Ein Frühjahr im Zeichen des Films

Schweinfurt und Selb laden zum Filmfestival ein

Ein Frühjahr im Zeichen des Films

 Was Filmfestivals angeht, muss sich Franken nicht verstecken. Die Internationalen Hofer Filmtage sind dabei nur ein Highlight auf der Liste der saisonalen Kinospektakel. Kaum sind die Bamberger Kurzfilmtage vorbei, stehen auch schon die Schweinfurter Kurzfilmtage in den Startlöchern, gefolgt von den Grenzland-Filmtagen Selb.

1999 folgte Gerald Günther – Geschäftsführer vom Verein KulturPackt – einer Eingebung, als er die Idee zu den Schweinfurter Kurzfilmtagen hatte. Nach dem Besuch eines anderen Kurzfilmfestivals sei das gewesen, verrät er Art. 5|III. Einige Filme dort hatten ihn so begeistert, dass er sich so ein Format auch für Schweinfurt wünschte. Gesagt, getan – er konnte nicht nur den Verein, sondern auch das ortsansässige Kino KuK von seiner Idee überzeugen. Satire und schwarzer Humor sind seitdem der Schwerpunkt des Festivals, aber auch Animationen oder experimentelle Filme, Dokus, Thriller oder Science Fiction haben seitdem ihren Weg in den Themenkanon gefunden. Das Konzept ging auf und stieß beim Publikum auf gute Resonanz, sodass sich das Festival inzwischen nicht mehr nur über zwei, sondern drei Tage erstreckt und um ein zusätzliches Länder- und Regisseur-Special sowie einen Trickfilm-Workshop für Kinder erweitert wurde. Noch eine Besonderheit: Das Schweinfurter Kurzfilmfestival ist kein Wettbewerbsfestival, d.h. außer für den Regionalfilmwettbewerb, werden keine Filme eingereicht, sondern das Team sucht die Filme aus den Katalogen der Kurzfilmagenturen aus, sodass an den drei Tagen eine Art Best of der aktuellen, überwiegend deutschen, Kurzfilmeszene gezeigt werden kann.

Start ist in diesem Jahr ist der 29. März. Bis zum Samstag, den 31.03., hat man dann die Qual der Kurzfilmwahl. Im Moment läuft jedoch noch die Vorauswahl, sodass es zunächst spannend bleibt, für welche Filme sich das Team um Gerald Günther am Ende entscheiden wird. Da sich Kurzfilme als eine wunderbare Plattform für die Reflektion aktueller gesellschaftlicher und politischer Realitäten erwiesen haben, wird die Flüchtlingskrise auch in diesem Jahr einen der Schwerpunkte bilden, sagt Gerald Günther. Alles Weitere bleibe eben eine Überraschung.

Kurz darauf macht sich das oberfränkische Selb vom 5. bis 8. April bereit für die 41. Grenzland-Filmtage. Eine durchaus beachtliche Zahl, bedenkt man, dass die Organisation ausschließlich auf die Kappe ehrenamtlicher Mitarbeiter geht und die Zukunft des Festivals deshalb immer wieder auf der Kippe stand. Auch die Grenzland-Filmtage, zu Beginn noch mit dem Titel „Der neue deutsche Film“ überschrieben, entstanden aus einem Mangel heraus: Das kulturelle Angebot, gerade für Jugendliche, war vor 41 Jahren rar, sodass Jugendliche aus dem Wunsiedler Jugendzentrum kurzerhand ein kleines, aber feines Filmfestival ins Leben riefen. Die Initiative trug Früchte und so wurden aus einem Jahr zwei, aus zweien drei etc. Dass sich der Fokus des Festivals auf Osteuropa – damals noch verborgen hinter dem Eisernen Vorhang – verschiebt, wurde schon im zweiten Jahr deutlich, als man das Festival nach Bad Alexandersbad verlegte und den Namen in „Grenzland-Filmtage“ abänderte. Später sollte es noch einmal einen Umzug geben - diesmal nach Selb, wo das Festival auch heute noch stattfindet. Die Nähe zum Ostblock weckte damals Sehnsüchte und Neugier, der filmische Blick über die Grenze war der jungen Generation ein Bedürfnis. Und der Osten dankte es ihnen. Viele Filmemacher nutzten die Gelegenheit, ihre Filmkunst auch über die Grenzen hinweg bekannt zu machen, so zum Beispiel DDR-Filmemacher wie Günther Reisch, Jürgen Böttcher oder Herrmann Zschoche. Einige starteten hier sogar ihre internationale Karriere, so z. B. Anna Rosmus mit „Das schreckliche Mädchen“. Eigentlich also keine Frage, ob das Festival auch nach der Wende weiterhin Bestand haben sollte. Doch manche sahen nun keine Notwendigkeit mehr, den filmischen Dialog aufrechtzuerhalten. Aber auch diese Krise konnte – nunmehr mit einem neuen Team – gemeistert werden. Hinter all dem steht seit über zehn Jahren der „Verein zur Förderung grenzüberschreitender Film- und Kinokultur e. V.“ Das Thema Grenzen wird inzwischen weitergedacht – geografisch, kulturell, im Denken und Miteinander. Aber nicht nur deshalb ist die Aufstellung des Festivals etwas Besonderes, sondern auch weil ein Querschnitt durch alle Filmsparten gezeigt wird, der von Spiel-, über Dokumentar-, bis hin zu Kurzfilmen reicht. Zusätzlich wird ein Kinder- und „Heimatprogramm“ angeboten. Im vergangenen Jahr schloss der Verein eine Kooperation mit der tschechischen Nachbarstadt Asch, die ein zweitägiges Programm vor Ort vorsieht.

Auch in Selb steckt man gerade noch mitten in der Filmauswahl, aber Geduld ist ja bekanntlich eine Tugend. Man darf in jedem Fall gespannt sein und sich auf ein ereignisreiches Filmfrühjahr freuen!

Mehr Informationen zu beiden Festivals unter www.kulturpackt.de und www.grenzlandfilmtage-selb.de

 

Fotocredits:

Grenzlandfilmtage Selb, Fotos © Grenzlandfilmtage Selb

Franziska Krause-Gurk
02.02.2018

Eure Meinung? Leserbrief verfassen