Gesellschaft Harmonie

Traditionsreich und immer noch sehr präsent

Gesellschaft Harmonie

 Die Bamberger „Gesellschaft Harmonie“ hat eine lange Geschichte, aber auch eine quicklebendige Gegenwart.

Das 19. Jahrhundert wurde aufgrund der Französischen Revolution und ihrer weitreichenden Folgen – so natürlich auch der Säkularisation in Bayern – zur Epoche des Bürgertums. Die Befreiung vom Adelsjoch – bzw. in Bamberg von der fürstbischöflichen Herrschaft – bedingte eine große Verbreiterung gesellschaftlicher und kultureller Aktivitäten dieser jetzt dominanten Schicht. Gesellschaftsvereine entstanden, die sich der Unterhaltung, dem Sport, der Kultur und allerlei anderem Freizeitvertreib widmeten. In Bamberg ist ein typisches Beispiel für solche Bürgergesellschaften der Gesellschaftsverein „Concordia“, der bis 1935 im Besitz des Gebäudes der heutigen Villa Concordia (Internationales Künstlerhaus) war. Dieser Name, oft auch verdeutscht als „Eintracht“, taucht in vielen Städten auf, und manche dieser Vereine sind heute noch lebendig, obwohl sie doch längst aus der Zeit gefallen scheinen.

Das Paradebeispiel für eine besonders erfolgreiche Vereinigung dieses Typs ist in Bamberg die „Gesellschaft Harmonie“, und das aus drei Gründen: erstens aufgrund ihres schieren Alters, zweitens aufgrund ihrer überragenden Bedeutung für die Bürgergesellschaft dieser Stadt und drittens aufgrund der Tatsache, dass sie heute noch existiert, ja sogar quicklebendig erscheint. Die Gesellschaft Harmonie ist unter den traditionsreichen Kulturvereinen Bambergs des 19. Jahrhunderts – nennen wir nur den Historischen Verein, den Kunstverein und den Musikverein – der älteste. Ihre Vorläuferorganisationen wurden sogar bereits im 18. Jahrhundert gegründet, nämlich 1791 zunächst als „Club“, der ab 1796 als „Gesellschaft der Honoratioren“ firmierte.

Ab 1808 gab sich diese „feine Gesellschaft“ des Bürgertums den Namen „Harmonie“ und öffnete sich sogar dem Adel und dem Militär. So war aus einem ursprünglich eher informellen Freundeskreis ein Gesellschaftsverein geworden, der allerlei Aktivitäten im Freizeit- und Kulturbereich anstieß. Schon früh schälte sich eine Affinität zum Theaterspiel heraus; ab 1797 wurde in der vormaligen Aula der Jesuiten in der Austraße mit großem Zuspruch Liebhabertheater gespielt. Seither ist die heute „Gesellschaft Harmonie Bamberg e.V.“ genannte Einrichtung untrennbar mit der Entstehung und den Geschicken des Bamberger Theaters verbunden. So wie der 1819 erstmals gegründete Musikverein ein öffentliches Konzertwesen begründete, so steht die Harmonie für das Gedeihen einer bürgerlichen Theaterkultur.

Während der Säkularisationszeit wanderte die noch junge Gesellschaft zum Schillerplatz, wo ein Gesellschaftshaus mit einem Ballsaal und Nebenräumen gebaut wurde, das spätestens 1808 mit einem Neubau sogar zu einem veritablen Theater mutierte. Im selben Jahr, genauer gesagt am 1. September, trat eine Dreifachbegabung auf den Plan, die fortan das Haus mit ihren musikalischen, literarischen und bühnenbildnerischen Ideen füllte: E.T.A. Hoffmann, der arbeitslos gewordene Kammergerichtsrat aus Preußen, auf dessen etwas großspurig geratene Bewerbung als Musikdirektor die Bamberger „reinfielen“ – zum Glück! Als Mitglied der Harmonie öffneten sich ihm die Türen zur „besseren Gesellschaft“ der damals knapp 20 000 Einwohner zählenden Stadt. Was die ca. fünf Jahre Hoffmanns in Bamberg für die Literatur- und Musikgeschichte bedeuteten, ist bekannt…

Seit dieser Zeit, also seit über 200 Jahren, hat die Gesellschaft Harmonie ihren Sitz in den Sälen am Schillerplatz, und selbst nach dem Verkauf an die Stadt im Jahre 1938 ließ sie sich ein Nutzungsrecht verbriefen, das ihr die Harmoniesäle als Heimstatt beließ. Noch heute ist es für viele Bamberger Ehrensache, bei der Harmonie Mitglied zu sein. Von den alten Traditionen hat als einer der Höhepunkte des Jahresprogrammes der so genannte „Weiße Ball“ überlebt. Ansonsten dominieren Kulturreisen, gesellige oder literarische Abende und unbeschwerte Ausflüge das derzeitige Programm. 2018 gibt es beispielsweise Fahrten nach Kulmbach und Oberbayern, Erzählkonzerte und Lesungen, eine Theaterfahrt nach Meiningen, eine Wanderung in der Fränkischen Schweiz, ein Preisträgerkonzert, eine Herbstfahrt ins Weinland und sogar eine ausgewachsene Sommerreise nach Nordfrankreich.

Spricht man mit dem derzeitigen Vorstand der Harmoniegesellschaft, Bernhard Söder, so lässt sich ein gewisser Stolz darauf spüren, dass eine solch alte und traditionsreiche Vereinigung keinesfalls wegen Nachfragemangels sklerotisiert, sondern heute noch knapp ein halbes Tausend (!) Mitglieder besitzt und auch neue hinzukommen. Der attraktive Weiße Ball ist häufig nur ein erster Kontakt, aber wenn man erst einmal an der netten Atmosphäre geschnuppert hat und die Aktivitäten kennenlernt, fällt die Entscheidung zur Mitgliedschaft leicht. Wer sich genauer über die Geschichte der Gesellschaft Harmonie informieren will, lese die sehr informative und profunde Darstellung von Karin Dengler-Schreiber unter dem Titel „So ein Theater“, wer es gerne etwas kürzer haben will, sei auf die launige und kurzweilige Plauderei von Siegmar Walter verwiesen, die man auf der Homepage der Gesellschaft finden kann.

 

Fotocredits:

Gesellschaft Harmonie e.V., Foto © Dr. Peter Hofmann
 

Martin Köhl
02.02.2018

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