Spider Murphy Gang Open-Air

Die Band im Interview

Spider Murphy Gang Open-Air

 Unter dem Motto „Unplugged am See“ präsentiert die Münchner Spider Murphy Gang ihren Fans eine Zeitreise durch die Geschichte des Rock´n Roll, bei der die großen Erfolge des Septetts um Sänger/Bassist Günther Sigl mit Sicherheit nicht zu kurz kommen werden. Das Open Air-Gelände am Dechsendorfer Weiher bei Erlangen ist seit vielen Jahren Schauplatz toller Livekonzerte. Neben „Klassik am See“ und „Jazz am See“ gibt es in diesem Sommer ein weiteres Highlight zu erleben, wenn mit der Spider Murphy Gang eine der erfolgreichsten deutschen Popbands vor der prächtigen Kulisse des Seeufers zu Gast ist. Die Besonderheit dabei: Die Münchner Künstler treten mit ihrem Unplugged-Programm auf. Grund genug, uns mit dem Gründungsmitglied und Bandleader vorab ausführlich zu unterhalten.

  • Wann haben Sie eigentlich angefangen Musik zu machen und welche Künstler haben Sie dabei maßgeblich inspiriert?

    Ich habe in den frühen 60er Jahren eine Gitarre geschenkt bekommen und danach Spielen gelernt. Da hatte mich schon das Rock´n Roll-Fieber gepackt, vor allem Elvis und Chuck Berry waren meine Favoriten. Als dann die Beat-Bands wie die Beatles, die Rolling Stones oder die Shadows aufkamen, reifte der Wunsch Musiker zu werden, aber ich habe zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann abgeschlossen und auch in diesem Beruf gearbeitet. Erst 1971 habe ich mich entschlossen als Künstler meinen Lebensunterhalt zu verdienen, was zunächst schwierig war, da zu dieser Zeit München als Zentrum der Disco-Musik galt.

  • Zusammen mit Gitarrist Gerhard ´ Barny Murphy´ Gmell haben Sie 1977 die Spider Murphy Gang gegründet und sind auf den Bass umgestiegen. Die ersten Jahre prägte der Rock´n Roll die Band, die zunächst mit englischsprachigen Covern durch Auftritte in US-Kasernen bekannt wurde. Wann sind sie auf Texte in bayerischer Mundart umgestiegen?

    Als der BR-Moderator Georg Kostya auf uns aufmerksam wurde, engagierte er uns für seine Sendung „Rockhaus“. Dafür hatten wir auch die Titelmusik eingespielt, die Cover wurden also immer weniger und wir produzierten mehr eigene Kompositionen. 1980 erschien dann unser Debütalbum „Rock´n Roll Schuah“, mit dessen bodenständigen Themen sich das Publikum in München und Umgebung rasch identifizieren konnte.

  • Der nationale Durchbruch gelang 1981 mit dem Album „Dolce Vita“ zu Zeiten der Neuen Deutschen Welle. Dennoch war die Spider Murphy Gang nie eine typische NDW-Band.

    Nein, wir waren stets eigenständig und hatten uns ja bereits durch eine große Zahl an Live-Auftritten unser Publikum erspielt. Aber natürlich hatten unsere Hits wie „Skandal im Sperrbezirk“, der zu Anfang ja aufgrund gewisser Textpassagen gar nicht im Radio in Bayern lief, „Schickeria“ oder „Wo Bist Du“ einen großen Wiedererkennungswert bei den Fans. Und so wurde die Folgezeit kommerziell äußerst erfolgreich für uns.

  • Auf den Skandal um eine gewisse Rosi folgten weitere erfolgreiche Veröffentlichungen und Tourneen, aber mit dem Ende der NDW auch Umbesetzungen und ruhigere Phasen. Wie haben Sie sich zum Weitermachen motiviert?

    Gerhard und ich waren lange genug dabei, um Besetzungswechsel und Verkaufsrückgänge zu verkraften. Wir waren immer eine Live-Band und wollten dies auch zukünftig sein. Also haben wir wieder angefangen unermüdlich zu touren, um so auch in den 90er Jahren unser Auskommen zu haben. Aber natürlich muss man lernen mit weniger Radio- und TV-Präsenz auszukommen, wenn man dort vorher so extrem präsent war.

