Der Nabel der „Gitarrenwelt“

Hersbruck und sein Gitarrenfestival die 19.

Der Nabel der „Gitarrenwelt“

 Das Gitarrenfestival in Hersbruck genießt in der Szene einen herausragenden Ruf. Zum mittlerweile 19. Mal bitten Macher Johannes Tonio Kreusch und seine Mitstreiter in das AOK-Bildungszentrum. Und sie haben einmal mehr einiges an Highlights im Festival-Kalender versteckt. Einer der großen Coups gelang den Veranstaltern mit der Verpflichtung von Peteri Sariola. Der finnische Senkrechtstarter ist einer der hoffnungsvollsten Gitarristen der Neuzeit. Mit seiner Gitarrenpercussion einschließenden Performance hat er sich eine außerordentliche Fanbase erschlossen. Kein Wunder: Klingt er mit seiner fast schon aggressiv anmutenden Solo-Gitarre und eindrucksvollem Groove doch nicht wie ein einzelner Darsteller, sondern mitunter wie eine ganze Rockband. Dass er noch dazu eine perfekte Stimme sein Eigen nennen kann und das in Symbiose mit seinem Spielgerät bringt, sorgt für extreme Klangerlebnisse. Nur am Rande: Weibliche Zuhörerinnen können sich auch mit den Augen an dem Finnen laben, der noch dazu auch das stillere Metier glaubhaft herüberbringt.

Altbekannt, aber immer wieder grandios ist Giora Feidman. Mit seinem Beatles-Programm kehrt der Weltmusiker zum Abschlusskonzert zurück nach Mittelfranken. Der in Argentinien geborene Jude, längst in Deutschland heimisch geworden, zweifacher Echo-Gewinner, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, genießt eine Sonderstellung. Auch mit inzwischen 82 Lenzen auf dem Buckel ist er kein bisschen müde und überzeugt Abend für Abend auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Spannung versprechen auch Adam Rafferty aus New York und der Kanadier Donn Ross. Rafferty, den viele unbekannterweise kennen, erlangte einst in Europa Berühmtheit, als er für das legendäre „Bring me edelweiss“- Album der österreichischen Band Edelweiß einige Tracks beisteuerte, ehe er sich dem Jazz-Genre widmete und immer wieder mit legendären Coverversionen auf sich aufmerksam machte – allen voran die zum You Tube-Hit gewordene Version von Michael Jacksons Gassenhauer „Billie Jean“. Doch nicht nur männliche Stars stehen in Hersbruck auf der Bühne. Mit der bildhübschen und blutjungen kroatischen Ausnahmegitarristin Ana Vidovic und der brillanten Cecila Sequeinra aus Uruguay geben sich zwei weibliche Gitarristinnen am Mittwoch die Ehre, das Eröffnungskonzert spielt die Brasilianerin Badi Assad. Diesen Abend komplettieren der in New York beheimatete Pianist Cornelius Claudio Kreusch, Bruder des Machers, mit seiner Band und Jazz-Saxophonist Bobby Watson – im Genre längst einer mit Legendenstatus und seit vielen Jahren persönlicher Freund und Bühnenkollege der Kreusch-Brüder.


Fotocredits:

Gitarrenfestival in Hersbruck, Foto © Ana Vidovic

 

Andreas Bär
01.08.2018

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