Maxi Gstettenbauer

Ein Niederbayer gastiert in Bamberg

Maxi Gstettenbauer

 „Oh yeah! Oh yeah!“ – was für die meisten ein Ausruf in alkoholgeschwängerter Umgebung ist, ist für Maxi Gstettenbauer Programm. Es ist der Schlachtruf des niederbayerischen Comedians, mit dem er Abend für Abend die Bühne betritt. Und damit einen der kurzweiligsten Abende der aktuellen Szene für eröffnet erklärt. Am 12. April gastiert der gerade einmal 29-Jährige in den Bamberger Haas-Sälen.

Warum der Abend kurzweilig wird? Einfach erklärt: Improvisierter als der Wahl-Kölner agieren (und vor allem interagieren) nur wenige, die sich in der weiterhin stetig wachsenden Comedy-Welt einen Namen gemacht haben.“Ich bin ein Comedian, der die Welt mit offenen Augen sieht, sich aber in Details verliert“, erklärte er im Gespräch mit dem Fokus. Sich selber in einem Satz besser charakterisieren geht fast nicht. Er, der sich selbst als Nerd-Comedian bezeichnet, trifft den Nerv insbesondere des jungen Publikums. Schließlich verliert er sich in Details aus Facebook, Netflix und sonstigen gerade hochaktuellen technischen Dingen. Und seine Rolle als Nerd unterstreicht er mit der charakteristischen Brille. Er, für das weibliche Publikum auch optisch ein Leckerbissen, versteht sich und seine Rolle in Perfektion. Dabei war das nicht immer so. Bis einer der ganz Großen in der Szene ihm die Augen öffnete: der vor wenigen Jahren viel zu früh gegangene Robin Williams.

Als der 2012 hauptberuflich ins Lager der Spaßmacher gewechselte Jungspund Williams 2013 zum zweiten Mal in Amerika traf, gab der ihm den wegbereitenden Tipp mit auf den Flug in die Heimat. „Du traust dich noch nicht, die Dinge zu sagen, die du eigentlich sagen willst“, so Williams zum Niederbayern. Der nahm ihn beim Wort. Und seine Karriere Fahrt auf. In die Karten spielte dem Komiker mit der markanten Zahnlücke die Entwicklung der Menschheit. Nerd zu sein, war plötzlich nicht mehr anders sein, sondern der Normalzustand. Weshalb sein Programmname „Lieber Maxi als normal“ fast schon überrascht. Schließlich ist Maxi längst normal. Also beinahe. Dem Vorbild amerikanischer Stand-up-Comedians folgend, rockt er die Bühnen der Republik. Er, als Maximilian Ronald Alfons Gstettenbauer im niederbayerischen Schwarzach aufgewachsen, lebt seinen Traum. Mit 14 schon wollte er unbedingt Comedian werden. Und arbeitete konsequent auf das Ziel hin, das er in Köln verwirklichte. „Der Kölner und der Bayer sind sich ja ähnlich“, schmunzelt er, „einmal im Jahr verkleidet man sich und ist besoffen.“ Besoffen muss man nicht sein, um den herrlichen Humor des Youngsters köstlich zu finden. Er verrennt sich in Details, ohne damit zu überfordern. Und er leistet sich den Luxus, bei entsprechendem Publikum zu improvisieren. Verdammt viel sogar. Auch wenn er im Interview mit der Welt kürzlich verriet: „Ich nehme meinen Beruf auch ernst.“ Es sei eine Lüge, wenn andere Comedians sagen würden: „Ich bin einfach so. Das fällt mir spontan einfach so ein. Halt die Fresse! Du bist nicht einfach so. Das ist erarbeitet, strukturiert, durchdacht.“ Was nach einem Abend mit ihm gar nicht einmal so glaubhaft klingt. Was aber andererseits, denkt man an seine Freundin, vielleicht gar nicht einmal so verkehrt ist. Auch wenn die das Leiden vieler Damen teilt: einen Technik-Nerd an ihrer Seite zu haben. Im Gegensatz zu anderen verpackt Gsettenbauer das aber perfekt. Und hat sich damit freigeschwommen.

 

Fotocredits:

Maxi Gstettenbauer auf der Bühne, Foto: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-3.0 de

Andreas Bär
05.04.2018

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