  • Auf jeden Fall hatten die Fans die Spider Murphy Gang auch im neuen Jahrtausend nicht vergessen. 2002 konntet ihr zum 25jährigen Bandjubiläum den Münchner Circus Krone-Bau an mehreren Tagen hintereinander ausverkaufen, 2007 zum 30jährigen Jubiläum ebenso. Dabei habt ihr auch mit jungen Stars wie den Sportfreunden Stiller gefeiert.

    Ich finde es wichtig, auch im Alter den Kontakt zu jungen Musikern herzustellen. Über meinen Sohn stiess ich auf die Sportfreunde Stiller und wir mochten nicht nur ihre Musik, sondern kamen auch privat prima mit ihnen aus. Aber es waren ja auch ältere Künstler bei den Parties dabei, u.a. Michael Mittermaier und Willy Astor. Zum 35jährigen Jubiläum haben wir dann vor ca. 38.000 BesucherInnen im Münchner Olympiastadium gespielt, vor so einer Kulisse aufzutreten, das vergisst man nie.

  • Die Spider Murphy Gang zeigt sich auch offen für neue Medien, die Band hat auch mehre DVD-Produktionen veröffentlicht.

    Ja, das ist richtig, über die Jahre hinweg war es die perfekte Ergänzung zu den Platten- und CD-Verkäufen. Besonders die 2012 erschienene DVD eines Live-Auftritts vom November 1984 im WDR Rockpalast mit einer Setliste aus den vier ersten Alben, sowie das vom BR als DVD herausgebrachte Jubiläumsauftritte aus dem Jahr 2007 erfreuen sich bei den Fans großer Beliebtheit.

  • Wie sind sie darauf gekommen, aus den zahlreichen Veröffentlichungen der letzten Jahre ein Unplugged Set zu machen?

    Es war ganz einfach eine neue Herausfoderung für uns, der wir uns auch in musikalischer Hinsicht stellen wollten. Bei unseren Konzerten kommen mittlerweile drei Generationen als Zuschauer, da fanden wir es äußerst spannend unsere Fans mit alten und neuen Hits in neuen Versionen zu konfrontieren. Dass unser Publikum das Ergebnis so gut honoriert, erfreut uns nach wie vor und bestätigt uns die Unplugged-Shows fortzuführen. Die Power ohne Strom kommt an, die Musik und die Texte bekommen einfach mehr Aufmerksamkeit. Es wird auch für keinen langweilig, wir erzählen die Geschichte des Rock´n Roll und die Geschichte der Spider Murphy Gang. Und um solche Konzertabende abzurunden, untermalen wir die ganze Sache mit Bild-Einblendungen auf einer Großbild-Leinwand.

  • Wird es auf absehbare Zeit diese Unplugged-Shows auch mal auf einer CD oder DVD für den Hausgebrauch geben?

    Die ist ja bereits erschienen, 2004 aufgenommen im Münchner Lustspielhaus. Es ist eine Doppel-CD, auf der sich von „Honky Tonk Blues“ bis hin zu „Rock´n Roll Rendevouz“ zahlreiche Titel finden, die wir auch bei den kommenden Open Air-Veranstaltungen auf der Kulmbacher Plassenburg oder am Dechsendorfer Weiher in Erlangen im Programm haben werden.

  • Abschließend noch die Frage, ob Sie mit 67 Jahren gelegentlich an die Rente denken. Oder wollen Sie auch weiterhin dem Rock´n Roll treu bleiben?

    Mit der aktuellen Besetzung, die auch schon fast 20 Jahre besteht, macht es noch immer unheimlich Spass ins Studio zu gehen oder auf der Bühne zu stehen. Wir teilen uns die Arbeit und die Pausen dazwischen gut ein und solange wir gesund bleiben, gilt das Motto: „I ziag´s net aus, meine Rock´n Roll Schuah“.

    Copyright Foto: © Pressefoto Spider Murphy Gang

Frank Keil
24.06.2014

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