Wer die Wahl hat, hat die Qual

Worauf sich Kinder im neuen Theaterjahr freuen können

Wer die Wahl hat, hat die Qual

 Nicht nur für Erwachsene beginnt das Theaterjahr 2018 turbulent, auch für die Kinder in unserem Einzugsgebiet wird auf den hiesigen Bühnen bereits in den ersten Monaten so einiges geboten - und das für alle Altersgruppen. Das umfangreiche Programm macht es schwierig, alle Stücke vorzustellen. Ein Querschnitt der kommenden Monate soll auf das neue Jahr einstimmen.

Für Kinder ab 3 Jahren aus Bamberg und Umgebung bietet sich bereits am 4. Februar mehrmals die Möglichkeit für einen Theaterbesuch. Das Theater vom Rabenberg aus Burgpreppach gastiert um 14 und 16 Uhr mit „Der kleine Raabe Socke“ (nach den Kinderbüchern von Nele Moost und Annet Rudolph) in der Alten Seilerei. Ebenfalls um 16 Uhr zeigt das Theater vom Rabenberg im Spiegelsaal der Harmonie die Figurentheaterproduktion „Yakari und der Riesenvielfraß“. Wiederholt wird das Stück am 23.2., 16 Uhr, im Kunigundensaal von St. Kunigund in Bamberg. Die Spieldauer beträgt jeweils 45-50 Minuten, Karten sind nur an der Tageskasse ab 30 Minuten vor Beginn erhältlich.

Eine ganze Bandbreite an Stücken eignet sich für Kinder ab 4 Jahren: Den ganzen Februar hindurch zeigt das Theater Mummpitz in Nürnberg mit „Pinguin gefunden“ eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft (alle Termine unter www.theater-mummpitz.de). Die Musikschulproduktion „Karola und die 3 verrückten Hühner“ verspricht naturgemäß einen Theaterbesuch mit viel Musik. Die Gans Karola, das Lieblingstier der Zoodirektorin, ist verschwunden, sodass sich Kommissarin Fuchs und ihr schläfriger Assistent Jakob auf die Suche nach ihr begeben – zu sehen am 10.3., 16 Uhr, und 11.3., 15 Uhr, im Nürnberger Kachelbau. Ein Blick nach Thüringen verrät: Auch hier wird den Kleinsten viel geboten. Für 4-Jährige sei das Stück „Leon Pirat“ im Theater Waidspeicher in Erfurt empfohlen, das an drei Spieltagen im März aufgeführt wird (1./2.3., 10 Uhr, 4.3., 11 Uhr). Leon soll einmal in die Fußstapfen des Vaters treten und Piratenkapitän werden, doch lieber als das wäre Leon Schiffskoch. Ob es ihm gelingt, den Vater von dieser Idee zu überzeugen, darauf darf man in der 55-minütigen Vorstellung zurecht gespannt sein.

Freuen können sich auch die Vorschulkinder, denn für alle Kinder ab 5 Jahren zeigt das Bamberger E.T.A. Hoffmann Theater im Februar nach der Drehbuchfassung von Paul Maar und Ulrich Limmer das „Sams im Glück“. Interessierte Eltern, Pädagogen und Co. sollten jedoch schnell sein – einige Termine sind bereits ausverkauft. Karten sind noch für den 5.2. (9 und 11 Uhr) und den 6.2. (11 Uhr) erhältlich. Tolle Kostüme und eine herrlich witzige Geschichte gibt es am 28.2., 10.00 Uhr, 4.3, 16.00 Uhr, 5.3., 10.00 Uhr und 2.4., 16.00 Uhr im Deutschen Nationaltheater in Weimar zu sehen. „Der Bärbeiß. Herrlich miese Tage“ (nach den Kinderbüchern von Annette Pehnt) erzählt von einem grummeligen Waldbewohner, den seine Nachbarn gerne näher kennenlernen möchten. Doch der eigenbrötlerische Geselle macht es den anderen Tieren nicht leicht – was er braucht, ist eine Lektion in Sachen Freundschaft.

Wem der Sinn eher nach einem Märchen steht, kommt im Theater am Michelsberg in Bamberg („Rotkäppchen“ am 11. und 18.2. um 16 Uhr, „Frau Holle“ am 4., 11. und 18.3. um 16 Uhr) auf seine Kosten. Eine Anmelden per E-mail unter info@tam.ag oder telefonisch unter 0951-30290988 ist erforderlich. Auch das Chapeau Claque vermag mit einem Märchen zu verzaubern: Am 11.2. gibt es den Klassiker „Hänsel und Gretel“ um 15 Uhr in der Alten Seilerei zu sehen.

