Stelldichein der jungen pianistischen Exzellenz

Zum 15. Male geht es in Bad Kissingen auf den „Klavierolymp“

Stelldichein der jungen pianistischen Exzellenz

 Zu den „Formaten“ mit durchschlagendem Erfolg gehört im Bad Kissinger Festivalreigen seit Jahren der „Klavierolymp“. Dieser klavieristische Durchlauferhitzer hat schon manche Talente sicht- und hörbar gemacht, auf deren Entdeckung man sonst vielleicht noch hätte warten müssen. Allerdings sind alle Teilnehmer bereits bei diversen Wettbewerben erfolgreich gewesen, das gehört zu den Voraussetzungen. Die 15. Edition findet heuer vom 5. bis 8. Oktober statt, und dann gilt es einmal mehr, den Klavier-Olymp zu erobern – durch die Klaviergötter der Zukunft. Sechs junge Pianistinnen und Pianisten aus vier Ländern treten diesmal an. Verlierer wird es keine geben, denn alle Kandidaten werden beim darauffolgenden „Kissinger Sommer“ auftreten können. Mitschnitte des Bayerischen Rundfunks dürften für ihre weitere Karriere hilfreich sein.

Den Anfang macht am Jean-Paul Gasparian am 5. Oktober mit Werken von Mozart, Rachmaninow, Prokofiew und Avner Dorman. Der 1995 in Paris geborene Pianist studierte am Conservatoire National seiner Heimatstadt, absolvierte mehrere Meisterkurse bei namhaften Virtuosen und kann auf eine Reihe von Wettbewerbsgewinnen zurückschauen. Tags drauf, ebenfalls im schönen Ambiente des Rossini-Saals, ist Luisa Imorde zu hören, die 1989 in Wiehl geboren wurde und in Köln und Salzburg studierte. Auch sie ist bereits Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe. Von sich reden machte sie u.a. durch die Erstaufführung zweier Klavierkonzerte von Elliott Carter und die Aufführung von Jörg Widmanns Klavierkonzert „Trauermarsch“.

Am Samstag werden gleich drei weitere „Olympier“ präsentiert. Morgens um 11.00 Uhr ist Emre Yavuz dran, ein 1990 in Izmir geborener türkischer Pianist, der zunächst in Ankara und dann bei Karl-Heinz Kämmerling in Hannover studierte. Der Gewinn von fünf Preisen bei Wettbewerben steht auf seiner Erfolgsliste. Er spielt Werke von Scarlatti, Beethoven und Rachmaninow sowie Zeitgenössisches. Nachmittags um 15.30 Uhr begibt sich Kiveli Dörken aus Düsseldorf an die Tasten, die ebenfalls bei Kämmerling als Hochbegabte studieren durfte, nach dessen Tod bei Lars Vogt. Sie war 2000 jüngste Preisträgerin beim „Internationalen Steinway Wettbewerb“, Gast bei europäischen Festivals und ist Klavierpartnerin renommierter Kammermusiker wie Christian Tetzlaff oder Sharon Kam. Werke von Beethoven, Schumann und Widmann stehen auf ihrem Programm.

Abends um 19.30 Uhr ist der 1996 geborene Viktor Soos dran mit Werken von Beethoven, Brahms, Boulez und Liszt. Er kommt aus Backnang und hat zunächst an der Musikhochschule Stuttgart, dann als Jungstudent an der Musikhochschule in Frankfurt studiert. Seine Konzerttätigkeit führte ihn ins europäische Ausland und nach Übersee sowie zu angesagten Festivals. Der letzte im Pianistensextett ist am Sonntagvormittag Sergei Redkin, der 1991 in Krasnojarsk geboren wurde und in St. Petersburg studierte. Er gewann Preise u.a. bei den nach Chopin, Paderewski, Tschaikowsky und Prokofjew benannten Wettbewerben. Auf seinem Programm stehen Werke von Beethoven, Schubert, Liszt, Prokofjew und Kapustin. Beim abendlichen Abschlusskonzert am 8. Oktober werden alle Teilnehmer nochmals zu hören sein, anschließend erfolgt die Bekanntgabe des Jury- und Publikumspreises.

 

Fotocredits:
Jean-Paul Gasparian, Foto © Jean-Baptiste Millot

Martin Köhl
04.10.2017

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