Der 18. Tambacher Sommer

Das ausgewogene Programm hat für jeden Geschmack etwas dabei

Der 18. Tambacher Sommer

 Wenn am 27. Juli zum 18. Mal der Startschuss fällt für acht Tage „Tambacher Sommer“ im romantischen Hof des schmucken Schlosses, dann geben sich die Stars einmal mehr die Klinke in die Hand. Im Fokus dabei – wie auch schon im Vorjahr – der fränkische „Dreggsagg“ Michel Müller. Der rockte im Vorjahr den Schlosshof an zwei ausverkauften Tagen am Stück. Und in diesem Jahr? Kabarettist Müller musste wohl, vom Rödentaler Veranstalter Friedrich angefragt, nicht lange überlegen. Am 1. August sollte der kultige Würzburger seinen großen Auftritt haben. Doch – ätsch-bätsch – schon nach wenigen Tagen war der Gig, wie auch schon in der letzten Saison, restlos ausverkauft. Also entschlossen sich Wolfgang Friedrich und der Künstler spontan, erneut einen Zusatztermin zu installieren. Von daher wird sich Michl Müller schon 24 Stunden vorher auf den kurzen Weg aus Unter- nach Oberfranken machen und die mit 1.600 Plätzen bestuhlte Veranstaltung zweimal binnen zweier Tage bespielen.

Nicht minder ordentlich ist das Feedback auf den Auftritt von Wincent Weiss. Bei dessen Gig gibt es keine Bestuhlung: Insgesamt gut 2.600 Leute fasst der schnucklige Innenhof des Tambacher Schlosses dann – die Tendenz geht zu einem ausverkauften Konzert. Seit der Liedermacher und Echo-Gewinner vor gut zwei Jahren mit „Musik sein“ raketenartig in der deutschen Musiklandschaft einschlug, geht es für den 25-Jährigen steil bergauf. Angekommen in der Belle Etage der neuen deutschen Soul-Musik liefert er stetig ab. Zur Freude seiner Anhänger. Mit „An Wunder“ setzte er in diesem Jahr noch einen Knaller auf - auch die Scheibe kletterte ad hoc hoch in den Charts. In dem optimistischen Song dreht sich alles um eine Beziehungskrise mit der Hoffnung auf ein Wunder. Hoffnungen und Wunder können sich erfüllen. Das hat Weiss in den letzten Jahren selbst erfahren. Lang war unklar, ob sein Traum, Musiker zu werden, sich erfüllt – aus dem beschaulichen Eutin zog es ihn nach München, doch erst nach seinem Umzug in den musikalischen Schmelztiegel Berlin gelang es dem bescheidenen Nordlicht, seinen Traum zu verwirklichen.

Für Gregor Meyle wird es bereits das dritte Gastspiel in Tambach sein. „Ihm gefällt‘s in Tambach, und wir mögen uns auch persönlich“, erzählt Wolfgang Friedrich über den bodenständigen Schwaben mit dem zementierten Dauergrinsen unter der Nerd-Brille. Meyle ist einer, der alleine mit seiner Präsenz gute Laune schafft. Der Drei-Tage-Bart-Träger, zumeist mit stylischem Hut anzutreffen, weiß, wie man Leute begeistert. Seit der 39-Jährige vor über zehn Jahren in einer Stefan Raab-Castingshow die Herzen der Republik eroberte, hat Meyle regelmäßig geliefert. Fünf Studioalben, unzählige Singles und immer wieder gut besuchte Tourneen und Festivalauftritte: Der seit Jahren in Nordrhein-Westfalen lebende Backnanger überzeugt mit dem in seine Musik gelegten Herzblut. Immer und immer wieder. Wie sehr die Kollegen ihn schätzen, zeigt alleine der Blick auf seine Feature-Auftritte: Eigentlich reicht es dabei, Helene Fischer zu erwähnen. Mehr Ritterschlag, als von ihr angefragt zu werden, geht im deutschen Musikbusiness kaum.

Nachdem im Vorjahr Patrick Michael Kelly den Schlosshof rockte, ist in diesem Jahr Bruder Angelo mit seiner Familie am Start. Es wird eine große Aufgabe für Angelo sein, sein Bruderherz zu toppen. Der spielte im Vorjahr gewaltig, präsentierte sich als exzellenter Entertainer. Während „Paddy“ sich solo verdingt, kehrten Angelo und Co. so ein bisschen zu den Wurzeln zurück. Vor mittlerweile acht Jahren comebackte die Kelly Family in reduzierter Besetzung. Nach einigen Jahren als Wandertruppe in Irland sesshaft geworden touren sie – inzwischen mit neuer Platte im Gepäck. Und personell „umbesetzt“ – quasi die Kelly Family 2.0. Anstelle von Eltern und Geschwistern tourt Angelo jetzt mit Frau Kira und den Kindern Gabriel (16), Helen (14), Emma (12), Joseph (7) und William (2) durch Europa.

Und die Kellys sind nicht die einzigen „Rückkehrer“: Schmidbauer, Pollina, Kälberer geben sich mit ihrem Programm „Süden“ am Sonntag, 29. Juli, die Ehre. Vor fünf Jahren erklärten Werner Schmidbauer und Martin Kälberer ihren Bühnen-Abschied und landeten mit ihrem Abschluss-Auftritt in der Arena di Verona einen absolut legendären Brecher. Die Nachricht von ihrer Rückkehr auf die Münchener Tollwood-Bühne schlug hohe Wellen, binnen kürzester Zeit war das als Einzelkonzert geplante Event restlos ausverkauft. Am Ende beschlossen die zwei charismatischen Charakterköpfe, eine kleine Süddeutschland-Tour zu spielen und dabei Pippo Pollina mit ins Boot zu nehmen. Man darf gespannt sein – schon heute sind für viele der Konzerte keine Tickets mehr zu haben.

Den Auftakt zum Tambacher Sommer aber macht in diesem Jahr die Abba-Night, die an Spannung zunimmt, da die vier Kult-Schweden kürzlich ja ein Comeback nach 25 Jahren in Aussicht gestellt haben. Seit einigen Jahren schon sorgt die Abba-Revival-Band für Furore. Umjubelte Konzerte rund um den Erdball sind an der Tagesordnung. Zwar stehen Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad (noch) nicht selbst auf der Bühne: Die Coverband Waterloo aber schafft es, Vergangenes in die Jetzt-Zeit zu transportieren. Und das in hören- und sehenswerter Art und Weise.

 

Fotocredits:

Gregor Meyle, Foto © Axel Mueller Photography

Foto © Volker Lesch - www.licht-reise.de

Andreas Bär
07.06.2018

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