Wer nach unterhaltsamen Theatererlebnissen für Kinder von 6-8 Jahren sucht, wird vor allem in Nürnberg fündig. Das Theater Salz+Pfeffer zeigt unter anderem die Stücke „Der Zapperdockel und der Wock“ und „Die kleinen Leute von Swabedoo“ (empfohlen ab ca. 6 Jahren, Termine und Karten unter www.kinder-salzundpfeffer.reservix.de). „Die Busfahrerin“ – ein charmant erzähltes französisches Roadmovie für die Bühne – und „Das große Giggler-Geheimnis“ – eine kurios-verrückte Geschichte über die Giggler-Wesen, die jeden Erwachsenen auf die Probe stellen, der zu einem Kind gemein war – versprechen Spaß für Kinder ab 7 Jahren (www.theater-pfuetze.de). Das Theater Mummpitz zeigt zwei nicht weniger spannende Stücke: „Ausgebüxt“ (8+) erzählt von Tom, der vor Langeweile türmt, denn er hat wegen einer Fünf in Englisch Fernseh-, X-Box- und Süßigkeitenverbot und noch dazu Hausarrest bekommen. Diese spektakuläre Neuauflage von Mark Twains „Tom Sawyer“ ist nicht nur etwas für kleine Leute und wird von Ende Februar bis Mitte Mai aufgeführt. Nummer zwei im Stückerepertoire für Kinder ab 8 Jahren ist „Salto und Mortale“ (ab 14.3.). Erzählt wird die Geschichte eines Clowns, der sein Lachen verloren hat und sich deshalb den Tod wünscht. Kaum ausgesprochen, erscheint dieser prompt, worüber der Clown nun endgültig verzweifelt. Denn so ernst war es ihm dann schließlich doch nicht. Los wird er den Tod nur, indem er ihn zum Lachen bringt – Ironie des Schicksals und eine Lehre, die der Clown sehr nötig hat (alle Termine unter www.theater-mummpitz.de).

Einzigartig nimmt sich die Geschichte um „Das Kind der Seehundfrau“ (9+) aus, die im Februar und März im Theater Pfütze gezeigt wird. Das Stück, das in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg entstanden ist und unter anderem mit dem Jugendtheaterpreis ausgezeichnet wurde, handelt von einem Inuk, der sich im hohen Norden in eine sogenannte Seehundfrau verliebt – ein Seehund, der in einem (eigentlich) unbeobachteten Moment die Gestalt einer wunderschönen Frau annimmt. Sie verspricht dem Fischer auf sein Bitten hin seine Frau zu werden, jedoch unter der Bedingung nach sieben Jahren zurück ins Eismeer zu dürfen. Liebe und Verlust sind die beherrschenden Themen dieser außergewöhnlichen Theaterproduktion. Das Stück „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ im Theater Waidspeicher erzählt hingegen liebevoll die Geschichte der klugen, aber isolierten neunjährigen Lisa und ihrem außerirdischen Freund Walter, der die irdischen Probleme der Menschen höchst seltsam findet und in Lisas Leben beginnt, einmal so richtig aufzuräumen (ab 9 Jahren, Termine unter www.waidspeicher.de).

Für die älteren, 1 Meter 20 überschreitenden Kinder oder vielmehr Jugendlichen empfehlen wir drei ganz besondere Theaterproduktionen: „Superhero“ (12+) handelt von dem 14-Jährigen Donald Delpe, der nicht nur mit der Pubertät zu kämpfen hat, sondern auch mit seiner schweren Krankheit. Ein lebensbejahendes Stück, das jede Oberflächlichkeit meidet – zu sehen im Mainfranken Theater am 21.2., 11 Uhr. Ebenfalls um die Suche nach Identität, in diesem Fall aber der religiösen, geht es in dem auf Mirjam Presslers Buch basierenden Musiktheaterstück „Nathan und seine Kinder“, das wiederum an Lessings „Nathan der Weise“ anknüpft (12+). Die Premiere am 1. Februar ist bereits ausverkauft, alle Termine im Februar und März sind unter www.nationaltheater-weimar.de einsehbar. Ebenfalls bemerkenswert ist ein Stück, dass das Kulturforum Fürth an sechs Terminen im Februar zeigt und mehrfach prämierte wurde: “Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ ist eine Koproduktion des Stadttheaters Fürth mit dem Gostner Hoftheater Nürnberg und hat die jüngste deutsche Vergangenheit, genauer: die Verbrechen in Buchenwald zum Thema. Verpackt in eine kluge Parabel über unsere Gesellschaft, lehrt sie vor allem eines: Hinzuschauen, wenn es nötig ist (empfohlen ab 12 Jahren). Nähere Informationen findet man unter www.kulturforum.fuerth.de.

 

Fotocredits:

„Das große Giggler-Geheimnis“ im Theater Pfütze, Foto © Christof Lappler

„Ausgebüxt“ im Theater Mummpitz, Foto: © Rudi Ott

Christina Theresa Motsch und Cedric von Borries, Foto © Gabriela Knoch
 

 

Franziska Krause-Gurk
26.02.2018

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