„Faire und gerechte Lösung“

Zeichnung „Ostchor des Bamberger Doms“ aus der ehemaligen Sammlung Prof. Curt Glaser wird restituiert

„Faire und gerechte Lösung“

  Die Stadt Bamberg und die Museen der Stadt Bamberg restituieren erneut ein Kunstwerk. Betroffen ist die Zeichnung „Ostchor des Bamberger Doms“, der mit C.W. signiert ist und bisher Georg Christian Wilde zugeschrieben wurde. Sie wurde von ihrem ehemaligen Besitzer, Prof. Dr. Curt Glaser auf der Auktion des Auktionshauses Max Perl vom 18. und 19. Mai 1933 versteigert und 1934 vom Berliner Antiquariat Altmann an die Stadt Bamberg verkauft. Noch heute befindet sie sich in den Sammlungen der Museen der Stadt Bamberg. In Anbetracht des NS-verfolgungsbedingten Verlustes des Kunstwerkes wird die Zeichnung an die Erben von Prof. Dr. Curt Glaser restituiert. Da die Stadt Bamberg und die Museen der Stadt Bamberg aufgrund des Sujets am Erhalt der Zeichnung für die Museumssammlung interessiert sind, verständigten sich die Parteien auf einen Rückkauf der Zeichnung. 

Diese „faire und gerechte Lösung“, so Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann, ist vor allem auch dem gegenseitigen Respekt und dem Willen geschuldet, gemäß den Prinzipien der Washingtoner Konferenz sowie den Grundsätzen der „Gemeinsamen Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ vom 14. September 1999 zu handeln.

Wie bereits andere Besitzer von Kunstwerken aus der Sammlung Glaser, sowohl öffentliche Einrichtungen und Museen als auch Privatpersonen, suchten die Stadt Bamberg und die Museen der Stadt Bamberg, aufgrund eigener systematischer Erforschungen ihrer Bestände, den Kontakt zu den Erben von Prof. Dr. Curt Glaser und den diese vertretenden Rechtsanwälten.

Prof. Curt Glaser, Mediziner, prominenter Kunsthistoriker, Kunstkritiker, Verfasser bedeutender kunsthistorischer Werke und bekannter Kunstsammler, war seit 1909 in Berliner Museen tätig. Während seiner Anstellung im Berliner Kupferstichkabinett hatte er sich große Verdienste erworben. 1924 übernahm er das Amt des Direktors der Staatlichen Kunstbibliothek Berlin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde er aufgrund seiner jüdischen Abstammung zum Verfolgten. Bevor im September 1933 seine Zwangspensionierung erfolgte, war er als von den Nazis unerwünschter und verfolgter jüdischer Museumsdirektor bereits vor Erlass des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom Amt des Direktors der Kunstbibliothek beurlaubt worden. Mit dem Verlust seiner Anstellung und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatte Prof. Curt Glaser weder eine berufliche noch eine persönliche Zukunft in Nazi-Deutschland. Im Juni 1933 emigrierte er mit seiner zweiten Ehefrau, ebenfalls Jüdin, über Zwischenstationen in Frankreich, der Schweiz, Italien und Kuba letztlich in die USA, wo er 1943 in Lake Placid, New York, starb.

Zur Finanzierung seiner Flucht ließ er in zwei Auktionen, im Mai 1933 große Teile seiner umfassenden Kunstsammlung, seiner Kunstbibliothek und der Wohnungseinrichtung bei den Auktionshäusern Internationales Kunst- und Auktionshaus GmbH (9. Mai 1933) sowie Max Perl (18./19. Mai 1933) versteigern.

Die Zeichnung und deren Herkunftsgeschichte war zuletzt in der viel beachteten Ausstellung „Spurensuche: Provenienzforschung in Bamberg – Einblicke. Möglichkeiten. Grenzen.“ im Historischen Museum in Bamberg zu besichtigen. Die vorliegende Einigung folgt jenen Lösungen, welche die Erben von Prof. Dr. Curt Glaser bereits mit dem niedersächsischen Landesmuseum Hannover, dem Rijks Museum Amsterdam, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Germanischen Nationalmuseum, dem Museum Ludwig der Stadt Köln, der Kunsthalle Hamburg und verschiedenen privaten Sammlern finden konnten.

 

Fotocredits:

Zeichnung „Ostchor des Bamberger Doms“ von Georg Christian Wilde., Foto © Presse

pm/red
05.02.2018

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