Zwischen Klavierabend und Streichoktett

Große Namen beim Musikverein Bamberg

Zwischen Klavierabend und Streichoktett

Zum Finale seiner Kammerkonzert-reihe lockt der Musikverein Bamberg in der Spielzeit 2014/2015 abermals (mögliche) Stars von morgen – also Preisträger des Bayerischen Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ – in den Spiegelsaal der Harmonie. Als siebenteiliges Präludium aber bietet der von Andrea Paletta geführte Verein ebenso selbstverständlich längst etablierten Künstlern, oft von Weltruf, eine Bühne im Joseph-Keilberth-Saal der Bamberger Konzert- und Kongresshalle. Das Spektrum reicht vom Klavierrezital über den Liederabend bis hin zum Streichoktett gleich zum Auftakt am 11. Oktober. Im 2006 gegründeten Berliner Solistenoktett haben acht noch junge und doch schon international gefragte Instrumentalisten zusammengefunden, deren Tenor lautet: die gemeinsame Liebe zur Kammermusik. Sie bringen Streichoktette von Dmitrij Schostakowitsch und George Enescu zu Gehör sowie Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichoktett Es-Dur op. 20.

 

„Eine laue Sommernacht“ anfangs November? Warum nicht! So jedenfalls hat das Acelga Quintett sein Rezital am 8. November überschrieben. Die fünf noch jungen Musiker des Acelga Quintetts lernten sich während des Studiums an der angesehenen Musikhochschule Hannover kennen und begegneten einander zudem in Orchestern wie dem European Union Youth Orchestra und der Jungen Deutschen Philharmonie. Seit knapp anderthalb Jahren gehören sie zur Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler. Am Fagott zu hören ist im Übrigen die aus Bamberg stammende Antonia Zimmermann. Der auf den ersten Blick kryptisch anmutende Name löst sich über das Portugiesische (und Spanische) leicht auf: „acelga“ sagt man auf der Iberischen Halbinsel, wenn man Mangold meint, was wiederum gut zu Bamberg passt, das ja nicht nur in Sachen Musik einen guten Ruf hat, sondern auch für seine Gärtner bekannt ist. Und Hanna Mangold heißt eben die Flötistin des Acelga Quintetts, das mit Werken etwa von Berio und dem Hanauer Hindemith sowie der „Summer Music“ von Samuel Barber (der also tatsächlich noch etwas anderes komponiert hat als das allgegenwärtige „Adagio for Strings“) an die Regnitz kommt.

 

Der gerade für seinen Eigensinn gerühmte Piotr Anderszewski ist in der kommenden Saison Portrait-Pianist der Bamberger Symphoniker. Beim Musikverein wird er sich am Nikolaustag mit einem Soloabend vorstellen: Béla Bartóks Bagatellen op. 6 und Karol Szymanowskis Métopes op. 29 werden gerahmt von der Ersten sowie von der Sechsten Englischen Suite Johann Sebastian Bachs. Lange hat das Fauré Quartett nicht gebraucht, um sich den vordersten Rang als weltweit führendes Klavierquartett zu erspielen. Häufiger ist es bereits beim Musikverein zu Gast gewesen. Jetzt reist es mit einem selten zu hörenden Programm an: mit dem op. 20 von Sergei Tanejew, zu dessen Schülern am Moskauer Konservatorium beispielsweise Rachmaninow und Skrjabin zählten, mit dem op. 13 von Richard Strauss sowie mit dem einzigen Kammermusikwerk des Symphonikers Gustav Mahler, dessen frühem Klavierquartett a-Moll, das wie seine Zehnte unvollendet geblieben ist. Strauss und Mahler hat das Fauré Quartett im Frühjahr auch auf CD herausgebracht. Am 23. Januar kann man es im Konzert erleben.

 

Am 27. Februar kommt das Modigliani Quartett nach Bamberg, das inzwischen seit elf äußerst erfolgreichen Jahren besteht. Bei verschiedenen internationalen Wettbewerben ging es als Preisträger hervor. Die vier Musiker haben in Paris am Conservatoire National Supérieur de Musique studiert und auch von Walter Levin und György Kurtág viel gelernt. Auf dem Programm stehen Streichquartette von Maurice Ravel und Camille Saint-Saëns sowie das Streichquartett Es-Dur, ein schlichtes, gleichwohl schlicht genialisches Jugendwerk, das erst nach Schuberts allzu frühem Tod – er starb einunddreißigjährig im November 1828 in Wien – veröffentlicht wurde.

 

Lucia Huang und Sebastian Euler – also das Duo d’Accord – gastieren am 13. März im Joseph-Keilberth-Saal. Die beiden lernten sich während des Studiums an der Münchner Musikhochschule kennen und gewannen beim ARD-Wettbewerb 2000 den 2. Preis. Das Duo d’Accord ist bekannt für seine weder an Spannung noch an Abwechslung armen Programme. In Bamberg machen sie Brahms, Carl Maria von Weber und als passendes Pendant hierzu Leopold Godowskys Kontrapunktische Paraphrase über Webers „Aufforderung zum Tanz“, sowie Ravels brodelnden La Valse.

 

„Im Krieg und in der Liebe“ ist der Liederabend mit Neele Kramer (Mezzosopran) und Philipp Heiß am Klavier. Am 24. April kommen Lieder von Schumann, Franz Schubert, Charles Ives, Hugo Wolf und Benjamin Britten zu Gehör. Kramer ist ständiges Ensemblemitglied am Theater in Hildesheim, Heiß, aus Augsburg gebürtig, hat in Hannover und Würzburg studiert und hat seit letztem Jahr in der unterfränkischen Mainmetropole einen Lehrauftrag für Korrepetition inne. Zum Saisonausklang werden am 8. Mai Preisträger von „Jugend musiziert“, die aus Bamberg und Nordbayern kommen, Auszüge aus ihrem Wettbewerbsprogramm vorstellen. Mag ja sein, dass sie, wie jetzt Antonia Zimmermann, in ein paar Jahren zum Musikverein in den Keilberth-Saal zurückkehren werden.

 

Copyright Fotos:

Acelga Quintett und Fagottistin Andrea Zimmermann, Foto © DMW/Michael Haring

Pianist Piotr Anderszewski, Foto © Robert Workman/Virgin Classic

 

Jürgen Gräßer
04.08.2014

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