Eine „Tosca“ als Qualitätsbeweis

Das Coburger Landestheater verspürt politischen Gegenwind, aber begeistert mit seiner Arbeit

Eine „Tosca“ als Qualitätsbeweis

 Kürzlich sorgte eine eigenartige Koalition Coburger Kommunalpolitiker für einen Eklat, als die bereits feststehende Interimslösung für die Zeit der grundlegenden Sanierung des Landestheaters in Frage gestellt wurde. Man solle, so hieß es, „auf eine temporäre Spielstätte“ verzichten und das Landestheater „an wechselnden Spielorten überdauern“ lassen. Dass es diese in Coburg gleich für zwei Sparten gar nicht gibt, nämlich das Ballett und das Musiktheater, erweckt den Eindruck, dass die Initiatoren den heimlichen Wunsch hegen, die vierjährige Interimszeit werde diese beiden Sparten auf elegante Art verschwinden lassen. Denn wenn die Tänzer und Sänger mangels Arbeit erst einmal in die Wüste geschickt wurden, dürfte die Beschränkung auf ein Haus mit nur einer Sparte, also dem Sprechtheater, nahe liegen.

Offensichtlich sind sich manche Politiker gar nicht bewusst, dass Coburg in kultureller Hinsicht nur über ein Leuchtturmprojekt verfügt, eben das Landestheater. Abgesehen von der enormen Umwegrentabilität dieses traditionsreichen und höchst angesehenen Dreispartenhauses sollte wieder ins Bewusstsein rücken, dass eine Stadt mit anspruchsvollen Arbeitsplätzen auch in kultureller Hinsicht attraktiv sein muss für anspruchsvolle Arbeitnehmer. Kita-Plätze sind wichtig, aber nicht alles. Man stelle sich nur Bamberg vor ohne seine Symphoniker oder Würzburg und Hof mit einem Schmalspurtheater…

Wie eine deutliche Antwort auf diese nach kultureller Abwicklung riechenden Ideen wirkte hingegen die Spielzeiteröffnung am Landestheater, die am zurückliegenden Samstag die Premiere einer neuen „Tosca“ Giacomo Puccinis präsentierte. Hans Walter Richter sorgte für eine rundum überzeugende Inszenierung, die u.a. auf einem sehr wirkungsvollen Bühnenbild (Bernhard Niechotz) fußte. Roland Kluttig oblag die inspirierende musikalische Leitung, das Orchester wartete mit einer fulminanten Darbietung auf, und das Sängerensemble war schlichtweg exquisit.

Die Hauptrollen waren mit Celeste Siciliano (Floria Tosca), Milen Bozhkov (Mario Cavadarossi) und Michael Lion (Barone Scarpia) bestens besetzt, auch Felix Rathgeber als Mesner konnte besonders gefallen. Insgesamt wurde diese Eröffnung der neuen Saison des Landestheaters zu einem faszinierenden Abend, der einhellig und lange andauernd bejubelt wurde. Eine bessere Antwort auf die derzeitigen Störmanöver hätte sich das Ensemble kaum ausdenken können!

 

Copyright Foto: Landestheater Coburg, Großes Haus - Innenansicht © Andrea Kemper

Martin Köhl
02.10.2017

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