Bamberg hat den Blues

Das Weltkulturerbe ganz im Zeichen des 12. Tucher Blues & Jazzfestivals

Bamberg hat den Blues

 Und jährlich grüßt das Murmeltier. Es ist wieder soweit! Vom 3. bis zum 12. August geht das Tucher Blues- & Jazzfestival in Bamberg und in seinen umliegenden Kommunen zum zwölften Mal über die Bühne. Und es scheint im Vorfeld alles wie gehabt: Hochkarätige Künstler, altbekannte Gassenhauer und potenzielle künftige Musik-Sternchen geben sich die Klinken in die Hand – respektive teilen sich die vielzähligen Bühnen in der hiesigen Region um für ein einmaliges Spektakel zu sorgen.

„Wo Sprache aufhört, fängt die Musik an“ – Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, gemeinhin bekannt als E. T. A. Hoffmann, tat diesen Ausspruch vor mehr als 200 Jahren. Und was soll man sagen: Von ihrer Gültigkeit haben diese Worte im Laufe der Jahrhunderte so gar nichts eingebüßt. Das fanden auch Bambergs Citymanager und Festivalorganisator Klaus Stieringer und Volker Wrede, künstlerischer Leiter des Blues- & Jazz-Festivals und fanden so das Leitmotto der kommenden verrückten, musikalischen Tage in Bamberg und Umgebung. Verrückte Tage alleine deswegen, da der Eintritt zu den gut 70 Konzerten einmal mehr dank einer breiten Sponsorenfront um die kulturell omnipräsente Sparda Bank und die Tucher-Brauerei frei ist. Was ein Alleinstellungsmerkmal mit sich bringt. Mit Fug und Recht brüsten sich die Veranstalter, dass das Blues- & Jazzfestival das größte eintrittsfreie seiner Art in ganz Deutschland sei. Und trotz dessen, dass die Besucher für die Konzerte trotz vielfach gezückter Gitarren nicht einmal die Geldbörse zücken müssen, bietet das Programm auch in diesem Jahr wieder vorzüglichste Blues- und Jazz-Musik, auch andere Musik-Genres werden bedient. Wie schon im Vorjahr erwarten die Macher erneut weit über 100.000 Besucher an den zehn Festivaltagen – die Hoffnung gilt in diesem Jahr ein bisschen mehr Gnade von Wettergott Petrus, der letzte Saison eher weniger wohlgesonnen agierte und den ein oder anderen kurzentschlossenen Besucher kostete. „Wenn es regnet, ist es halt der Blues“, schmunzelt Organisator Klaus Stieringer im Vorfeld. Sich daran erinnernd, dass das Debüt vor inzwischen 13 Jahren ebenfalls ein verregnetes war.

Unabhängig davon, wie sich der Wettergott ziemt: Es gibt eigentlich keine Ausreden für Anhänger gepflegter musikalischer Töne, nicht zu kommen, zu sehen und zu hören. Schließlich ist das auf die Beine gestellte Programm erneut eines der absolut elitären Art. Oftmals die spannendsten Slots sind dabei die vom Musikhaus Thomann und dem Stadtmarketing Bamberg vergebenen zwei Bühnenauftritte: The redbook Project spielen am Samstag, 11.08. um 17.30 Uhr auf der Bühne am Gabelmann, tags darauf treten Be Three ab 16.30 Uhr am Maxplatz auf und rocken. Da ist das Festival bereits in vollem Gange: Vom 3. bis zum 5. August gibt es zum sechsten Mal Jazz vom Feinsten auf der Böhmerwiese in der Heiliggrabstraße in Bamberg. Parallel dazu und bis 12. August immer wieder steigt in vielen Städten und Gemeinden im Landkreis die Party. Ab 6. August wandert das Festivalfeeling dann auf die Sparda-Bank-Bühne am Maxplatz und die Bühne am Gabelmann. Eine Woche lang bieten die Macher des Festivals den Anhängern von Blues und Jazz New-Orleans-Feeling pur, auch Reggae, Latino und Hip-Hop-Klänge erschallen durch das Weltkulturerbe Bambergs. Mit einem schon heute feststehenden Highlight: Tony Coleman.

Er, fast 30 Jahre lang Schlagzeuger von Blues-Legende B. B. King, wird mit dem renommierten Pianisten Henry Carpaneto und dessen 5tet am Montag auf dem Maxplatz spielen. Der am letzten Festivaltag 62 Jahre alt werdende Drummer ist nicht nur optisch ein Schwergewicht, auch musikalisch zählt er, wie auch Carpaneto zu den absoluten Aushängeschildern der Branche. Große Bühnen auf der Welt kennen aber nicht nur die beiden. Auch die englische Rockband Wille and The Bandits (12.08., 19.30) hat im Laufe ihrer Bandjahre einiges erleben dürfen. Gekrönt von einem Auftritt im legendären Rockpalast. „Eine der besten Live-Acts des Landes“ hat der Daily Telegraph erkannt, Deep Purple lobten sie als „die beste Support-Band, die wir je hatten“ und kein geringerer als Joe Bonamassa adelte: „Wille ist ein fantastischer Slide-Spieler, ich liebe was die Jungs machen“. Noch Fragen? „Auf sie bin ich besonders gespannt“, verrät Volker Wrede. Nicht wirklich gespannt sein muss man auf Tony Bulluck. Er ist seit Jahren das Gesicht des Blues- & Jazz-Festivals in Bamberg. Und ist in diesem Jahr fast schon omnipräsent, gibt sich gleich viermal die Aufwartung. Er ist bei weitem nicht das einzig bekannte Gesicht. Die Bamberger Rapcombo Bambägga (8. August, Maxplatz) bringen eine Menge Lokalkolorit auf die Hauptbühne. Seit gut eineinhalb Jahren tourt die inzwischen bundesweit längst über den Status eines Geheimtipps herausgewachsene Truppe wieder mit einer Liveband durch die Lande und schafft es dabei fast schon spielerisch, die Menge auf ihre Seite zu ziehen, um zu feiern. Und darum geht es auch in Bamberg: Einige gemütliche Stunden bei schönem Wetter verleben, miteinander feiern und staunen. Und wenn dann doch die Sprache einmal aufhören sollte. Dann wäre da ja noch die Musik.

 

Fotocredits:

Malaka Hostel, Foto © Pressefoto

AL JAWALA, Foto © Felix Groteloh

Andreas Bär
01.08.2018

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