mozarts zu erschaffen. Schnell wurde klar: Der abwegig klingende Plan harmoniert. Wie gut, das weiß man heute noch weitaus besser als damals.

Der Klassik-Echo-Preisträger und die zweifachen Breakdance-Weltmeister aus Schweinfurt kombinierten einst erstmals Breakdance mit der Musik von Mozart in einer abendfüllenden Show – bereits vorher sammelten sie genre-grenzüberschreitende Erfahrungen, sind heutzutage auch zusammen mit Volksmusik-Legende Florian Silbereisen auf Tournee. Die jungen Tänzer & Tänzerinnen aus der Kugellagerstadt stellen sich der Herausforderung Mozarts und verbinden ihre Kunst auf einzigartige Weise mit der Musik des Wiener Wunderkindes. Die sieben Tänzer um ihren Frontmann Marcel Geissler begeistern bei ihren Auftritten mit ausgefeilten und temporeichen Choreografien zu klassischer Musik, die geschickt sämtliche Spielarten des Breakdance mit Elementen aus Hiphop, Urban Dance und Akrobatik vereinen. Was getrost zu vernachlässigen ist: Der Handlungsfaden der Verknüpfung. Den Reiz macht die Verbindung zweier völlig konträrer Genres aus. Mozart erklingt dabei im Original, live am Klavier interpretiert vom sich fein im Hintergrund haltenden Christoph Hagel, in Orchesterversionen und in modernen Hip-Hop-Bearbeitungen. Der besondere Reiz an „Breakin’ Mozart“: Sowohl Ideengeber und Regisseur Christoph Hagel als auch das Ensemble der „Dancefloor Destruction Crew“ sind überaus offen für Grenzüberschreitungen. So sucht die Breakdance-Crew immer wieder den Kontakt zu den traditionellen, über Jahrhunderte entstandenen Künsten, sei es nun klassische Musik oder europäischer Tanz. Der augenzwinkernde Charme ihrer Tanz-Shows brachte ihnen in den letzten Jahren zahlreiche Preise, sogar den zweimaligen Weltmeistertitel im Breakdance, ein. Christoph Hagel begeistert als Regisseur sein Publikum seit fast 20 Jahren mit Operninszenierungen an den ungewöhnlichsten Orten Berlins. Der Echo-Preisträger hatte schon reichlich Erfahrung mit ungewöhnlichen Mozart-Bearbeitungen, als er begann, dessen Werke mit Breakdance in Verbindung zu bringen. Dass die Stücke Mozarts dabei nicht nur „klassisch“, sondern auch als energiegeladene Hip-Hop­-Versionen erklingen, ist freilich ebenfalls Teil des Erfolgsrezepts. Wummernde Technobeats, Funky Mozart, Rockin’ Amadeus – selbst die berühmten Koloraturarien der Königin der Nacht aus der „Zauberflöte“ erklingen live gesungen zu einem Feuerwerk mit Breakdance. Insgesamt weit über 200 Mal konnte man das Erfolgsprogramm inzwischen am Berliner Wintergarten Varieté sehen, seit mittlerweile zwei Jahren tourt man durch den gesamten deutschsprachigen Raum – nach dem Gastspiel im Dezember jetzt erneut im Stadttheater in Fürth.

 

Fotocredits:
„Breakin‘ Mozart“, Foto © DPS-Photography
 

Andreas Bär
02.06.2017

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