Wenn das E-Werk groovt und swingt…

Beehren renommierte Künstler den Erlanger Jazz-Herbst

Wenn das E-Werk groovt und swingt…

 Ganz neu ist der Weg der E-Werk-Macher nicht. Aber spannend. An drei Abenden werden hochkarätige Jazz-Musiker auftreten. Eröffnet wird der Jazzherbst am 4. Oktober von Omer Klein, am 3. und 30. November werden mit Rebekka Bakken und Bugge Wesseltoft zwei prägende Figuren der norwegischen Jazz-Bewegung auf der Bühne stehen.

In den 70er-Jahren war Norwegen Geheimtipp des Jazz. Angeführt vom Saxophonisten Jan Garbarek (der am 15. Dezember in Helmbrechts spielt) entwickelte sich das Land zu einem trendgebenden Völkchen. Lange kam nichts, ehe das Genre die nordischen Staaten wiedereroberte.

Neben Garbarek-Tochter Anja steht Bugge Wesseltoft im Fokus. Mit seinem Label Jazzland öffnete er Türen. Drehscheibe für die Aktivitäten bildet der Club Bla in Oslo, norwegisches Äquivalent zur Knitting Factory in New York. Als Mastermind war der 53-Jährige unverzichtbarer Bestandteil. Er war derjenige, der jazzige Elemente mit E-Musik in Einklang brachte und immer wieder den Weg hinter sein Klavier fand, mit dem er die akustische Seite des Jazz wieder salonfähig machte. Der Pianist gilt als der innovativste Jazz-Musiker der Neuzeit: Sein experimenteller Stil sucht weltweit seinesgleichen. Getauft hat er den ganz persönlichen Sound „New Conception of Jazz“ – mit seinem Steinway kreiert er atmosphärische Schönheit, melodisch und klanglich höchst individuell. Egal was er anpackt, lyrisches und melodisches Pianospiel auf höchstem Niveau ist garantiert. Kein Wunder, dass er die Zusammenarbeit mit Norwegens Jazz-Wegbereiter Jan Garbarek suchte. Und auch mit seiner Landsfrau Rebekka Bakken machte Wesseltoft, der am 30. November um 20 Uhr auf der Erlanger Bühne steht, schon gemeinsame Sache.

International gilt Bakken als eine der besten Sängerinnen und Songwriterinnen ihrer Generation. Obwohl sie immer wieder mit Weltstars aus dem modernen Jazz zusammenarbeitet, sieht sie sich dem Pop und Folk zugewandt. Was den Bogen zu Wesseltoft spannt. Mit ihm arbeitete sie 2003 zusammen.

Dass den Kreativkopf die Zusammenarbeit mit der unzählig preisgekrönten 47-Jährigen reizte, verwundert nicht. Schließlich gilt die Schönheit als eine der Stimmen Europas. Davon überzeugen kann sich das Publikum am 3. November. Dann lässt sie eintauchen in ein musikalisches Meer voller unentdeckter Tiefen: Die Bandbreite des Bakkenschen Gesanges ist nicht nur wegen der drei Oktaven umfassenden Stimme faszinierend.

Wie Bakken ist Omer Klein einer, der (für sein Trio-Album „Fearless Friday“) für den ECHO Jazz nominiert war. Klein und seine Mitstreiter des Trios gelten in Jazzkreisen als meinungsbildende Kombo. Davon überzeugen konnte sich das Publikum beim NUE JAZZ Festival in Nürnberg vor einem Jahr.

Im Alter von 16 Jahren schon begann der heute 35-Jährige seine Karriere. Mit 23 Jahren zog es ihn nach Boston, ehe er in New York als Schüler von Fred Hersch zu einer treibenden Szenekraft avancierte. Der inzwischen in Düsseldorf beheimatete Steinway-Pianist hat sich seinen Namen in der Szene gemacht. Und hat mit seinem neuen Album Sleepwalkers einen Meilenstein geschaffen.


Fotocredits:
Omer, Foto © Alexander Heil

Andreas Bär
06.10.2017

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