Kraftvoll und inspiriert dargeboten

Abschluss-CD der Gesamteinspielung aller Sinfonien und Sinfonischen Dichtungen Antonín Dvoráks durch die Staatsphilharmonie Nürnberg

Kraftvoll und inspiriert dargeboten

 Es ist geschafft! Seit 2011 hat die Staatsphilharmonie Nürnberg unter ihrem Generalmusikdirektor Marcus Bosch alle Sinfonien und Sinfonischen Dichtungen Antonín Dvoráks eingespielt. Jetzt konnte die letzte CD vorgelegt werden, auf der die zweite Sinfonie op. 4 und „Das goldene Spinnrad“ verewigt sind. Die sehr frühe Sinfonie B-Dur zeigt Dvorák auf seinem Weg zu einem eigenständigen Stil und ist vom reifen Komponisten noch recht weit entfernt. So fehlen sowohl die für den späteren Dvorák so typischen böhmischen Tanzsätze als auch die warmen, aufblühenden Melodien. Dafür besticht die Fülle der Themen und melodischen Einfälle. Das ist zwar noch kein unverwechselbarer Dvorák, aber doch sehr hörenswerte Musik, besonders wenn sie so musikantisch kraftvoll dargeboten wird wie vom Orchester der Staatsoper Nürnberg.

Musikalisch ganz anders präsentiert sich die sehr viel später entstandene Sinfonische Dichtung, die zu den genialsten Eingebungen des Komponisten zählt, mag sie auch ein grausames Märchen vertonen. Dvorák überträgt die Handlung der Geschichte bis ins Detail in die Musik, folgt aber zugleich stets einer musikalischen Form. Wie die Staatsphilharmonie diese anspruchsvolle Partitur meistert, das ist nicht nur musikalisch perfekt, sondern es wirkt auch sehr inspiriert. Welch begnadeter Inspirator da wirkt, wissen all Jene gut genug, denen die Dirigate von Marcus Bosch von ihren Opernbesuchen in Nürnberg her vertraut sind. Diese Dvorák-Gesamtaufnahme in Kooperation mit Deutschlandradio Kultur und dem Label Coviello Classics fand in den letzten Jahren bereits große Anerkennung und wird demnächst als Box erscheinen. In aufnahmetechnischer Hinsicht darf ihr Makellosigkeit bescheinigt werden.
Martin Köhl

Antonín Dvorák, Symphonie Nr. 2 / Das goldene Spinnrad, Staatsphilharmonie Nürnberg, Dirigent Marcus Bosch, COV 91735

 

Bild: Antonín Dvorák (1841-1904), 1882

Martin Köhl
12.03.2018

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