Jazz von Weltformat zu Gast in Bamberg

Till Brönner und Dieter Ilg bespielen die Bamberger Konzerthalle

Jazz von Weltformat zu Gast in Bamberg

 Mit der jüngst verstorbenen Soul-Göttin Aretha Franklin zu Ehren von Ex-US-Präsident Barack Obama zusammen auf der Bühne stehen…. geht nicht. Zumindest nicht, wenn man ein deutscher Künstler ist. Falsch. Es geht. Wenn man Till Brönner heißt und einer der begnadetsten, vielleicht der begnadetste Swing- und Jazzsänger Deutschlands ist. Brönner, am 27. November in der Bamberger Konzerthalle zu Gast, wurde diese Ehre vor gut zwei Jahren zuteil. Die wahrscheinliche Krönung einer musikalischen Vita, die ihresgleichen sucht. Der 47-Jährige gilt nicht umsonst als ein absolutes Multitalent.

Im Jazzbereich ist der Berliner und Wahl-Los-Angeleser längst auf dem nationalen Olymp angelangt, sorgt auch international für Aufsehen. Der 47-Jährige, als Professor im universitären Lehrbereich in Dresden tätig, nebenbei als nicht untalentierter Fotograf unterwegs und auch an anderen Fronten immer wieder ganz vorne dabei, hat sich im Laufe der Jahre freigeschwommen. Und wie! Jetzt treibt es ihn an der Seite seines kongenialen Partners Dieter Ilg, einem Freiburger Jazz-Artist, auf Tour. Mit ihrem im Januar erschienenen, ersten Duo-Album „Nightfall“ gelang den beiden ein Überraschungserfolg: Bis auf Platz elf der deutschen Charts kletterte der Langspieler, dessen Sogkraft auf ihrer engen Verbundenheit und Offenheit gegenüber neuen, musikalischen Wegen beruht. Beide sind im Jazz-Bereich beheimatet und doch so unterschiedlich. Über Jahrzehnte haben sie immer wieder neue individuelle Positionen im vereinten Klangraum gefunden, aus denen sie aufeinander zugehen und gemeinsame Schnitt- und Mittelpunkte ableiten konnten. Statt Genretreue setzen sie auf gegenseitiges Vertrauen, statt Technik auf Leichtfüßigkeit im Austausch – hörenswerter geht nur schwer. Aus einem unerschöpflichen Reservoir an musikalischen Ausdrucksmitteln und Vorlagen schöpfend, geht es ihnen am Ende immer um die Geschichte, die es im jeweiligen Augenblick zu erzählen gilt. Bewiesen haben sie längst alles, jetzt geht es einzig und allein um den menschlichen Faktor – der fünffache Echo-Gewinner Till Brönner und Dieter Ilg sind der lebendige Beweis dafür, dass ein Maximum an simultanen Impulsen das Gegenteil von einem Kompromiss sein kann. Zwei begnadete Storyteller, die zugleich aufmerksame Zuhörer sind, geben sich die Ehre. Eine Ehre, die schon Barack Obama zuteilwurde. Und vermutlich hatte der ehemalige First-Man von Amerika seinen Spaß dabei. Wie so viele Brönner-Anhänger in den letzten Jahren auch.

 

Fotocredits:

Till Brönner und Dieter Ilg, Foto © Chris Noltekuhlmann

Andreas Bär
04.10.2018

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