töpfermuseum thurnau wieder geöffnet

sonderausstellung zeigt musikinstrumente aus ton

töpfermuseum thurnau wieder geöffnet

Die Verarbeitung von Ton und Lehm zählt zu den ersten nachgewiesenen Handwerkskünsten, die mit der menschlichen Kultur in Verbindung stehen. Die frühesten in Europa gefundenen Keramikfiguren sind über 24 000 Jahre alt. Die interessante Herstellungsgeschichte von Keramik über die Jahrhunderte hinweg lässt sich im Töpfermuseum Thurnau in Augenschein nehmen, das am 13. April nach einer intensiven Sanierungsphase erneut seine Tore öffnet.

 

Das Töpfermuseum im historischen oberfränkischen Töpfereizentrum Thurnau ist in einer einstigen Lateinschule untergebracht, die im Jahre 1552 gegründet wurde. Das ehemalige Schulgebäude besitzt noch heute die im 16. Jahrhundert entstandene und gut erhaltene Renaissance-Fassade. Das Töpfermuseum  wurde durch den Keramiker und Kunstmaler Günther Stüdemann und seine Frau Luise gegründet. Der Künstler sammelte ein halbes Jahrhundert lang Töpferereierzeugnisse, Dokumente und Bilder. Sein Ziel war es, die Töpfertradition des Ortes und der Region zu dokumentieren und diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Günther Stüdemann selbst konnte die Eröffnung des Museums im Dezember 1982 nicht mehr miterleben. Er starb 1981, ein Jahr vor Eröffnung des ersten Bauabschnitts.

 

Das Museum wurde nun ein halbes Jahr lang in sechs Bauabschnitten grundsaniert, umgestaltet und dem neuen Zweck angepasst. Dem traditionsreichen Handwerk wird jetzt ein modernisierter und aktualisierter Ausstellungsrahmen geboten. In dem Gebäude, neben dem Schloss und der Laurentius-Kirche gelegen, finden Museumsbesucher nun Medien- und Mitmachstationen, eine Tonwerkstatt und einen museumspädagogischen Bereich. Den Besuchern wird somit die Möglichkeit gegeben, die Kunst des Töpferns mit allen Sinnen zu erfahren.

 

Dass die Sammlung auch mittel- und langfristig gut untergebracht ist, dafür sorgen eine energieeffiziente Niedrigtemperatur-Wandsockelheizung, ein ausgefeiltes Trockenlegungs- und Lüftungssystem im Gewölbekeller und ein Depot im Dachgeschoss. Durch deren Einsatz kann  eine optimale Lagerung der Exponate gewährleistet werden. Auch für Sonderausstellungen ist im Töpfermuseum jetzt mehr Platz. Zukünftig können Besucher zweimal jährlich Ausstellungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten aus Kunst, Kultur und natürlich Keramik in zwei zusammenhängenden großen, hellen Räumen erleben.

Die erste Sonderausstellung „Der Ton macht die Musik“ aus dem belgischen Raeren befasst sich mit Ton als Material zur Herstellung von Klangobjekten und Musikinstrumenten. Sie zeigt eine enorme Vielfalt an verschiedenen keramischen Klangelementen. Im Mittelpunkt der seit 2003 erfolgreich durch Europa reisenden Wanderausstellung steht die jahrhunderte alte Tradition der Herstellung von getöpferten Instrumenten, die eine große Variation an verschiedensten Formen und Klangmöglichkeiten aufweisen.

 

Auf ihrer Reise gastierte die Töpferausstellung unter anderen bereits im Museum für Schöne Künste in Castellón (Spanien), im Heimatmuseum von Heiligenhafen (Schleswig-Holstein) sowie im Töpfereimuseum der niedersächsischen Samtgemeinde Duingen. Seit 2008 gehört die Sammlung zum Bestand des Töpfereimuseums im belgischen Grenzort Raeren und macht nun von Mitte April an in Thurnau Station. In der volkskundlichen Ausstellung sind mehr als 200 historische und zeitgenössische Musikinstrumente und Klangobjekte aus ganz Europa zu bestaunen. Auch zahlreiche Abbildungen und Texttafeln erzählen davon, dass Töpfer in ganz Europa nicht nur Gefäße, sondern auch viele Musikinstrumente aus Ton hergestellt haben.

 

Es ist eine enorme Vielfalt an Ausstellungsobjekten verschiedener keramischer Klangelemente, die sich den Besuchern des Töpfermuseums Thurnau eröffnet. In der Sonderschau werden die Instrumentengruppen und deren Eigenarten bei der Tonerzeugung erklärt. Das Spektrum der Exponate reicht von Blas- bis hin zu Schlag- und Perkussionsinstrumenten. Die Ausstellung umfasst verschiedenste Mittel zur Klangerzeugung, von Pilgerhörnern und Narrenflöten über Rummelpötte bis hin zur Okarina, einer erstmals in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Italien angefertigten Gefäß- oder auch Kugelflöte.

Schülern wird ein spannendes museumspädagogisches Begleitprogramm zur Ausstellung geboten. Kinder und Jugendliche können unter anderem beim Basteln von Trommeln aus Blumentöpfen viel Wissenswertes zum Thema tönerne Klangobjekte erfahren.

Die Ausstellung ist bis zum 31. August 2014 im Töpfermuseum Thurnau (im Zentrum von Thurnau, gegenüber von Schloss und Kirche) zu sehen. Das Museum ist Dienstag bis Freitag von 14 Uhr bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Montags bleibt das Museum geschlossen. Führungen durch das Museum und die Sonderausstellung sind jederzeit nach Vereinbarung möglich.

 

Und wer beim Besuch des Museums auf den Geschmack gekommen ist, der ist eine Tür weiter bestens aufgehoben. Direkt neben dem Töpfereimuseum befindet sich die Töpferei am Museum, die unter dem Motto „Schöne Keramik für Garten und Terrasse“ eine eigene Ausstellung für käufliche Töpferwaren veranstaltet. Das Angebot reicht von Tierfiguren über Rosenkugeln bis hin zur Planzengefäßen und Sitzbänken aus Keramik. Diese Ausstellung ist am Samstag, dem 26.04.2014 und Sonntag, 27.04.2014 jeweils von 11:00 Uhr bis 17:00 für interessierte Besucher geöffnet. 

 

Copyright Foto: © Töpfermuseum Thurnau

Lenia Gunreben
08.04.2014

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