Von Rembrandt bis Gerhard Richter

Meisterwerke im Kulturspeicher Würzburg

Von Rembrandt bis Gerhard Richter

Mit wahrhaft großen Namen kann in diesem Sommer noch bis Ende September der Kulturspeicher Würzburg aufwarten. Möglich machen dies Leihgaben aus der Grafischen Sammlung des Niedersächsischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg. Es werden Meisterwerke von Rembrandt van Rijn über Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der mit Goethe in Italien weilte, und Karl Schmidt-Rottluff bis hin zu Georg Baselitz und Gerhard Richter gezeigt. Insgesamt reisen mehr als eine Hundertschaft Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarelle von der Waterkant an den unterfränkischen Main. Diese Schätze werden nur selten ausgestellt. Vielmehr verbringen sie aufgrund des lichtempfindlichen Papieres ihr Dasein von den Augen der Öffentlichkeit verborgen im Dunkel der Museumsmagazine.

 

Die Basis des Oldenburger Bestandes, der im dortigen Schloss untergebracht ist, bildet die Sammlung der Großherzöge von Oldenburg, die seit dem späten 18. Jahrhundert Künstler an ihren Hof banden, darunter Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Der sogenannte Goethe-Tischbein zeichnete von 1808 an als Galerie-Inspektor für die Großherzogliche Kunstsammlung verantwortlich. Tischbeins berühmtestes Gemälde, „Goethe in der römischen Campagna“ (1787), hängt heute im Frankfurter Städel. Es entstand, wie auch mehrere Zeichnungen und Tuschskizzen, während Goethes Italienreise. Frucht dieser von 1786 bis 1788 währenden Grand Tour ist womöglich auch ein Portrait des jungen Goethe, das in Würzburg gezeigt werden wird. Die genaue Entstehungszeit ist nicht gesichert.

 

Über das Zeichnen im südlichen Arkadien brachten die Romantiker ihre Sehnsucht nach Natur zum Ausdruck. Beispiel hierfür ist etwa die „Italienische Landschaft“ des 1802 im oldenburgischen Vegesack geborenen Ernst Willers. Darüber hinaus wurde in der Kunst jener Zeit oft das Düstere und Phantastische thematisiert. Davon zeugen Tischbeins Wurzelformationen und Muscheln, in denen er Gesichter und Fratzen spiegelte. Vom Dunkeln zeugt auch seine auf etwa 1805 zu datierende Zeichnung „Der lange Schatten“.

 

Vorzüglich ins Bild darf sich im Kulturspeicher bis zum 28. September die Klassische Moderne setzen, und innerhalb dieser wiederum die Werke der „Brücke“-Künstler um Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, die schon 1907 das unfern Oldenburg gelegene Nordseebad Dangast für sich und ihren farbenkräftigen Weg in den Expressionismus entdeckten. Gezeigt wird etwa Max Pechsteins „Dangaster Landschaft“ von 1910, gezeigt werden auf dem Weg in die Moderne zudem Arbeiten von Paul Klee, von Otto Dix und ein Selbstbildnis von Emil Nolde.

 

Die Kunst unserer Tage bedient sich einer Vielzahl unterschiedlicher Techniken, von der Radierung über den Holzschnitt und die Lithografie hin zu Bleistift- und Farbzeichnung, Aquarell und Pastell. Georg Baselitz ist mit Radierungen vertreten, Gerhard Richter mit dem Siebdruck „Schweizer Alpen“, als dessen Grundlage dem gebürtigen Dresdner des Jahres 1932 Photographien dienten, die er bei einer Reise nach Mailand anno 1968 aus dem Flugzeugfenster heraus machte. Dass gerade auch der oft unterschätzten grafischen Kunst große Klasse zu eigen ist, wird in der Oldenburg-Würzburger Schau zwischen Rembrandt und Richter vielstimmig und aufs Schönste unter Beweis gestellt.

 

Die Ausstellung wird flankiert mit einer Reihe von Veranstaltungen, darunter ein Kunstaperitif zum Feierabend am 7. August. Nach einer zwanzigminütigen Führung, in deren Mittelpunkt Edvard Munchs Grafiken stehen, bleibt Zeit für ein Glas Sekt. Schon zwei Tage zuvor, am 5. August, werden Kinder von acht Jahren an in experimentelle Drucktechniken eingeführt. Schließlich finden am 13. September Kreativführungen für Jugendliche und Erwachsene mit einem praktischen Schwerpunkt statt. Sie werden „Facetten der Grafik – Von der Zeichnung bis zum Holzschnitt“ vorstellen. Der kreative Teil gilt dem Zeichnen und der Drucktechnik. 

 

Copyright Fotos:

Max Pechstein, Dangaster Landschaft: © 2014 Pechstein Hamburg/Tökendorf

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Der lange Schatten: © Foto Sven Adelaide

Otto Dix, Neugeborenes Kind: © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Otto Mueller, Akte im hemd: © Foto Sven Adelaide

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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