Welttag der Poesie vs. Equal Pay Day

Fränkische Mundart von Fitzgerald Kusz, via Eichendorff

Welttag der Poesie vs. Equal Pay Day

Alle reden heute vom Equal Pay Day (der natürlich auch wichtig ist), aber wir erinnern uns auch daran, dass am 21. März landauf landab der Welttag der Poesie gefeiert wird, mit dem die UNESCO an den „Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern“ möchte.

 

Grund genug, hier zum Welttag der Poesie ein Exempel aus der Mundartlyrikwerkstatt von Fitzgerald Kusz zu bringen, zumal auch Kusz mit der Tradition spielt, indem er eines der bekanntesten Gedichte des Romantikers Eichendorff aufnimmt, variiert und fortspinnt.

 

Fitzgerald Kusz

frei nach eichendorff

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

J. v. Eichendorff

 

 

wenn in allerm ä gedichd schläifd

schläifds dann aa innerm bleischdifdschbidzä

emm füllfedähaldä oddä emm radiägummi?

wos drammd ä bleischdifdschbidzä

oddä ä füllfedähaldä wennä schläifd?

wos gäihd innerm radiägummi voä?

wos fiärä gedichd schläifd in imm?

wou bleibd es zaubäwodd?

 

ach, eichendorff!

 

Der im November 1944 in Nürnberg als Rüdiger Kusz geborene Autor von äußerst erfolgreichen Theaterstücken (Schweig, Bub!, 1976), von Drehbüchern und Gedichten ist als Sohn einer waschechten Fränkin und eines Berliner Opernsängers in Forth aufgewachsen, jetzt ein Ortsteil der Marktgemeinde Eckental im Landkreis Erlangen-Höchstadt. An der Friedrich-Alexander-Universität studierte Kusz Anglistik und Germanistik. Die eigentliche Uni aber, sagt er, „war für mich die Studentenbewegung: Basisgruppe Anglistik und Germanistik!“. Um 1966 herum entstanden die ersten Gedichte, hochdeutsche Pop-Poesie zunächst, der von 1970 an solche in Mund-Art, analog zur Pop-Art, folgten. Im Jahr darauf stand das Staatsexamen an, das erste Buch erschien bei Maro (Wunschkonzert). Bis 1982 arbeitete Kusz als Lehrer an einer Nürnberger Schule.

 

Der bislang letzte Gedichtband von Fitzgerald Kusz kam vor anderthalb Jahren in Norbert Treuheits ars vivendi verlag in Cadolzburg heraus. Der Titel – Zwedschgä – ist eine Allusion an die „plums“ des (nicht nur) von Kusz bewunderten Dichterarztes William Carlos Williams, die in „This Is Just To Say“ verspeist werden: „Forgive me / they were delicious / so sweet / and so cold“. Und Fitzgerald rührt von Kusz’ Spitznamen Fitz, den er 1962 auf dem Gymnasium bekam wegen seiner damaligen Ähnlichkeit mit John Fitzgerald Kennedy.

 

Copyright Foto: © Julian Kusz

Jürgen Gräßer
21.03.2014

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