Musikalische Urgesteine, „Junge Streichhölzer“ und Cross-Over-Wagnisse

Frankens Symphonieorchester versprechen einen fulminanten Auftakt zur Konzertsaison 2017/18

Musikalische Urgesteine, „Junge Streichhölzer“ und Cross-Over-Wagnisse

 Die Bamberger Symphoniker sind bereits am 20. September mit Konzerten unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrusa in die Saison gestartet und warten am 13. Oktober mit einem Bruckner-Programm auf: Neben einem Orgelwerk erklingt die selten gespielte 2. Symphonie c-moll unter der Leitung Thomas Dausgaards. Eine Woche später wird der Gewinner der „Mahler-Competition 2016“, Kahchun Wong, ein Tschaikowsky-Programm dirigieren. Gegen Ende des Monats kehrt Hrusa gleich zweimal zurück ans Chefpult im Joseph-Keilberth-Saal und dirigiert Böhmisches (Smetana und Dvorák) und das Violinkonzert von Jean Sibelius, in dem die große Viktoria Mullova Solistin ist. Am 5. November stehen Rachmaninows 2. Symphonie und Schostakowitschs 1. Violinkonzert mit dem Dirigenten Nicholas Collon und dem Geiger Ilian Garnetz auf dem Programm. Etwas Besonderes bieten die Konzerte vom 17. bis 19. November, wenn Manfred Honeck eine „Slam Symphony“ zu Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ präsentiert, ergänzt natürlich um das Original und weitere Werke von Bruch, Dvorák und Mahler sowie um eine Zugabe aus der Reihe „Bis“ von Thomas Daniel Schlee.

Das Philharmonische Orchester des Landestheaters Coburg begann seine Konzertsaison gleich nach Ferienende mit einem ‚Concertino’ und einer Stunde Klassik am 16. September, zwei Tage später gab es bereits das erste Symphoniekonzert. Am 14. (in Sonneberg) und 16. Oktober (im Konzerthaus Rosengarten) erklingt das 2. Sinfoniekonzert mit Werken von Haydn, Weber und Poulenc. Am 4. November wird ein „Mitmachkonzert - Zukunftsmusik“ angeboten, am 11. und 13. des Monats folgt das 3. Sinfoniekonzert mit einem rein slawischen Programm (Dvorák und Rachmaninow).

Der gVe Erlangen lädt in seiner Konzertreihe während der beiden ersten Saisonmonate gleich vier verschiedene Orchester ein, angefangen natürlich mit der Bayerischen Staatsphilharmonie als Stammgast (22. Oktober). Am 8. November kommt der Wiener Concert-Verein nach Erlangen, u.a. mit Beethovens 2. Klavierkonzert im Gepäck, das Gerhard Oppitz interpretieren wird. Außerdem gastieren die Staatskapelle Halle (am 14. November mit dem Pianisten Herbert Schuch) und Ende des Monats die Französische Kammerphilharmonie (ebenfalls mit einer renommierten Pianistin, nämlich Lise de la Salle) beim Gemeinnützigen Konzertverein Erlangen.

Bei den Hofer Symphonikern heißt es zu Beginn der Konzertsaison „Freude, Glück, Genuss – Faszination Musik“, und am 29. September geht es dann auch gleich los mit dem 1. Symphoniekonzert, das die Überschrift „Romantisch.Lyrisch.Emotional“ trägt. Der Pianist Lars Vogt spielt Chopins erstes Klavierkonzert e-moll und dirigiert Symphonisches von Brahms und Lutoslawski. Im 2. Konzert am 20. Oktober interpretiert der „Conductor in Residence“ Hermann Bäumer unter dem Motto „Erinnerung.Abschied“ Haydns originelle Abschiedssymphonie und Mahlers „Lied von der Erde“, in dem Gerhild Romberger und Dominik Wortig die Sologesangspartien übernehmen. Der November wartet mit einem „Musikalischen Glaubensbekenntnis“ auf, wenn es am 10. des Monats um Mendelssohns „Reformationssymphonie“ geht und dazu John Coriglianos „Elegy für Orchester“ sowie Erich W. Korngolds Violinkonzert D-Dur op. 35 erklingen. Es dirigiert wiederum Hermann Bäumer, die Geige spielt Carolin Widmann.

