Arstidir - Nordic Notes aus Island

Erlangen/E-Werk, 23.09.2014

Arstidir - Nordic Notes aus Island

Die junge Band aus Island beehrt das E-Werk in Erlangen wieder, diesmal im Rahmen der neuen Reihe „Polarnächte.“ Präsentiert vom Label Beste! Unterhaltung, gegründet im Oktober 2008 von Christian Pliefke. Deren erste Veröffentlichungen waren Bands aus Deutschland (Sutcliffe und Grand Paradiso) und der Stil vorwiegend Singer/Songwriter, Americana und Folk. Dadurch haben sich dann doch viele nordeuropäische Künstler eingeschlichen wie u.a. Arstidir, die Indie-Folk-mit Elementen aus der klassischen Musik, dem Progressive Rock und dem Minimalismus vereinen. Die Band aus Reykjavík um Sänger/Gitarrist Ragnar Ólafsson arbeitet derzeit noch in einem stillgelegten Kraftwerk an ihrem neuen Album, dessen Veröffentlichung und Live-Premiere pünktlich zur Europatournee im Herbst geplant ist. Trotz Aufnahmestress nahm sich Ragnar die Zeit, unsere Fragen zu Arstidir, ihrer Musik und der bisherigen Karriere zu beantworten.

 

Welche Bedeutung verbirgt sich hinter dem Namen Arstidir?

 

Zu Deutsch heißen wir „Jahreszeiten“, was auf den direkten Bezug unserer Musik zu diesen vier Perioden hinweist. Wir singen und sind gleichzeitig ausgewiesene Streicher, - Klavier- und Gitarrenvirtuosen, die sich künstlerisch sehr vom Wechsel der Jahreszeiten beeinflussen lassen.

 

Seit die Band 2008 gergündet wurde, habt ihr verschiedene Besetzungswechsel durchlaufen. Trio, Quintett, Sextett, Quartett, alles war dabei. Aus wie vielen Musikern besteht Arstidir derzeit?

 

Aus vier Musikern, aus Gunnar, Daniel, Karl und mir. Daniel, Gunnar und ich haben die Band auch ins musikalische Leben gerufen.

 

In den sechs Jahren seit der Gründung von Arstidir hat die Band bereits mächtig für Furore gesorgt: Sie hat zwei Longplayer und eine Remix-EP vorgelegt, die von der Kritik hymnisch gefeiert wurden. Sie hatte zwei Nummer-Eins-Hits im isländischen Radio und hat weltweit in ausverkauften Hallen gespielt. Und das, obwohl die Band mit ihrem Stilmix permanent Genre-Grenzen überschreitet. Bewußt oder unbewußt?

 

Wir überlassen es den Zuhörern unsere Musik einzuordnen. Was für uns zählt ist, dass wir immer kreativ sind, uns weiterentwickeln und es uns beim Musik machen nicht langweilig werden darf. Das gilt auch für die Remixe, die nicht unbedingt dancefloortauglich ausgerichtet sein müssen, sondern eher in kreativer Hinsicht Neuland betreten sollen. Natürlich haben wir uns bei den jeweiligen Produktionen auch im Studio weiterentwickelt. Das Debüt war einfach gehalten, der Nachfolger „Svefns Og Vöku Skil“ (2011) in Sachen Arrangements schon deutlich aufwendiger. Und das dritte Album, dass wir derzeit aufnehmen, geht in Sachen Songwriting und Produktion noch einen Schritt weiter.

 

Dementsprechend kommt den Texten sicher auch zunehmend Bedeutung zu, oder?

 

Ja und sie sind sehr persönlich gehalten. Alle Bandmitglieder schreiben Musik und sind auch an den Lyrics beteiligt. Dabei spielt der für uns sehr wichtige Einfluss und Bezug zur Natur eine wirklich tragende Rolle.

 

Seit ihrer Gründung sind Árstíðir häufig auf Tour gewesen– insgesamt in über 30 Ländern. Zu den Höhepunkten gehörte die vom Publikum frenetisch gefeierte europäische „Falling Home“-Tour mit Pain Of Salvation und Anneke van Giersbergen. Zu einem Youtube-Hit mit über einer Million Klicks entwickelte sich der spontane A-Capella-Auftritt der Isländer im Foyer des Wuppertaler Hauptbahnhofes, wo sie die traditionelle Hymne „Heyr Himna Smiður” intonierten. Wo würdet Ihr denn gerne mal auftreten, wo ihr noch nicht gewesen seid?

 

Definitiv in Australien. Es ist zwar sehr weit weg, aber wir bekommen von dort großes Feedback für unsere Musik und enormen Zuspruch auf unserer Webseite.

 

Island hat neben Björk, Sigur Ros, Gudrid Hansdottir oder Ragga Gröndal für die Größe des Landes viele exzellente MusikerInnen hervorgebracht. Ist diese kreative Szene auch auf die ein oder andere Art und Weise miteinander verbunden?

 

Selbst wenn man nicht zusammenarbeitet, kennt man sich. Island ist klein, da gibt es immer irgendwie so eine Art künstlerischen Crossover und Austausch. Vielleicht sind die MusikerInnen in Island deshalb so innovativ.

 

In Island ist Eure Arbeitsweise sehr unabhängig, dank eines eigenen Labels habt ihr die volle Kontrolle über Eure Arbeit behalten. Unter tätiger Mithilfe vieler internationaler Fans habt ihr das neue Album über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter finanziert. 20.000 Dollar waren als Ziel geplant, zusammengekommen sind 69.000 Dollar, sicher sehr hilfreiche für Produktion und Vertrieb, der international organisiert ist. Über einen Partnervertrag erscheint die neue CD in Deutschland beim eingangs erwähnten Label Beste! Unterhaltung. Seid ihr mit der Zusammenarbeit zufrieden?

 

Sehr sogar, sie kümmern sich ja auch um das Booking und sie unterstützen uns, wo sie nur können. Und sie lassen uns die volle künstlerische Kontrolle über unsere Musik. Das ist das Nonplusultra für die Band

 

Weiere Infos: www.arstidir.com

 

Copyright Foto: Matthew Eisman

 

Frank Keil
04.08.2014

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