Das E-Werk trotzt der Sommerflaute

Calexico und das Emil Brandquist Trio spielen in Erlangen

Das E-Werk trotzt der Sommerflaute

 Sollte der Spätsommer die vollmundigen Ankündigungen von Wettergott Petrus aus dem April und Mai bestätigen, dann dürfen Fans des Erlanger E-Werks frohlocken: Schließlich wartet ein entspannter Biergarten auf Freunde gepflegter Hopfenkaltschalen. Doch nicht nur dort dürfen sich die Leute freuen. Auch in den Innenräumen des E-Werks warten spannende Dinge. Zwei hochkarätige Gigs warten in der ruhigeren Konzertzeit auf Mithörer. Am 15. Juli gastieren Calexico, am 12. September gibt sich das Emil Brandqvist Trio die Ehre.
 
Calexico zählen zu den spannenden Projekten nord- und mittelamerikanischer Pop/Rock-Musik. Dabei hat sich die Multikultitruppe unbeabsichtigt wieder in den Fokus gespielt. Calexico ist ein kalifornisches Dorf an der mexikanischen Grenze – daher auch der Bandname: eine Mischung aus California und Mexico. Musikalisch perfekt geeignet, Folkrock und Latino-Basics zu verschmelzen, andere Einflüsse zu integrieren und damit weltweit zu ­rocken. Politisch rückten Frontmann Joey Burns und seine Mannen ungewollt in den Mittelpunkt. Seit Trump und der unsäglichen Diskussion über eine Mauer zwischen beiden Staaten rückt die Band immer stärker in den Fokus. Mit „The Thread That Keeps Us“, dem neunten Studioalbum, haben sich Calexico zurückgemeldet. Politischer wie nie, aber auch zorniger als jemals in 20 Jahren Historie. Ein Pflichttermin für alle, die spannenden Folkrock lieben! Ähnlich spannend, wenn auch ganz anders, geht es beim Emil Brandqvist Trio zu. Das Ensemble um den Göteborger Schlagzeuger geht durch die Decke: An der Seite des finnischen Pianisten Tuomas A. Turunen und des dynamischen Kontrabassisten Max Thornberg überzeugt Namensgeber Brandqvist mit herrlich jazzigen Klangbildern, die nie in kitschige Arrangements abzudriften drohen. Mit „Within a Dream“ haben die Skandinavier ihr viertes Album eingespielt – setzen Meilensteine. Begeisternde Festival-Gigs, unzählige ausverkaufte Clubs und nicht zuletzt die Nominierung für den Jazz-Echo sorgten dafür, dass sich das Trio in die erste Riege des Genres spielen konnte. Überzeugen kann das Trio mit einer Mixtur aus Dynamik, filigranen Klängen und vielen Variationen von Flöten, Synthesizern und Klarinetten-Klangspielen, die sich im Laufe der Scheibe immer mehr zu einem Klangbild entwickeln, das vom Hocker reißt. Cineastisch muten die Kompositionen an, verlieren nie an Kraft und Spielfreude. Das renommierte Magazin Kulturzeit auf 3Sat übt den Ritterschlag. „Sie sind wahre Klangmaler“, stellte man fest. Mehr muss man nicht schreiben. Es ist ein Satz mit Punkt. Auf den Punkt gebracht.
 

Fotocredits:

Calexico, Foto © Jairo Zavala Ruiz

Andreas Bär
03.08.2018

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