Ein Hort unterfränkischer Kunst- und Kulturgeschichte

Das mainfränkische Museum in Würzburg

Ein Hort unterfränkischer Kunst- und Kulturgeschichte

 Hoch über Würzburg auf der Festung Marienberg gelegen, befindet sich das Mainfränkische Museum. Seit nunmehr 101 Jahren (1913 kam es zur Gründung des „Fränkischen Luitpoldmuseums“, seit 1939 trägt es den heutigen Namen) ist es ein Hort für die Kunst- und Kulturgeschichte, wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf Würzburg und Unterfranken liegt. Die Exponate reichen von der Vor- und Frühgeschichte (etwa mit Funden aus der Altsteinzeit) bis hinein ins 19. und 20. Jahrhundert. Sie sind untergebracht im zwischen 1709 und 1712 errichteten Zeughaus und in der Echterbastei, die auf 1605/1606 datiert.

Die Sammlungen zählen zu den wahrhaft bedeutenden im Freistaat. Sie sind von hohem Stellenwert und arg umfangreich. Und das, obgleich dem Bombenangriff auf die Stadt am 16. März 1945 ein Großteil des Bestandes zum Opfer fiel und auf immer verloren ging. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das Museum nämlich in einem ehemaligen Gebäude der Julius-Maximilians-Universität in der Maxstraße beheimatet. Erst mit dem Neubeginn 1947 zog das Museum in die Echterbastei und das Zeughaus auf der Marienberg-Festung. Bei dem Bombenangriff verbrannte auch das Museumsinventar, also die Bestandskartei. Noch heute ist man sich über das ursprüngliche Inventar ungewiss.

Eine besondere Anziehungskraft auf die Besucher strahlt vom Riemenschneider-Saal aus, der die weltweit umfassendste Sammlung von Werken des illustren spätgotischen Meisters aus Würzburg und seines Kreises beherbergt. Tilman Riemenschneider, der zwischen 1485 und 1531 in Würzburg eine große Werkstatt betrieb, gilt als der bedeutendste Bildschnitzer und Bildhauer der deutschen Spätgotik. Er schuf beispielsweise die Flügelaltäre in Münnerstadt und Creglingen und fertigte Steinfiguren für die Würzburger Marienkapelle und das Kaisergrab im Bamberger Dom. Anhand von etwa 80 Reliefs, Skulpturen und weiteren Exponaten kann man sich einen Überblick über das vielfältige Wirken Riemenschneiders verschaffen.

Die Figuren von „Adam und Eva“ gestatten einen Blick auf die Zeitenwende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Sie waren Riemenschneiders erster öffentlicher Auftrag in der Stadt, geschaffen für das Marktportal der Marienkapelle, und legten den Grundstock für die Wertschätzung des Bildhauers. In einem zeitgenössischen Sitzungsprotokoll heißt es, sie seien „kunstlich meysterlich vnd zirlich“ gemacht. Die Aktfiguren kommen unschuldig daher, tragen sanfte Gesichtszüge und sind der Welt entrückte Idealgestalten – ein Musterbeispiel für Riemenschneiders Kunst.

Zu den Kostbarkeiten auf der Festung Marienberg zählen außerdem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, etwa, quasi als Gegenüber zu Riemenschneider, „Adam und Eva“, in Öl, entstanden zwischen 1513 und 1515, oder Giovanni Battista Tiepolos Ölskizze zum Deckenfresko im Kaisersaal der Würzburger Residenz von 1750/1751. Und da die Mainfranken kaum ohne ihren Wein sein können, gilt die Kelterhalle der Weinkultur: dem Büttnerhandwerk, Trinkgläsern, Bocksbeuteln, Wirtshausauslegern, Weinpressen und Wirtsstuben.

Die aktuelle Ausstellung – sie läuft noch bis zum 26. Oktober – ist „Sammlerglück“ betitelt. Sie zeigt Fayencen der Sammlung Wolf-D. Amelung (1943 bis 2012). Der Volkacher war ein passionierter Sammler und international geachteter Kenner von Fayencen (die Bezeichnung für die Feinkeramik mit Zinnglasur rührt vom französischen Namen der italienischen Stadt Faenza). In seinem letzten Willen hatte Amelung entschieden, seine bisherigen Dauerleihgaben sowie weitere Exemplare den „Freunden Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V., Würzburg“ zu vermachen und so die Sammlung des Mainfränkischen Museums aufs Schönste zu bereichern.

Die üppige Schenkung setzt sich zusammen aus nicht ganz drei Dutzend Objekten nebst vier zusätzlichen Dauerleihgaben, darunter Teile aus der berühmten Serie der Ansbacher „Grünen Familie“, Hausmalerkrüge von Ignazius Hess, Bildplatten aus der Schrezheimer Manufaktur sowie Glanzstücke aus Künersberg, Bayreuth und Ludwigsburg. Auch ein jovialer Fassreiter. Die außergewöhnlich große Figur gibt den fröhlichen Bacchus. Für Amelung war großherziges bürgerliches Mäzenatentum kein Fremdwort. Glück des Sammlers, Glück des Museums und ein Geschenk, auch für die Besucher des Mainfränkischen Museums.

Copyright Foto: © Andreas Bestle, CTW Würzburg

Jürgen Gräßer
23.06.2014

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