Die Staatsphilharmonie Nürnberg beginnt ihre letzte Saison unter dem scheidenden Generalmusikdirektor Marcus Bosch am 13. Oktober unter dem eigenartigen Motto „Im Kasten“, aber das hat seine besondere Bewandtnis: Mit der Aufführung und Aufnahme der 2. Sinfonie B-Dur Antonin Dvoráks haben die Philharmoniker alle Sinfonien des böhmischen Komponisten „im Kasten“. Außerdem erklingt Sergej Prokofjews 2. Klavierkonzert g-moll mit Martina Filjak als Solistin. Das 2. Philharmonische Konzert findet am 10. November statt – natürlich wie immer in der Meistersingerhalle – und steht unter dem Leitwort „Glaubensfragen“. Geboten wird nämlich, am gleichen Tag wie in Hof, Felix Mendelssohn-Bartholdys 5. Sinfonie d-moll, also die „Reformationssymphonie“, die so genannt wird, weil sie mit der Weise zu „Ein feste Burg“ endet. Als Kontrast dazu, aber auch als sinnvolle Ergänzung, steht Leonard Bernsteins 3. Sinfonie mit dem Beinamen „Kaddish“, deren Inhalt sich auf einen der wichtigsten jüdischen Gebetstexte bezieht.

Bei den Nürnberger Symphonikern steht nach dem Weggang von Alexander Shelley auf dem Chefdirigentenposten der Wechsel zu Kahchun Wong an, der im März auch sein Vorstellungskonzert geben wird. In der Zwischenzeit stehen diverse Gastdirigenten und –dirigentinnen am Chefpult. Startschuss war schon am 16. September unter der Überschrift „Tradition und Umbruch“, als das pianistische Urgestein Menahem Pressler mit über 90 Jahren nochmals nach Nürnberg kam. Beim 2. Sinfoniekonzert eine Woche später war die Violine das Soloinstrument, beim dritten Konzert am 7. Oktober wird es eine eher seltene Begegnung mit der Posaune geben. Christian Lindberg spielt und dirigiert sein eigenes Posaunenkonzert „Golden Eagle“. Wieder eine Woche drauf lautet die Devise „Let’s Dance“, und das Saxophon wird dem Tango-Tanz einheizen. Zum Reformationsfest erklingt Mendelssohns sich darauf beziehende 5. Symphonie, im November wird’s dann revolutionär, denn pünktlich zum 100. Jahrestag der Russischen Revolution steht Schostakowitschs sich auf diese Ereignisse beziehende 12. Symphonie auf dem Programm. Auf besonderes Interesse bei allen Cross-Over-Fans dürfte das Konzert am 18. November unter dem Motto „Symphoniker meet Max Mutzke“ stoßen. Dessen bekannteste Songs sind in brillanten symphonischen Arrangements von Enrique Ugarte zu hören.

Das Philharmonische Orchester Würzburg wartet zu Beginn seiner Konzertsaison am 19./20. Oktober (im Saal der Hochschule für Musik) mit wahren „Schlachtrössern“ des Repertoires auf, nämlich Peter Tschaikowskys 6. Sinfonie „Pathétique“ und dessen erstem Klavierkonzert in b-moll, das der pianistische Lokalmatador Würzburgs, Bernd Glemser, spielen wird. GMD Enrico Calesso steht auch beim 2. Sinfoniekonzert am Dirigentenpult, das am 9./10. November in der St. Johanniskirche stattfindet. Der Grund für den sakralen Ort: Ludwig van Beethovens „Missa Solemnis“ kommt zur Aufführung, wobei der Chor und der Extrachor des Mainfranken Theaters Würzburg hinzustoßen.

Auch Konzertvereine und Theater ohne eigenes Orchester veranstalten Symphoniekonzerte auf Einladungsbasis. Das Stadttheater Fürth beginnt sein reichhaltiges Konzertprogramm am 27. Oktober mit den Stuttgarter Philharmonikern und Christian Zacharias als Solist. Am 7. November folgen die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Nicholas Collon, kurz darauf die „Jungen Fürther Streichhölzer“, ein ganz besonderes jugendliches Sinfonieorchester, das Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufführt. Im Theater Schweinfurt kann man am 1. Oktober die hohe Kunst des Schlagzeugers Martin Grubinger bewundern, der von der Philharmonie Südwestfalen begleitet wird. Die Bamberger Symphoniker treten am 14. Oktober unter dem Dirigat Thomas Dausgaards auf. Bei den Kulturfreunden Bayreuth gastiert am 12. November das Stuttgarter Kammerorchester, im Dezember kommen ebenfalls die Bamberger Symphoniker.


Fotocredits:
Nürnberger Symphoniker, Foto © Torsten Hönig

 

Martin Köhl
04.10.2017

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