Alles akustisch oder was?

Status Quo präsentieren ihre Hits mit leiseren, akustischen Tönen

Alles akustisch oder was?

 Der Name klingt bei Rockfans immer noch wie ein guter roter Wein: Status Quo. Vor nur knapp einem Jahr kündigten die Altrocker ihre letzte elektronische Tour an. Gitarrist Rick Parfitt verabschiedete sich an Weihnachten 2016 von seinem Erdendasein, verstarb nach einer bei einer Operation eingefangenen Infektion. Sein kongenialer Partner Francis Rossi und Co. stehen weiterhin auf der Bühne. Am 21. Dezember werden sie mit ihrer Akustik-Tour in der Nürnberger Meistersingerhalle gastieren. Anknüpfend an die Tradition von „MTV Unplugged“ veröffentlichten die Kult-Rocker vor drei Jahren das Album Aquostic (Stripped Bare), auf dem sie größtenteils altbekannte Gassenhauer ohne elektronische Hilfsmittel neu vertonten. Die Fortsetzung des ersten Streichs folgte schließlich Ende letzten Jahres. Mit „Aquostic II – That’s A Fact!“ veröffentlichten die Briten das zweite akustische Album.

Status Quo ganz ohne elektrischen Gitarrensound – geht das überhaupt? Ja, es geht und klingt auch noch wahnsinnig gut. Nach über 50 Jahren Bandgeschichte begeben sich die Musiker raus aus ihrer Komfortzone und präsentieren Hits wie „In The Army Now“ im neuen Akustik-Gewand – durchaus gewöhnungsbedürftig, aber immer noch rockig, wenn auch nicht so laut wie gewohnt. Mit diesem Projekt beweist Status Quo, dass diese Band auch heute noch für Überraschungen gut ist. In den 1960ern gegründet, entwickelte sich Status Quo schnell zu einer der weltbesten Hardrock-Bands, setzte Trends und begeisterte Anhänger wie Fachwelt gleichermaßen. Der mitreißende Trademark-Telecaster-Gitarren-Sound wurde spätestens in den 1970ern zum Markenzeichen der Band, die Meilensteine setzte und vor allem auf den Livebühnen der Welt grandiose Gigs absolvierte. Und genau auf das eigentliche Stilelement der eigenen Musik verzichten Status Quo nun in der neuen „Aquostic“-Tour. Dass dieses Experiment der Band vorzüglich gelungen ist, belegen mehrere Goldene Schallplatten, die die Altrocker schon jetzt damit eingeheimst haben. Die Band hat die Klassiker, und das sind wahrhaft genügend, ihrer Bandgeschichte umgearbeitet und ihnen einen ganz eigenen Akustik-Anstrich verpasst. Und der neue Sound der Band kann sich hören lassen – sowohl alteingesessene Fans als auch dem Rock Wohlgesonnene finden sich in dem Projekt wieder. Francis Rossi, Richie Malone – Nachfolger von Rick Parfitt – Andy Bown, John „Rhino“ Edwards und Leon Cave stellen mit diesem neuen Ansatz unter Beweis, dass Status Quo noch immer zu den größten und besten Bands der Szene gehört.

Und das besonders im Livegewand. Auf der Bühne blühen Rossi und Co. auf – nicht zuletzt beim Kult-Festival in Wacken. Da durften die Kult-Rocker in diesem Jahr erstmals ihre Klassiker präsentieren. Und schafften es am Donnerstagabend, die doch überwiegend auf härtere Klänge eingestellte Feiermeute ruhig zu stellen. Doch was heißt hier ruhig? Spätestens bei „Whatever You Want“ rockte auch die jüngere Generation kräftig mit, um bei „In The Army Now“ und „Rocking All Over The World“ das Metal-Wochenende stilvoll moschend einzuläuten.

 

Fotocredits:
Status Quo, Foto © Pressefoto

 

 

Andreas Bär
05.12.2017

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