Große ­Panoramen und geheimnisvolle Kunst

Zwei ­Sonderausstellungen laden ins Museum im ­Kulturspeicher Würzburg

Große ­Panoramen und geheimnisvolle Kunst

 Gleich zwei Ausstellungen sind derzeit im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen. Noch bis 4. November werden Arbeiten des in Düsseldorf lebenden Künstlers Hiroyuki Masuyama (* 1968 in Tsukuba/Japan) gezeigt. Masuyama arbeitet seit Jahrzehnten in meist fotografischen Arbeiten an einem großen Thema, das im Titel der Ausstellung umrissen wird: Welt / Reise / Zeit. Ausgangspunkt, obgleich im Werk selten zu sehen, ist immer der Mensch mit seinem Erfahrungshorizont, der sich über das Erleben von Raum und Zeit definiert. Masuyamas künstlerische Arbeit setzt es sich zum Ziel, diesen Erlebnishorizont zu erweitern und die dem normalen menschlichen Erleben gesetzten Grenzen zu sprengen.

So überführen fotografische Neuschöpfungen von Bildern Caspar David Friedrichs oder William Turners die jahrhundertealten Gemälde kaum merkbar in unsere Gegenwart. In dem 33 m langen, hinterleuchteten Fotopanorama „Flowers“ blühen Blumen aller Jahreszeiten nebeneinander und erzeugen das überwältigende Bild einer idealen Blumenwiese. Auch auf sein neuestes Werk – eine in monatelanger Feinarbeit gefertigte, begehbare Kugel, die einer Raumkapsel gleicht, darf man gespannt sein.

Eine zweite Ausstellung zieht bis 24. Februar 2019 ein Resümee der von detektivischer Kleinarbeit geprägten Provenienzforschung. Im Jahr 1941 als „Städtische Galerie“ gegründet und mit beträchtlichen Mitteln ausgestattet, erwarb der Gründungsdirektor des heutigen Museums im Kulturspeicher – Heiner Dikreiter – bis 1945 über 5.000 Kunstwerke. Woher aber kamen all diese Kunstgegenstände? Sind Gemälde dabei, die aus jüdischem Eigentum stammen und als NS-verfolgungsbedingt entzogen gelten müssen? Dieser Frage hat sich das Museum im Kulturspeicher in den vergangenen drei Jahren in einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekt gestellt. Exemplarisch legt sie die Wege offen, auf denen die Werke in die Sammlung gelangten; unbedenkliche, ungewisse, aber auch hoch belastete Provenienzen werden beispielhaft erläutert.

 

Fotocredits:

Heffner, K. Meereswelle, o. Dat., verso Detail I, Ausstellung zur Provenienzforschung, Museum im Kulturspeicher Würzburg


02.10.2018

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