Mehr als nur ein Geheimtipp

Das Nürnberg.Pop ist weit mehr als „nur“ ein Club-Festival

Mehr als nur ein Geheimtipp

 Es ist wieder Zeit: Zum mittlerweile siebten Mal heißt es in der Nürnberger Klarastraße: Zeit für Nürnberg.Pop. Am 28. Oktober findet das schmucke Festival statt. Und damit eines der heimlichen Highlights des Nürnberger Herbstes.

Wäre die Klarastraße in Berlin oder München beheimatet, sie wäre längst einer der Hotspots der Trendsetter-Städte der Republik. So ist „die Klara“, wie sie von den Einheimischen gerne genannt wird, „nur“ in der Mittelfranken-Metropole. Was nichts daran ändert, dass das kleine Gässchen mit seinen, Tür an Tür befindlichen, Clubs mehr als nur ein Geheimtipp von Hipstern, Partygängern und Genießern der Region ist. Und einmal im Jahr geht der Geheimtipp steil: dann, wenn das Nürnberg.Pop-Festival auf dem Programm steht – inzwischen mehr als nur ein Szene-Treff.

Das größte nordbayerische Club-Festival, manch einer definiert es gar als größtes Süddeutschlands, ist grenzüberschreitend zu einem echten Knaller geworden. Kein Geheimnis, dass die Veranstalter auch in diesem Jahr wieder mit ausverkauften Festivalbändern rechnen. Die beinhalten einiges mehr als nur den Besuch der Club-Konzerte am eigentlichen Festivaltag. Die Woche vor dem Sahnestückchen des Herbstes, von Montag, 23. bis Freitag, 27. Oktober, rufen die Macher des Festivals zur „Kulturwoche“ aus. Alle Ticketinhaber für Nürnberg.Pop kommen in den Genuss von Vergünstigungen für Konzerte, Theaterstücke, Kinofilme und Ausstellungen. Die Festivalbänder sind ab dem 23. Oktober exklusiv im Ticketshop vom KunstKulturQuartier (Kulturinfo, Königstraße 93) zu bekommen. Warum schon ab 22. Oktober, wenn die Tickets erst am 23. zu haben sind? Ganz einfach: Am Montag startet die Woche mit dem Eröffnungskonzert, das nicht in dem eigentlichen Ticket enthalten ist. Der Opener ist dabei einer der ganz speziellen Sorte. In Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg präsentieren die drei Macher um David Lohdi im Schauspielhaus Tom Schilling & The Jazz Kids und A tale of golden Keys.

Mit ihrem seichten Pop startete die Nürnberger Combo nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums 2015 raketenartig durch, avancierte zum Liebling der Musikkritiker, nachdem sie schon einige Jahre vorher nach dem Gewinn eines Bandcontest 2011 bei Rock im Park einen ersten bemerkenswerten Auftritt verzeichneten. 2016 erhalten die bei der Verleihung des Nürnberger Kulturpreises ein „Nürnberg Stipendium“, das gleichermaßen Würdigung ihrer bisherigen Arbeit und Antrieb, neue Songs zu schreiben, ist. Die Band um Sänger Hannes Neunhoeffer, Bassist Florian Dziajlo und Schlagzeuger Jonas Hauselt ist dafür bekannt, sich für besondere Gelegenheiten besondere Dinge einfallen zu lassen – für Spannung ist gesorgt. Das trifft freilich auch auf Tom Schilling und seine Jazz Kids zu. Dass der eigentlich als Schauspieler bekannte Sänger sein neues Metier beherrscht, bewies er im Vorjahr im Erlanger E-Werk zur Genüge: Am Ende eines gutbesuchten Konzertabends entließen ihn Anhänger und Neugierige mit langanhaltendem Applaus aus der Kellerbühne. Insgesamt 500 Tickets sind für das Eröffnungskonzert zu haben – und man darf davon ausgehen, dass die Hütte auch da schon voll sein wird.

Fünf Tage später entwickelt sich die südliche Nürnberger Altstadt in eine Flaniermeile voller Musik, Kunst und kulinarischer Köstlichkeiten, nimmt man die Erfahrungen der Vorjahre als Maßstab. In mehr als 20 Spielstätten von Museum über Kirche bis Szeneclub oder Eckkneipe treten über 50 Künstler und Künstlerinnen auf. Darunter neben etablierten Genre-Größen auch der ein oder andere spannend zu beobachtende Geheimtipp. „Im Rausch der Musik – Das Festival „Nürnberg Pop“ ist eine echte Fundgrube“, schrieb die Süddeutsche Zeitung einst über das aufkommende Musikspektakel – mehr salbungsvoller Worte bedarf es eigentlich gar nicht, finden die wohl größten Kritiker der Republik solche Lobeshymnen für angemessen. Daran wollen sich die Veranstalter, die sich einst das legendäre „Reeperbahn Festival“ aus Hamburg als Vorbild nahmen, messen lassen. Und sie bestehen die Kraftprobe alle Jahre wieder. Mit einem fast schon elitären Stil-Mix. Von Rapper Johnny Rakete über Jesse James & the Blue Flames, die Hip Hop mit psychadelischem Rock kombiniert auf die Bühne bringen bis hin zu Gurr, zwei Berliner Pop-Rock-Girls, und einigen Lokalmatadoren wie die Indie-Poper Parabelflug und Sorry James. Die versprechen eines der Glanzlichter zu werden: Zwischen den Foo Fighters und Biffy Clyro beheimatet rockt die Nürnberger Band seit inzwischen sechs Jahren in der Region und hat schon so manchen Galaauftritt absolviert. Den Status des lokalen Geheimtipps haben Leyya längst hinter sich. Das österreichische Trip-Hop-Duo aus Wien startete im Vorjahr komplett durch, avancierte als erste Band der Alpenrepublik zu einer Top 10-Band der meistgebuchten Newcomer Europas. Man darf gespannt sein, was die Klara noch für Überraschungen in der Pipeline hat. Am Ende wird es sein wie immer: Wenn in den frühen Morgenstunden die letzten Akkorde erklingen, dann hat die Klarastraße zumeist nicht nur die Herzen, sondern insbesondere die Ohren der Besucher erreicht. Auch wenn das Motto eigentlich ja lautet: Nuremberg in your heart!

 

Fotocredits: Lilly Among Clouds, Foto © Katja Ruge

Andreas Bär
08.10.2017

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