Heimatkunde einmal anders

Die Stadt(ver)führungen in Nürnberg und Fürth verheißen heuer „Zeichen und Wunder“

Heimatkunde einmal anders

 Seine (Wahl-)Heimat neu erleben, die Stadt, die man tagtäglich durchschreitet, aus anderer Perspektive wahrnehmen und sich nicht nur treiben, sondern gleich verführen lassen. Das alles und noch mehr ermöglichen die Stadt(ver)führungen in Nürnberg und Fürth. Am Wochenende vom 22. bis 24. September locken 414 unterschiedliche Führungen zu den verschiedensten Themen Jung und Alt für ein Wochenende auch in die verborgensten Ecken und abgelegensten Gassen. Moderne Nürnberger Heimatkunde bringen hier bekannte Persönlichkeiten, Künstler, Stadtführer und sachkundige Bürger passgenau auf den Punkt. So wandeln beispielsweise Ewald Behrschmidt, Vizepräsident a.D. am Oberlandesgericht, Marion Grether, Direktorin des Museums für Kommunikation und Ellen Seifermann, Leiterin der Kunsthalle Nürnberg, auf den Spuren einflussreicher Machthaber und laden Sie zum Mitmachen ein.

Unter dem Motto „Zeichen und Wunder“ richtet das städtische Kulturreferat Deutschlands größten Führungsmarathon aus und bedient alle Sujets, die eine Stadt betreffen. Die ungeheure Bandbreite der gebotenen Führungen reicht von der Altstadt über abendliche Abenteuer sowie Kunst und Kultur bis hin zu Innovation und Technik.

Nach der offiziellen Eröffnung durch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Kuturreferentin Prof. Dr. Julia Lehrer sowie den Textilkünstler Prof. Hanns Verpich am 22. September um 15 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses beginnt das famose Führungswochenende sogleich mit zahlreichen Veranstaltungen. Planen oder nicht planen, das ist hier die Frage. Mit einer stringenten und personalisierten Planung erleben Sie möglichst viele Führungen und legen sich eine für Ihre persönlichen Interessen maßgeschneiderte Route fest. Lassen Sie sich einfach treiben und spontan verführen, lernen Sie unerwartet Neues kennen und erweitern möglicherweise Ihr Interessengebiet um Unbekanntes. Jede Vorgehensweise hat Ihre Vorteile und Sie, Sie haben die Qual der Wahl.

Erkunden Sie zunächst im Anschluss an die Eröffnung um 16 Uhr das Rathaus und betrachten die an der Fassade und im alten Rathaussaal angebrachten Zeichen, die vielfach eine Aufforderung für das Handeln der Ratsherren darstellten, oder besuchen Sie zur selben Uhrzeit lieber den Egidienberg? An Nürnbergs ältestem Kirchenort können Sie historische Kapellen und somit den Geheimtipp unter den städtischen Sehenswürdigkeiten ergründen.

Interessant und ein wenig schaurig mutet auch der Palmenhofbunker an, der samstags und sonntags jeweils um 14 und 15 Uhr besichtigt werden kann. Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Mittelfranken führen durch den historienträchtigen Ort, der dem Gauleiter von Franken und dem Oberbürgermeister während der fünftägigen Schlacht um Nürnberg als letzte Bastion diente.

Wer Abenteuer nicht nur in der Theorie hören, sondern selbst erleben will, sollte sich mit Rafts auf die Pegnitz und durch den Hochwasserstollen begeben. Samstag um 13, 14.30, 16 und 17.30 Uhr paddeln Interessierte bei dieser interaktiven Führung mit Schlauchbooten unter der Fleisch- sowie der Museumsbrücke hindurch, um schließlich den 140 Meter langen Stollen zu passieren.

Nach einer solch aufregenden Tour kann der Abend ganz romantisch mit einem Spaziergang über die schönsten Brücken und Plätze der Altstadt eingeläutet werden. Am Samstag um 19 Uhr laden vor allem der Hauptmarkt, die Fleischbrücke und der Kettensteg zum Flanieren ein, um sodann gemütlich in der Weißgerbergasse einzukehren. Wer tagsüber bereits genug Bewegung hatte, wählt die entspanntere Variante und lauscht einer erotischen Lesung. Von Ringen und Feigen, Amor und Küssen, Mond und Verführkünsten handelt die Reise durch erotische Lektüren vom Altertum bis zur Gegenwart, zu der das historische Spittlerforum am Freitag um 19 und 21 Uhr lädt. Mit etwas weniger Erotik und umso mehr Gefühl lassen sich die verführerischen Nürnberger Abende mit der Führung „Qualität im Wein fühlen statt schmecken“ begehen. Freitag von 19 bis 22 Uhr stündlich sowie Samstag um 19 und 20 Uhr werden hier zwei Weine eines Jahrgangs, eines Bodens, einer Rebsorte, jedoch unterschiedlicher Machart verglichen.

Zu kurz kommen sollen die Kleinen bei all der Erotik und dem Wein keinesfalls, gibt es doch zahlreiche Familien-Führungen. So beispielsweise die Historische Schnitzeljagd, die Jung und Alt sonntags von 11 bis 17 Uhr merkwürdige Spuren im Straßenpflaster erforschen und Kindermützen auf Kirchendächern hinterfragen lässt. Erforschen können Sie überdies ein Fachgebiet der Medizin. Entgegen des Klischees, nur Todesursachen aufzudecken, zeigt die Führung „Geheimnis Pathologie“ im Klinikum Nürnberg, dass sich die Disziplin hauptsächlich den Lebenden widmet.

Überdies erwarten Bratwurstspaziergänge, Proben der Nürnberger Symphoniker, Rundgänge über die Hallerwiese, Kirchenkrimis und spirituelle Abendspaziergänge die Besucher des Führungsmarathons.

Im Internet findet sich eine ausführliche Übersicht aller Angebote, um sich nach allen Regeln der Kunst von Fürth und Nürnberg verführen zu lassen.

 

Fotocredits:
Der Justizpalast, Foto © Uwe Niklas
Machtspiele im Kloster am Egidienberg, Foto © Uwe Niklas

Regina Littig
03.08.2017

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